Sonntag, 24. Juli 2011

Durch Höhen und Tiefen



Gestern schon bauten sich imposante Wolkengebilde am Abendhimmel auf. Für Sonntag sagte der Wetterbericht ganztägigen ergiebigen Regen voraus. Ob das meinem geplanten dreistündigen Trainingslauf gut tun würde? Der Wecker war, wie sonst werktags, auf 5.15 Uhr gestellt. Das mag für jeden Langschläfer eine grausame Vorstellung sein. Als Frühaufsteher tangiert es mich kaum und das Klingel hat sozusagen nur ermahnenden Charakter. Es war noch ziemlich dunkel. Zum einen ist die Sommersonnenwende schon Wochen her und zum anderen verschlang der Regenhimmel zusätzlich Licht.

Draußen empfangen mich reichlich Regentropfen und ein frischer Wind, der die kühlen 10 Grad wirkungsvoll untermalt. Vor dem Zugang zu meiner Laufstrecke muss ich noch eine kleine Fußgängerbrücke überschreiten, vor der sich eine unüberwindlich scheinende Pfütze aufgebaut hat. Wasser von oben, Wasser von unten.

Ich habe eine Trinkflasche dabei, die ich nach einem Kilometer an geeigneter Stelle deponiere. So ist dann auch für Wasser von innen gesorgt. Ich laufe einen Rundkurs aus drei größeren und einer kleineren Runde, die mich immer wieder an meiner Wasserstelle vorbei führen.

Es ist nass und kühl. Auf den offenen Feldwegen stemmt sich mir ein ungemütlicher Wind entgegen. Ein echtes Gänsehautgefühl. Der Wind zerrt an meiner Kappe, die ich aus Schutz vor Auskühlung ausnahmsweise mal im Juli aus dem Schrank gekramt habe. Ein lustiges Spielchen, was der Wind da mit mir treibt und meine Reaktionsschnelligkeit testet. Es gelingt mir aber die Kappe immer rechtzeitig vor dem Abheben festzuhalten. Schließlich drehe ich die Kappe um, mit dem Dach nach hinten. So geht es besser. Ob ich das drei Stunden lang aushalte?

Während dessen plätschert der Regen unablässig auf mich ein. Das ist eine ziemlich kalte Dauerdusche, die nichts mit sommerlichen Landregen gemein hat. Trotzdem habe ich inzwischen meinen Laufrhythmus gefunden. Nach etwas mehr als 52 Minuten habe ich meine erste Runde geschafft. Ich habe inzwischen einen Plan, um mit dem kalten und mäßig starken Wind besser zurecht zu kommen. Statt den einen Kilometer bis zu meiner Trinkflasche zu laufen, drehe ich um. Jetzt geht es gegen den Uhrzeigersinn. Runde ist Runde; ich werde den Wind zwar gelegenlich wieder von vorn bekommen, aber an anderen Stellen der Strecke, da wo nicht ausschließlich offenes Feld vorherrscht. In der Tat, ich habe das Gefühl, dass es so besser geht. So erreiche ich mit deutlicher Verspätung nach 1:35 Stunden zum ersten Mal meine Trinkflasche. Problem: ich habe ziemlich kalte Hände und bekomme den Verschluss der Flasche erst im zweiten Versuch aufgedreht. Ist das Wasser (aus der Flasche) kalt! Ich zwinge ein paar Schluck herunter und weiter geht es.

Inzwischen bin ich ziemlich sicher, dass ich den Lauf heute wie geplant durchziehen werde. Mein Spruch von gestern, man müsse das Wetter halt so nehmen wie es kommt, scheint mir heute aber als etwas idiotisch überzogen. Der Himmel ist etwas heller, der Regen schwächer geworden. Der wird doch jetzt nicht aufhören wollen? Das wäre ein glatter "Stilbruch". Und wenn ich schon mal richtig nass bin...

