Dienstag, 27. Mai 2008

Neue Ziele



„Nach dem Marathon ist vor dem Marathon“, so eine Läuferweisheit. Irgendwie eine Phrase, aber doch auch richtig. Nachdem der Karstadt-Marathon super für mich gelaufen ist, war die Entscheidung „es“ ein weiteres Mal in Angriff zu nehmen fast zwangsläufig. Ziele braucht der Mensch. Optional ist der RWE-Marathon am 12. Oktober um den Baldeneysee in Essen. Der Termin liegt relativ weit hinten; es ist als genügend Zeit zur Vorbereitung. Die Jahreszeit scheint günstig. Die Strecke ist flach. Die Bedingungen des Veranstalters sind vergleichsweise äußerst fair. Ich kann mich noch 14 Tage vor der Veranstaltung für 35 Euro anmelden. Aber auch der Weg ist das Ziel. Ich werde demnächst einen 10 Km-Trainingsplan starten, dann in ein verkürztes Halbmarathon-Training übergehen und nach und nach in das eigentliche Marathontraining einsteigen. Klar werde ich versuchen meine Zeit noch zu verbessern. Vielleicht ist ja eine Zeit unter 4:45 Stunden drin, wenn alles passt. Ich werde das in den 3 Trainingsphasen abklopfen.

Die ersten beiden kleineren Läufe habe ich schon wieder hinter mir. Der erste Lauf fünf Tage nach dem Marathon. Ich hatte noch sehr die 42 Km in den Beinen, auch wenn ich natürlich schmerzfrei losgelaufen bin. Bald merkte ich aber ein leichtes ziehen im linken Oberschenkel und überhaupt lief es sehr unrund. Habe die Trainingseinheit nicht abgebrochen. Bin so eine Stunde durchgelaufen. Danach ging 2 Tage nichts mehr. Hatte schon schlimme Befürchtungen, dass die Muskulatur einen richtigen Knacks bekommen haben könnte. Ist aber alles in Ordnung. Habe heute Morgen problemlos einen 45 minütigen Lauf gemacht. Ist also so gerade noch mal gut gegangen.

Am vergangenen Wochenende habe ich mein neues Ziel in Augenschein genommen. Na ja, den Baldeneysee kannte ich vorher auch schon. Habe ja sogar vor Jahren mal den See mit dem Fahrrad umrundet.

Montag, 19. Mai 2008

Mein 3. Marathon - Einfach nur ein geiler Lauf!

Die Fakten:

42,195 Km von Dortmund über Bochum, Herne, Gelsenkirchen nach Essen

Zeit: 4 Stunden 49 Minuten 41 Sekunden
Schnitt: 6:52 Minuten pro Kilometer

1. Hälfte: 2:24:38 Minuten

2. Hälfte: 2:25:03 Minuten (nur 25 Sekunden langsamer)

Die ersten 10 Km in 1:10:09 Stunden

Kilometer 30 – 40 in 1:09:28 Stunden

Dabei von 30 Km – 35 Km in 33:01 Minuten
35 – 40 Km in 36:27 Minuten

zum Vergleich die ersten 5 Km: 34:26 Minuten


Und so war es:

Freitag die Startunterlagen aus der Messehalle in Essen abgeholt. Mehr humpelnd als gehend. Klar, in 2 Tagen will ich ja auch Marathon laufen. Einen Kleiderbeutel gebe ich mit meinen Wechelsachen ab, die ich nach dem Lauf anziehen will. Damit steht fest, ich muss am Sonntag nach Essen um meine Sachen abzuholen. Auf welchem Weg ist aber völlig unklar.

Samstag, meine Wade zwickt bei leichten Belastungen immer noch. Ich würde keinen Euro darauf setzten, dass ich morgen einen Marathon laufen werde.

Sonntagmorgen um viertel nach sechs klingelt der Wecker. Ich bin schon seit einer Stunde wach. Meiner Wade geht es fast gut. Bei leichten Auflockerungsübungen spüre ich nur noch ganz wenig. Ist das noch eine restliche Verkrampfung oder ist es eine Muskelverletzung? Ich werde es riskieren. Zum Frühstück bekomme ich nur 2 kleine Brötchen mit Honig runter. Ich habe mich vor allem am Vortag mit Kohlehydraten zugeknallt. Abends habe ich mir noch eine riesige Nudelpfanne gemacht. Davon hätten auch 3 Leute satt werden können.

Auf nach Dortmund. Auf dem Bahnhof in Dorstfeld treffe ich die Leiterin unseres Gesundheitsamtes. Sie läuft den HM von Dortmund nach Herne. Am Start. Es sind ideale Wetterbedingungen. Kühl und trocken. Es geht los. Vor mir auch einige Walker und Nordic Walker. Warum ordnen die sich nicht richtig am Ende des Feldes ein? Hilft nichts. Man muss dran vorbei. Und es geht trotz des riesigen Läuferfeldes ganz gut.

6:51 Minuten für den 1. Kilometer. Ich wollte sehr verhalten beginnen. Das ist fast schon zu gut, aber ist noch akzeptabel. Der 2. Kilometer geht in 7:03 Minuten. Das wiederum ist mir wieder ein paar Sekunden zu langsam. Es ist gar nicht so leicht ganz gleichmäßig zu laufen. Insbesondere wenn so viele Läufer um einen herum sind. Die nehme ich allerdings nur wie im Film wahr. Ich bin ganz auf meinen eigenen Lauf fixiert. 5 Km in 34:26 Minuten. So habe ich mir das Idealerweise vorgestellt. Dann kommt die erste Getränkestation. Es ist kühl. Flüssigkeitsbedarf verspüre ich nicht.

Meine linke Wade meldet sich nicht. Ich horche auf den ersten Kilometern immer wieder rein. Spüre aber nichts. Echt Schwein gehabt. Irgendwo bei Kilometer 8 gibt es einen Anstieg. Nicht steil aber lang gezogen. Ich will mit wenig Kraftaufwand hoch. Und verliere Zeit dabei, so etwa 30 Sekunden. Bloß keine Panik und keinen „Zwischenspurt“. Der Weg ist noch so lang.

1:10:09 Stunden bei der 10 Km – Marke. Da habe ich vernünftigerweise verhalten angefangen. 7:01 Min./Km im Schnitt sind in Ordnung. Wenn ich aber jetzt das Ziel unter 5 Stunden zu bleiben nicht gefährden will, dann muss ich ein ganz klein wenig schneller werden. Zwar liegt der Schnitt für eine Zeit von 5 Stunden bei 7:05 Minuten. Bei den Anstiegen in Essen ab 35 Km werde ich aber an Zeit verlieren. Da brauche ich ein kleines Polster, ohne dass ich mich jetzt verausgabe. Ich versuche also immer etwas unter 7 Minuten pro Kilometer zu bleiben. Das geht in dieser Phase natürlich auch noch problemlos.

Die Stimmung an der Strecke ist grandios. Es gibt Passagen, da ist es ein richtiges Gänsehautgefühl. Bei 15 Km nehme ich das erste PowerGel zu mir. Ganz bewusst schon jetzt. Wenn der Akku leer ist, dann wäre es schon zu spät.

In Herne ist richtig was los, als es auf die letzten Kilometer für die Halbmarathon-Läufer geht. Einige von denen schwächeln aber schon ein wenig und ich kann „überholen“. Da muss man aufpassen, dass man nicht schneller wird und Kraft verbraucht, die am Ende fehlt. Dann trennen sich die Wege. Die Halbmarathon-Läufer biegen scharf nach rechts ab. Für die Marathonis geht es geradeaus weiter. Es wird ruhig. Nur noch wenig Läufer auf der Strecke in Richtung Essen. Und auch zuschauermäßig wir es erstmal etwas dünner. Das kenne ich schon aus dem vergangenen Jahr. Bei 20 Km schiebe ich mir das 2. PowerGel rein.

Der 1. Halbmarathon-Abschnitt ist für mich erreicht. 2:24:38 Stunden. Das ist ein Schnitt von 6:51 Min./Km. Für die letzten 11,1 Km nach den ersten 10 Km: 6:43 Min./Km. Das ich dermaßen zugelegt habe war mir in dem Augenblick nicht klar.