Man hat viel Zeit zum Nachdenken, bei so einem langen Lauf. Die Gedanken schießen im Zeitraffertempo durch den Kopf. Wenn ich das alles aufschreiben wollte, hätte ich wahrlich viel zu tun. Vieles hat nichts mit Laufen zu tun. Manches schon. Mir fällt ein sommerlicher Regenlauf ein, der mich ebenfalls auf einem langen Lauf begleitete. Ich weiß jetzt nicht in welchem Jahr das war und habe keine Lust nachzuschauen. Aber die Erinnerung an diesen grandiosen Lauf ist noch sehr präsent. Was hatte das damals geschüttet! Aber es war deutlich wärmer als heute; und der Regen war viel gleichmäßiger, ein echter Landregen. Aber - irgendwann hatte es aufgehört. Und ich hatte mich über den "schlappen Regen" lustig gemacht. Heute aber forderte er mich richtig raus und hatte zu seiner Unterstützung den Wind und die "Kälte" mitgebracht. Das war ein ziemliches Kaliber. Und der Regen dachte heute auch gar nicht daran "schlapp zu machen". Im Gegenteil, er hatte sich wieder verstärkt. Durch ein Waldstückchen plätscherte das Wasser von den Blätterdächern und der Wind sorgte dafür, dass sich gelegentlich ganze Kaskaden über mich ergossen. Mir viel das Gedicht vom Zauberlehrling ein:

"Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße."

Und:

"Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los."

Also, irgend ein "Meister" ist mir heute nicht begegnet. Wäre auch nicht nötig gewesen. Inzwischen war ich schon 135 Minuten laufend unterwegs und ich hatte richtig Spaß an diesem Lauf bekommen. Ich hatte den Regen akzeptiert und er war zu meinem Begleiter geworden. Ich spürte ein breites Grinsen auf meinem Gesicht. Ja, das war jetzt ein richtig schöner Lauf. Die körperliche Schwäche der letzten Zeit hatte sich schon im Laufe der Woche verflüchtigt. Die Schmerzen in der Hüfte hatten aufgehört. Immerhin hatte ich in dieser Woche auch zwei mittlere Läufe mit ordenlichem Tempo machen können. Und heute lief es einfach super gut. Nur das Wetter hatte ein ordentliches "Tief".

Jetzt hatte ich bald die dritte längere Runde hinter mir und es würde zum Abschluss noch eine kleine Runde mit etwa 3,5 Kilometern folgen. Ich rechnete und stellte fest dass ich ja knapp unter drei Stunden bleiben würde. "Das geht ja gar nicht", dachte ich. Und bevor es eben in den letzten "Kringel" ging, lief ich noch eine kleine Schleife. In diesem "Laufgebiet" habe ich jeden Meter schon irgendwie vermessen. Ich kann etwas "dranhängen" oder "verkürzen", alles kein Problem.

Auf den letzten beiden Kilometern merkte ich dann, dass ich inzwischen doch schon eine ordentliche Stecke gelaufen war. Gut so, sonst wäre es ja auch noch nicht genug gewesen. So hatte sich die Anstrengung wenigstens gelohnt. Und was wäre dieser Lauf ohne Regen und Wind gewesen? Wahrscheinlich ein ganz gewöhnlicher Lauf. So bleibt dann die Erkenntnis, was es doch für ein Glück ist, so laufen zu dürfen. Und was es doch für ein Glück war, gerade heute bei diesem Wetter gelaufen zu sein.

Heute gelaufen: 3:00:02 Std. mit 26,2 Km.

Es war der 131. Lauf in Serie, mit 1.021,6 Gesamtkilometern und 7,8 Km im Tagesschnitt.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Wenn der Sommer Pause macht...


... wenn Dir der frische Wind kurzzeitig Gänsehaut macht, wenn du vor die Tür trittst. wenn dir der Regen durch`s Gesicht fegt, wenn dich die nächste Böe von hinten packt und dir Beine macht, dann schlägt das Läuferherz höher. Denn der Sommer gönnt dir eine Verschnaufpause, lässt dich durchatmen. Du möchtest die Arme in den Himmel strecken und dich bedanken. Ja, den Sommer bevorzuge ich nicht als Jahreszeit, wenn es ums Laufen geht. So genieße ich das "schlechte" Wetter aus vollen Zügen.