Auch in Gelsenkirchen ist die Stimmung gut. Deutlich besser als vor einem Jahr, als die Kicker von Gazprom am Vortag in Dortmund ihre Meisterschaft endgültig vergeigt hatten. Am Streckenrand wird jetzt eine Gruppe Blauweißer laut: „Schalke!“ – „04!“ Also nichts wie weg hier.

So langsam merke ich dass ich Marathon laufe. Ich spüre zwar noch keine Schwäche. Doch die Beine merke ich langsam schon. Jetzt geht der Lauf erst richt los. Es wird immer anstrengender. Jetzt ist es ein richtiger Marathon. Jetzt heißt es zu kämpfen und sich durchzubeißen. Wenn es gut läuft, so hatte ich es mir vorgestellt, dann wollte ich bis 35 Km ein ordentlich gleichmäßiges Tempo laufen. Mit der Aussicht, dass ich auch dann noch unter 5 Stunden bleibe, wenn ich auf den letzten 7,195 Km deutlich langsamer werde. Dazu müsste ich bei 35 Km eine Zeit von etwa 4 Stunden haben. Doch noch ist es nicht soweit. Erst kommt bei Km 29 der Come-Together-Point. Die Läufer, die in Oberhausen gestartet sind stoßen auf unsere Strecke (oder umgekehrt). Dann endlich die 30 Km: 3:24:07 Stunden. Das ist ein Schnitt von 6:48 Min. für den Km. Und für den Abschnitt von Halbmarathon bis 30 Km sind es 6:41 Min./Km.

Jetzt geht es an die Reserven. Zuerst zwickt es im rechten Oberschenkel; 2 Km später auch im linken. Danach in der rechten Wade. Nur die linke Wade mit dem nächtlichen Krampf vor 2 Tagen sagt keinen Mucks. Ich versuche immer noch kontrolliert locker zu laufen und dabei das Tempo zu halten. Jetzt nur keinen falschen Schritt, bei dem sich die angespannte Muskulatur verkrampft oder gar zerrt. Die Anstrengung spüre ich jetzt auch im Gesicht. Auch die Zuschauer in Essen feuern die Läufer ganz hervorragend an. Doch fällt es mir zunehmend schwerer mich darauf einzulassen. Anderen Läufern geht es wesentlich schlechter. Ich bin jetzt ein bisschen auf der Überholspur.

35 Km in 3:57:08 Stunden. Die Marke ist geschafft. Deutlich schneller als die maximal erhofften 4 Stunden. Für diese letzten 5 Km brauche ich 34:27 Minuten. Das ist bis auf eine Sekunde die Zeit der ersten 5 Km. Damit habe ich mein „Soll“ erfüllt. Ich schaffe die 5 Stunden. Aber die letzten 7,195 Km werden hart. Jetzt kommt das härteste Stück. 35 Km in den Beinen und die bei den Läufern gefürchteten Anstiege in Essen.

Erstmal kommt aber die Verpflegungsstation nach 35 Km. Mein letztes Powergel ist fällig. Ich suche in meinem Gürtel. Werde beim ersten und zweiten Versuch in irgendwelchen Taschen nicht fündig. Habe keine Lust weiter zu suchen. Ich bin jetzt auch mental nicht mehr frisch. Ich ergreife aber ein Stück Banane und kippe einen Becher Wasser hinterher. Wenn ich irgendwo Zeit verschenkt habe, dann war es diese Stelle. 10 Sekunden mögen es gewesen sein. Aber das ist auch im nach hinein zu verschmerzen.

Und dann kommen die Anstiege. Dafür dass ich so kaputt bin geht es eigentlich noch. Ich komme ganz gut rauf. Aber auch ich habe jetzt einige Geheinlagen. Aber ich versuche diese möglichst kurz zu halten. Die Zeit bei 40 Km zeigt, dass mir das erstaunlich gut gelingt. 36:43 Min. von 35 – 40 Km; das ist ein Schnitt von 7:21 Min./Km.