Allen Nichtläufern und/oder Sonnenanbetern zum Trost: der Sommer ist ja noch nicht vorbei. Es wird die Zeit kommen, wo ihr im Garten oder auf der Terasse sitzt, während einige unverbesserliche Läufer nach Sauerstoff lechzen, schweißdurchtränkt, wahrscheinlich mit ernster oder gar verbissener Miene. Nein, der Sommer ist noch nicht vorbei, wahrscheinlich noch nicht. Doch wer weiß das schon. Die Jahreszeit schreitet voran. Der halbe Juli noch, dann der August ... Gestern habe ich an einer bestimmten Stelle meiner Laufstrecke an die Läufe im Dezember gedacht. Durch den tiefen Schnee, durch den ich mich kämpfen musste, schier unpassierbar mein Weg. Im Sommer beklagen wir uns dann über die schwülwarme und stickige Luft und über die Mückenplage. Alles gehört wohl dazu. Der Reiz liegt im Wechsel.

Wetter am 14. Juli 2011 um 19:00 Uhr: 14°C; Regenschauer, Windstärke 4 und zusätzlich stürmische Böen.

121. Lauftag in Folge, seit dem 16.03.2011, 928,04 km, im Tagesschnitt 7,67 km 16.03.2011; wenn man es nicht so streng sieht eigentlich seit dem 23. Dezember mit 2 Tagen unsäglicher Zwangspause. So ist das Leben!

Freitag, 8. Juli 2011

Täglichlaufen: Manchmal ist auch wenig zuviel



Lauftagebuch:

Fr. 08.07.2011
115. Lauftag in Serie, 3,7 Km
Laufbeginn: 20:45 Uhr; 20 Grad, wolkenlos und windstill

Es hat lange gedauert bis ich mich heute aufraffen konnte. Weiterhin Schmerzen im rechten Hüftgelenk, die sich teilweise bis in die Pobacke hineinstrahlen; körperlich und mental durch die letzten Wochen geschlaucht, was kaum etwas mit meinem Laufen zu tun hat. Ich denke an meine Laufserie und mit fällt der Song "It`s time to say goodbye" ein. Doch so schnell soll das nicht gehen. Und selbst wenn, so dramatisch wäre es dann auch nicht.

Ruhige Abendidylle, herrliche köstliche Ruhe, die mich entzückt. Ich halte kurz an um ein Foto zu machen, was die Mücken mit Begeisterung registrieren. Trotz meiner schlechten Verfassung hat auch dieser Lauf eine erfrischende Wirkung. Morgen soll`s weiter gehen, natürlich.

Freitag, 1. Juli 2011

Die guten Vorsätze zum Jahresanfang



Die guten Vorsätze die man zum Jahreswechsel fast: was ist daraus geworden? Das erste Halbjahr 2011 ist vorbei und wer möchte, der blickt vielleicht zurück. Ich gehöre zu denjenigen, die immer so ein paar Dinge ins Auge fassen, damit so ein bisschen Richtung in den "Lauf" kommt. Natürlich muss man so etwas nicht machen und man benötigt dafür schon mal gar nicht einen Jahreswechsel. Aber falsch kann es auch nicht sein, wenn man realistisch bleibt und es vielleicht nur darum geht einen schon eingeschlagenen Weg zu konkretisieren.

Was das Laufen angeht hatte ich mir vorgenommen an den ersten 100 Tagen des Jahres täglich zu laufen und dabei 1.000 Km zu schaffen. Dass dies nicht geklappt hat, darüber habe ich berichtet. Doch hat der Entschluss dafür gesorgt, dass ich mich zielgerichtet auf den Weg gemacht habe. So ist es dann dazu gekommen, dass ich im ersten Halbjahr 2011 lediglich an 2 Tagen nicht gelaufen bin und nunmehr "in Serie" seit dem 16. März täglich laufe. Jede Vorgabe in dieser Richtung schafft nach meiner Erfahrung Hindernisse. Sogar einen vagen Entschluss am 30. Juni mit dem Täglichlaufen aufzuhören. Wenn man einen solchen Entschluss einige Tage vor Ablauf fasst, was macht es dann für einen Sinn auch nur noch einen einzigen weiteren Tag zu Laufen? Wegen irgendeiner Serie? Also laufe ich weiter. Das Ende wird unvermittelt eintreten. Keine weitere Gedankenverschwendung hierzu.