Noch 2,195 Km. Jetzt gibt es eine Situation, die mich völlig unvorbereitet trifft. Kurz vor mir biegen schnellere Läufer auf die Strecke. Es sind Schüler, wie ich bald registriere. Die Laufen irgendeine kurze Distanz und haben im Vergleich zu uns Marathonläufern, die mehr oder weniger fertig sind, ein „mordsmäßiges“ Tempo drauf. Und es sind viele sehr viele. Sie fallen fast wie eine Heuschreckenplage über uns her. Das ist nicht lustig und wegen diverser Überholmanöver auch nicht ganz problemfrei. Sie laufen mit uns Marathonläufer über die gleiche Ziellinie. Das verhagelt doch etwas den eigenen Zieleinlauf.

Trotzdem! Die letzten gut 2 Km versuche ich so gut wie es die Umstände und der eigenen Zustand erlauben zu genießen. Ich kriege noch ansatzweise einen ordentlichen Endlauf hin und versuche mir die Anstrengungen und letztendlich die Qualen nicht anmerken zu lassen. Die letzten 30 m reiße ich die Arme hoch, laufe jubelnd durchs Ziel. Bin Happy ohne Ende als ich meine Zeit ablese.

Nach dem Zieleinlauf ein riesiges Gedränge verursacht durch die vielen Schüler. Es ist eine Atmosphäre wie in einem überdimensionierten Schulbus. Was hat sich der Veranstalter nur dabei gedacht das zeitlich so zu platzieren? Die Schüler hängen sich sogar die Plastikumhänge um, die eigentlich doch für die Marathonläufer vorgesehen sind, die sich über Stunden abgerackert haben. Auch um ein Getränk muss man richtig kämpfen. Liebe Veranstalter des Karstadt-Marathons, schade, dass eine an sich großartige Veranstaltung zum Schluss doch noch etwas eingetrübt wird.

Schließlich bekomme ich aber meine Medaille und dann endlich gibt es einen abgegrenzten Bereich für die Marathonläufer. Ich hole mir mein Finisher-Shirt ab. Und dann ist meine kurze Verärgerung auch ganz schnell wieder verschwunden.

Es war ein echter Grenzlauf. Ich habe alles aus mir raus geholt. Bin gleichmäßig gelaufen und hatte auch zum Schluss keinen Einbruch. Ich bin 30 Minuten schneller gewesen als vor einem Jahr!!! Ich muss also gut trainiert haben und es kann nicht alles falsch gewesen sein.

Am Tag danach spüre ich in den Beinen einen ordentlichen Muskelkater und bin für jeden Fahrstuhl dankbar. Aber das wird sich ganz schnell geben. Was bleibt ist ein Eindruck von einer tollen Veranstaltung und einem geilen Lauf.

Freitag, 16. Mai 2008

Es ist (fast) soweit!


So langsam steigt die Nervosität. Nur weniger als 2 Tage, dann startet mein 3. Marathon. Hoffentlich! Denn ein kleines Fragezeichen gibt es noch. Unfassbar, aber in der letzten Nacht hatte ich einen Wadenkrampf auf der linken Seite (wo denn sonst). Dabei hatte ich gestern Abend noch eine Magnesiumtablette genommen. Woran es liegt? Da kann ich nur spekulieren. Am Training kann es nicht mehr gelegen haben. Der letzte Lauf war am Mittwoch und nur über 8,8 Km. Vielleicht war es der gestrige lange Arbeitstag mit fast 11 Stunden bei Raumtemperaturen von 25 Grad und mehr. Vielleicht oder sogar wahrscheinlich habe ich viel zu wenig getrunken. Doch ich lasse mich nicht unterkriegen. Es ist nicht so schlimm und ich werde dass bis Sonntagmorgen in den Griff bekommen. Der letzte kleine Trainingslauf, den ich mir für heute vorgenommen habe wird aber nicht stattfinden können.