Also nur Zustandsbericht zum Stand 30.06.2011:
107. Lauftag in Serie; darin 827 Km; Schnitt: 7,73 Km pro Tag

Vorgenommen hatte ich mir für 2011 2.400 Jahreskilometer und dies bei "1-2-sports" vorab mitgeteilt.Das wären rund 150 Km mehr als in den Jahren zuvor.

Laufkilometer Stand 30.06.2011: 1.503 Km;
das ist deutlich mehr als ich mir für das 2. Halbjahr vorstellen kann.
Klartext: ich peile definitiv keine 3.000 km für`s Jahr an. Niemals, denn das wäre verrückt.

Noch eine Statistik: im ersten Halbjahr 170:19:26 Stunden laufend verbracht; das sind 56:28 Minuten pro Kalendertag oder 57 Minuten pro Lauftag. Hinweis: im Januar und Februar bin ich deutlich mehr Kilometer gelaufen als danach; steht also nicht im Widerspruch zu meiner aktuellen Laufserie.

Ziele für`s 2. Halbjahr 2011: Ja, aber nur in meinem Kopf.

Dokumentation der noch nicht aufgeführten Läufe bis Monatsende:

Do. 30.06.2011
10,1 Km Marathontraining 8/40,davon 6,5 Km Tempolauf

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Mi. 29.06.2011
2,5 Km, mit 16 Grad am Nachmittag hat sich die Temperatur gegenüber dem Vortag mehr als halbiert

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Di. 28.06.2011
8,1 Km Marathontraining 7/40, Marathontempo
Besonderheit: Start um 5:45 Uhr, 21 Grad, schweißtreibende Schwüle; Mückenschwärme und unzählige Gewittertierchen haben möglicherweise mehr Spaß an diesem Morgen als ich
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Mo. 27.06.2011 3,7 Km
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So. 26.06.2011
22 Km Marathontraining 6/40, langer langsamer Lauf
Besonderheit: Beobachtung eines Rehkitz, ich bleibe circa 2 Minuten stehen und habe große Freude;
ansonsten große Luftfeuchtigkeit

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Sa. 25.06.2011
11,2 Km Marathontraning 5/40, Marathontempo

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Fr. 24.06.2011 3,7 Km

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Do. 23.06.2011
20 Km Marathontraining 4/40: langer, langsamer Lauf

100. Lauftag in Serie = ein halbes Jahr Täglichlaufen mit 2 Tagen Unterbrechung am 14. und 15. März wegen einer Erkrankung;
Morgenlauf mit Start um 5.30 Uhr;
Besonderheit: Mann mit Roller klaut Kirschen
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Mi. 22.06.2011 6,9 Km Marathontraining 3/40: Marathontempo

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Di. 21.06.2011 2,5 Km

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Mo. 20.06.2011 10,05 Km Marathontraining 2/49: 5,4 Km mit HM-Tempo

Lauf in friedlicher Abendatmosphäre durch die Felder, es ist so ruhig.
Gedanken über Laufphilosophien, Fazit: wir nehmen uns zu wichtig; ich werde es einfach auf mich zukommen lassen was kommt.

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Bilder: Afrikanische Hütten in Gelsenkirchen (Zoo)

Sonntag, 19. Juni 2011

Lauf um dein Leben


Dr. med. Eckhard von Hirschhausen widmet sich in seinem Buch „Glück kommt selten allein“ in einem Abschnitt auch dem Laufen. Hier ein kleiner Ausschnitt, wobei man sich das Augenzwinkern des Autors hinzu denken möge:

„Ich laufe gerne. Von Zeit zu Zeit, aber ohne Stoppuhr. Am liebsten in Berlin um den Schlachtensee. Denn dort gibt es keine Abkürzung. Und deshalb laufe ich automatisch die Runde auch zu Ende. Da wurden schon ganze Schweinehunde geschlachtet. In Runden. Und eben nicht in Scheiben.
„Runner`s High, der Laufrausch ist ein Mythos, der viel bewegt hat. Ein ungeahntes Glücksgefühl nach 30 Kilometern wird einem versprochen. Das Fiese daran: Man muss die 30 Kilometer auch am Stück laufen. Ich habe es mit Salamitaktik probiert – von Glücksrausch keine Spur. Stattdessen spüre ich jeden Knochen. ..
Eine Geburt und ein Marathonlauf sind starke Glücksmomente. Hinterher. Währenddessen würde man das als Außenstehender nicht vermuten, schon allein vom Gesichtsausdruck her. Dabei geht es einem während des Laufens im Kopf eigentlich gut. Laufen und sich gleichzeitig Sorgen machen, das geht schlecht. Auch Telefonieren ist unvorteilhaft, höchstens mit Nummern, unter denen zurückgestöhnt wird. Aber dann doch lieber eigene Runden drehen als in Warteschleifen hängen. Wer laufend an etwas denken muss, geht am besten laufen. Dann hört es auf. So wenig, wie man beim Sex den Sinn des Lebens in Frage stellt, ist auch Sport körperlich anregend und seelisch abregend zugleich., keine To-do-Liste außer: weiterlaufen! Ein Läuferspruch: Es ist egal wie oft du aufgibst, solange deine Beine weiterlaufen. Und irgendwann sind die Beine auf Autopilot eingestellt und melden ans Großhirn: „Der läuft“ - worauf sich dieses mit Freude in einem mentalen Kurzurlaub verabschiedet und runterfährt.“

Soweit Eckhart von Hirschhausen. Und in der Tat, laufen ist gesund und macht zufriedener. Jedenfalls meistens. Wenn man es nicht übertreibt und sich nicht zuviel Gedanken um das drum herum macht. Was ließe sich über das Laufen nicht alles sagen. Es gibt ja so unendlich viele Möglichkeiten. Man kann gesundheitsorientiert laufen, dreimal die Woche etwa zu je 30 Minuten. Bestimmt nicht verkehrt. Als ambitionierter Freizeitläufer läuft man etwas mehr, je nachdem wie ambitioniert man ist. Man orientiert sich an Trainingspläne und versucht beispielsweise 10 Km möglichst schnell zu laufen und wenn man Spaß hat, dann läuft man sogar einen Halbmarathon. Und wem der Marathon nicht reicht, der läuft 100 Km oder sogar 24 Stunden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Man kann auch jeden Tag laufen. Viel oder wenig, lang oder kurz, über Wochen, Monate und einige wenige sogar über Jahre. Jeder soll es so machen wie er es möchte. Die Wege zur Zufriedenheit und Erfüllung sind unterschiedlich. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Der Weg kann sogar mal Richtungsänderungen beinhalten. Das ist bei den Meisten sogar wahrscheinlich. Man sollte sich nur nicht zu viele Gedanken machen und die Kirche im Dorf lassen. Auch wenn einem das Laufen wichtig ist, es ist doch nur ein kleiner Teil unseres Lebens. Wenn man viel läuft, dann sind es aber kaum mehr als 5 % seiner Zeit. Die meisten laufen noch weniger, so wie auch ich. In der ablaufenden Woche habe ich mir zu viele Gedanken gemacht und dabei restlos den Spaß verloren. Wie lange noch? Wie viele Tage? Wann der nächste Marathon? Wie viele Kilometer in welchem Zeitraum? Am Ende war der Kopf so schwer, dass die Beine kaum noch laufen wollten. Wenn man täglich läuft, dann sollte man keine Vorgaben machen; dann wird es schwierig. Ist jedenfalls meine Erfahrung.