Es ist ideales Laufwetter angesagt, Temperaturen zwischen 13 und 15 Grad und trocken. Was habe ich mir da für Sorgen in den letzten Tagen gemacht. Einige Male bin während meines Urlaubs und am Wochenende mittags gelaufen um mich zu akklimatisieren. Das war schon ganz schön schweißtreibend.

Meine Zielvorgaben für Sonntag? Ankommen. Es kommt auch darauf an wie ich mich fühle. Ich bin mir unsicher ob ich den Versuch riskieren soll unter 5 Stunden zu laufen. Habe doch Bammel einzubrechen. Es wären fast 20 Minuten schneller als im letzten Jahr. Wenn es mir gut geht werde ich es vielleicht vorsichtig antesten.


Training der letzten Woche (5. – 11. Mai):

Dienstag, 6,3 Km in 42:02 Min. (= 6:40 Mn./Km)

Donnerstag, 12,6 Km in 1:24:00 Std. (= 6:40 Min./Km)
darin die letzten 6,3 Km zügig in 6:22 Min./Km

Samstag, 6,3 Km in 41:59 Min. ( = 6:40 Min./Km)

Sonntag, 22,05 Km in 2:33:47 Std. ( = 6:59 Min./Km)

Woche gesamt:

47,250 Km in 5:21:48 Std. ( = 6:49 Min./Km)


In dieser Woche am Mittwoch:

8,8 Km in 1:00:12 Std. (= 6:50 Min./Km)

Montag, 5. Mai 2008

Jetzt habe ich mir den Marathon verdient!

Die ganze letzte Woche plagten mich Rückenbeschwerden. Auch mein Hausarzt wollte jetzt nicht einfach nur weiter spritzen und schickte mich zum Orthopäden. Der fertigte erstmal ein Röntgenbild. Nur minimaler Verschleiß an der Wirbelsäule. Aber sonst nichts Schlimmes. Ich bin schon erleichtert. Rücken ok! Leider sind die Schmerzen damit nicht automatisch verschwunden. Der Orthopäde ist selbst Läufer und auch schon Marathon gelaufen. „Muss es unbedingt Marathon sein?“ Wir schauen uns an und fange beide an zu lachen.

Am Samstag hätte ich keine 2 Euro darauf gesetzt, dass ich am nächsten Tag laufen kann. Von einem 30 Km-Lauf ganz zu schweigen.

Sonntag werde ich gegen halbsechs in der Früh wach. Mein Rücken hat funkstille. Also nichts wie raus. Trotzdem grummelnd und leicht fluchend. Wer hat schon Lust um die Zeit 30 Km zu laufen. Wat mut dat mut.

Ich fange langsam und sehr vorsichtig an. Es geht! Der Rücken meldet sich nicht. Ich laufe wirklich sehr langsam. Wichtig ist mir nur den langen Lauf noch als letztes Puzzleteilchen in der Vorbereitung hinzubekommen. Ich laufe auf meiner Hausrunde. Nach 5 Runden (= 15,750 Km) ist Halbzeit- Ein Schnitt von 7:29 Min./Km. Der Puls ist bis dahin sehr niedrig. Nach 2:10 Stunden bekomme ich Probleme im linken Knie. Einige Minuten nur, dann sind die Schmerzen weg. Glück gehabt. Mein Optimismus wächst. Nach zweieinhalb Stunden geht der Puls langsam nach oben. Zu dem Zeitpunkt ist mir klar, dass es mit dem langen Lauf klappen wird. Selbst wenn ich die „30“ heute nicht schaffe, ist es für mich schon in Ordnung. Aber natürlich will ich wie geplant die 31,5 Km auch tatsächlich laufen. Als der Puls immer weiter ansteigt sehe ich auch nicht mehr ein, dass ich so langsam weiter laufen soll. Ich werde also etwas schneller und das geht auch ganz gut. In der letzten Runde (3,15 Km) gebe ich noch mal „alles“. Aber viel ist da jetzt nicht mehr. Eigentlich gar nichts. Die Schritte sind schwer und ungelenk. Aber immerhin wird es noch ein Schnitt von 6:53 Min./Km, im Idealfall mein Marathontempo. Nach 3:50:17 Stunden habe ich die 31,5 Km und den letzten langen Lauf geschafft. Schnitt: 7:18 Min./Km.

Woche gesamt: 47,250 Km in 5:40:28 Stunden (= 7:12 Min/Km). Es waren nur 3 Trainingseinheiten. Ein kürzerer Lauf ist wegen der Rückenschmerzen ausgefallen. Es hätte schlimmer kommen können. Die letzten 4 Woche mit 3 Läufen über 30 Km und einer neuen Bestzeit im HM waren richtig hart. Jetzt habe ich mir den Marathon verdient!

Mittwoch, 30. April 2008

Das verflixte Tor vor dem Halbmarathon


Laufbericht vom Ickerner Volkslauf am 27. April

Sonntagmorgen. Ich fühle mich wie gerädert. Die ganze letzte Woche hat mich geschlaucht. Die letzten beiden Tage waren noch eine Steigerung. Enkelkind Ronja, 3 Jahre alt, ist fürs Wochenende zu Besuch. Auf der Spielplatzrutsche verdreht sie sich ein Bein. Abendliche Suche nach den Folgen in zwei Krankenhäusern, bis Freitag 24 Uhr. Kleiner Haarriss, Bein trotzdem vollständig eingegipst. Samstag eine weitere Untersuchung im Krankenhaus.

Sonntag nach dem Frühstück, mir fehlt jede Einstellung zu dem geplanten Lauf; mache mich kurz vor acht auf dem Weg nach Castrop-Rauxel. Das heißt, ich will mich auf dem Weg machen. Durch den Hausflur in die Tiefgarage. Das Ausfahrtstor. Ich ziehe wie verrückt an den Strick, der normalerweise das Tor in Gang setzt. Es tut sich nichts. Das gibt’s doch nicht. Ich laufe um das Haus herum und versuche das Tor von außen mit dem Schlüssel zu öffnen. Nichts regt sich, außer ich mich auf. So eine große Schei…!

Es ist Sonntag kurz nach acht. Tut mir leid. Ich habe keine Wahl. Der Hausverwalter wohnt mit im Haus. Ich klingel ihn aus dem Bett. 10 Minuten später ist er draußen und versucht mit der dafür vorgesehenen großen Kurbel das Tor mechanisch nach oben zu bewegen. Das geht auch. Nach 5 Minuten hat sich das Tor um 30 cm nach oben bewegt. Die Mechanik ist schwergängig. Wir wechseln uns ab. Langsam kriegen wir den Dreh raus. Um 8.30 Uhr ist das Tor oben.

Laut Routenplaner bin ich in 15 Minuten am Zielort. Der Routenplaner führt mich in eine Sackgasse. Zum Glück kenne ich mich in Castrop-Rauxel ganz gut aus und fahre ab sofort nach Gefühl. Um 9.00 Uhr habe ich meine Startunterlagen.

Eine Einstellung zu dem Lauf habe ich immer noch nicht. Ich laufe einige Male ein Stück die Strasse rauf und runter. Was mache ich eigentlich hier? Die Läufer versammeln sich vor die Startlinie. Ich also auch (weiter hinten). Startschuss? Jedenfalls geht es los. Ich fühle mich ja gar nicht mal schlecht. Aber Bäume werde ich heute nicht ausreißen. Die Sonne scheint. Ob es wirklich deutlich über 20 Grad warm werden wird? Mit 6:20 Min./Km einzusteigen wäre ok. Dann werde ich wissen was geht und ich habe mich damit noch nicht kaputt gemacht. Das war auch der Schnitt beim Halbmarathon vor 4 Wochen in Duisburg.

Im Feld laufen 10 Km- und Halbmarathonläufer gleichermaßen. Das erste Km-Schild ist erreicht. Genau 6 Minuten. Viel zu schnell für mich finde ich. Ich versuche sofort kontrolliert langsamer zu laufen. Gelingt auch. 6:13 Min./Km für den nächsten Km. Ich laufe neben einer Läuferin des BTC Herne. Steht auf dem Shirt.

18:18 Min. nach 3 Km; 24:26 Min. nach 4 Km und 30:10 Min. nach 5 Km. „Wir sind schneller geworden“, sage ich und wende meinen Kopf zu der Läuferin aus Herne. Wir laufen immer noch nebeneinander. „Ja“, bestätigt sie. „Ich will nach Möglichkeit unter einer Stunde bleiben. Und wie sieht es bei dir aus?“ Damit ist klar. Sie läuft die „10“. „Ich laufe den Halbmarathon; mal sehen ob ich die 2:10 Stunden schaffe“, antworte ich und habe gleichzeitig erstmals auch für mich selbst ein Ziel definiert. „Das ist jetzt etwas zu schnell für mich. Und du musst noch ein klein bisschen schneller werden, damit das mit der Stunde klappt“, füge ich hinzu. „Ich kann besser zum Schluss noch beschleunigen und habe etwas Sorge zu Beginn zu schnell anzufangen“, erklärt sie ihre Taktik. Damit ist dann alles gesagt. Schließlich brauchen wir den Sauerstoff zum Laufen.

Gleich nach der 5 Km-Marke ist ein Tisch mit Wasser aufgebaut. Ich greife dankbar zu. Ganz schön warm in der Sonne und ich schwitze ordentlich.

37 Minuten für die 6 Km. „Oh, oh“, denke ich in Richtung der Läuferin neben mir. Das Trinken hat Zeit gekostet und wahrscheinlich sind wir auch so langsamer geworden. Sie hat es auch bemerkt und legt einen ordentlichen Zahn zu. 42:30 Minuten nach 7 Km und nur noch 5:30 Min. für den letzten Km. Schluss mit lustig. Ich schalte sofort einen Gang runter und lasse die BTC-Läuferin ziehen. Ich muss jetzt mein gleichmäßiges Tempo finden. Bloß keine „Spurts“ mehr.

Mir gehen die Bilder der letzten Woche durch den Kopf und natürlich auch die der letzten beiden Tage. Eine zeitlang laufe ich eigentlich nur so vor mich hin. Bei den 10 Km lese ich 1:00:44 Stunden. Es gibt wieder einen Becher Wasser. Die 10 Km-Läufer haben sich längst in Richtung Sportplatz abgesetzt.

Ich bin ziemlich allein auf weiter Flur und habe gerade noch Blickkontakt zu einigen versprengten Läufern vor mir. Ich laufe jetzt in Kilometerabschnitten. Versuche die Zeit zu halten. Mal etwas über mal etwas unter 6 Minuten. 1:30:50 Minuten bei Kilometer 15. Das ist nur 1 Minute langsamer als bei dem 15 Km Lauf in der Winterlaufserie.

Am Getränkestand laufe ich auf einige Läufer auf. Einige kann ich kurz darauf überholen. Hinter mir höre ich schwere Schritte langsam näher kommen. Ein Läufer in „blau“ schließt zu mir auf und setzt sich schließlich einige Schritte vor mich. Laufe ich selbst auch so schwerfällig? Jedenfalls klatschen meine Füße nicht so laut vernehmbar auf dem Boden.

Das Wetter ist wirklich gut. Die S onne scheint. Es ist angenehm warm, aber nicht so warm wie befürchtet. An offenen Stellen ist der Wind spürbar und kühl. Aber es sind außerordentlich gute Bedingungen. Ich spüre immer noch keinerlei Ermüdungen. Aber immer noch traue ich dem Braten nicht. Der blaue Läufer vor mir scheint eine kleine Schwächephase zu haben. Ich bin wieder direkt hinter ihm und überlege ob ich vorbei ziehen soll. Nein, ich bleibe dahinter. Die Kräfte brauche ich zum Schluss vielleicht noch.

Km 19. Rechts geht’s zum Ziel. Wir müssen aber erst nach links. Eine kleine Sonderrunde bis zu einem Wendepunkt. Ein, zwei Läuferinnen werden noch überholt. Der Wendepunkt. Dann bald Kilometer 20. und in Richtung Sportplatz. Dort noch eine Runde. Ich schaue auf die Uhr. Ich habe keine Zeit verloren. Nein, sogar noch einige Sekunden gut gemacht. Aber jetzt habe ich auch wirklich genug. Der junge Mann vor mir in blau legt auf dem Sportplatz einen Endspurt hin. Aber ohne mich. 300 m können so lang sein.

2:07:19 Stunden stoppe ich im Ziel. Das ist eine Verbesserung um fast sechseinhalb Minuten gegenüber der Winterlaufserie vor 4 Wochen. Ich kann es fast nicht glauben.

Ich treffe einen Bekannten. Wir tauschen uns kurz aus. Und dann kommt mir meine „Nebenläuferin“ der ersten 7 Km entgegen. Frisch gestylt, ich erkenne sie kaum. „Wie ist es bei dir gelaufen“, fragt sie? „Super, Bestzeit, bin total zufrieden.“ Was soll ich sonst auch sagen. Sie ist sich nicht ganz sicher, ob sie die Stunde geknackt hat und wartet noch auf die Ergebnisliste.

Meine offizielle Zeit: 2:07:31 Stunden.

Nach dem Lauf treten die Rückenschmerzen der letzten Tage zurück. Richtig heftig. Seitdem geht nichts mehr. Jetzt hoffe und bange ich, dass ich wieder mit dem Training anfange kann. Das wäre ja wirklich schrecklich, wenn ich zweieinhalb Wochen vor dem Marathon die Segel streichen müsste.

Montag, 28. April 2008

Halbmarathonzeit deutlich verbessert

Letzter Wettkampftest vor dem Marathon im Mai. Bei der Winterlaufserie in Duisburg hatte ich mich am 29. März mit 2:13:46 Stunden im dritten Halbmarathon-Lauf um etwa 3 Minuten verbessert. Am gestrigen Sonntag erfolgte meine 4 HM-Teilnahme beim Ickerner Volkslauf in Castrop-Rauxel. Ergebnis: 2:07:19 Stunden (netto selbst gestoppt); offizielle Brutto-Zeit: 2:07:31 Stunden. Ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben. Wie es dazu gekommen ist werde ich später noch berichten.


Trainingswoche vom 21.4. – 27.4.08:

Dienstag, 22.04.08 – 12,6 Km in 1:25:41 Std. ( = 6:48 Min./Km);
deutlich schnellere 2. Hälfte in 6:36 Min./Km

Mittwoch, 23.4.08 – 7,2 Km in 44:08;
Teilnahme am Crosslauf der Betriebssportgruppe über 4 Km in 21:44 Mi. ( = 5:26 Min./Km)

Freitag, 25.04.08, 10,6 Km in 1:16:31 Std. ( = 7:13 Min./Km);
Hügellauf in der Haard; die letzten 4 Km in 25:23 Minuten ( = 6:21 Min./Km)

Sonntag, 27.04.08, Halbmarathon beim Ickerner Volkslauf
21,1 Km in 2:07:19 Stunden ( 6:02 Min./Km)


Woche gesamt:

51,5 Km in 5:33:39 Stunden ( = 6:29 Min./Km)

Dienstag, 22. April 2008

Die Wiederbelebung

Morgens die Spritze gegen die Ischiasschmerzen war gut wirksam. Woran ich Stunden zuvor nicht zu denken wagte, ging dann mittags schon. Ich nutze eine längere Arbeitspause und wagte ein Läufchen. Erst war es etwas unrund und holperig vom Bewegungsablauf und es wurde von Kilometer zu Kilometer besser. Endlich auch frühlingshafte Temperaturen. Ich kam ordentlich ins schwitzen. Nur auf dem offenen Feld war der Wind zunächst noch frisch. Aber er verebbte dann zunehmend. Weniger schön: der Bauer düngte eine Fläche.

Insgesamt 12,6 Km in 1:25:41 Stunden (= 6:48 Min./Km). Dabei die erste Hälfte etwas langsamer in 7:00 Min./Km; die zweite Hälfte in 6:36 Min./Km.

Nach dem Lauf fühlte ich mich leicht, locker und beschwingt und bin jetzt wieder guter Dinge!