Ich möchte wieder Marathon laufen. Der nächste Marathon kommt bestimmt. Aber er kommt nicht von allein. Gestern habe ich die erste Trainingseinheit dazu absolviert. Nach Herbert Steffny, habe ich zweimal erfolgreich ausprobiert. Man muss sich an diesen Plan aber auch einigermaßen halten. Ob das mit dem Täglichlaufen im Einklang zu bringen ist? Ich weiß es nicht. Aber ohne strukturierte Vorbereitung kein vernünftiger Marathon. Jedenfalls gilt das für mich. Ich habe nicht soviel Laufpotential, als dass ich einen Marathon aus dem nichts laufen kann. Glückwunsch an alle die das mit einigen langen Läufen zwischendurch hinbekommen und meinen ehrlichen Respekt dafür.

So ist dann die Frage, wie mein Weg weiter geht. Die Frage der Entscheidung. Hirschhausen rät in seinem oben zitierten Buch spaßeshalber es mit „Sching-Schang-Schong“ zu versuchen. Zufallsentscheidungen seien nicht schlecht. Man könne rechte gegen linke Hand spielen (aber nicht schummeln). Zufallsentscheidungen seien besser als gar keine. Sich nicht entscheiden können mache zuverlässig unglücklich: „So oder so sitzt man zwischen zwei Stühlen auf Dauer unbequem, es sei denn, man legt ein Brett darüber. Es gibt immer einen dritten Weg, der aber nicht der Mittelweg sein muss.“ Meine Befürchtung: der dritte Weg könnte der Holzweg sein.

Täglichlaufen schärft die Wahrnehmungen. Für das, was draußen vor sich geht aber auch für Abläufe in uns selbst. Gedankenabläufe, wie sie bei einem strukturiert sind, Emotionen und Charaktereigenschaften. Manche Verhaltensweisen werden einem im Nachhinein deutlicher. Ob diese Erkenntnisse immer ein reines Vergnügen sind, steht auf einem anderen Stern. Auch ich leide unter der Volkskrankheit „Zuvielitis“. Auch dazu schreibt Hirschhausen ein paar interessante Dinge. Aber das würde mir jetzt zu weit gehen.

Die vergangene Woche war knüppel hart, das Laufen einbezogen, weshalb auch nur wenige Kilometer zusammen gekommen sind. Doch am Ende bin ich eben um diese Kilometer ein Stück weiter gekommen; das muss dann halt mal reichen.

So. 19.06.2011 2,5 Km

Sa. 18.06.2011 10,1 Km (Marathontraining)

Fr. 17.06.2011 6,9 Km

Do.16.06.2011 2,5 Km

Mi. 15.06.2011 2,5 Km

Di. 14.06.2011 3,7 Km

Mo. 13.06.2011 4,5 Km

Täglichlaufen seit dem 16. März = 96 Tage
Jahreskilometer: 1403 Km

Den nächsten Bericht gibt es erst am Monatsende. Dann ist das erste Halbjahr um. Es macht nicht unbedingt Sinn von Woche zu Woche die Wasserstände abzulesen.

Zur Überschrift: ist auch von Hirschhausen geklaut und meint, dass man es nicht so ernst nehmen soll.

Sonntag, 12. Juni 2011

"Immer noch auf der Flucht, der Mann!"

Statt eines ordentlichen Beitrags gibt es heute nur die trockene Dokumentation meiner Läufe in dieser Woche.

So. 12.06.2011 20,0 Km
Zuruf eines Laufstrecken-Bekannten (siehe Überschrift);
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Sa. 11.06.2011 4,5 Km
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Fr. 10.06.2011 4,2 Km
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Do. 09.06.2011 9,7 Km
vor dem Lauf Zweifel an der Sinnhaftigkeit meines Tuns; die Zweifel wurden sodann mit einem Intervalltraining 5 mal 1 Km "ausgeräumt"
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Mi. 08.06.2011 8,2 Km
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Di. 07.06.2011 8,2 Km
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Mo. 06.06.2011 4,2 Km

Täglichlaufen: 89 Tage, 693,54 Km gesamt, Schnitt 7,79 Km

Sonntag, 5. Juni 2011

Einfach nur laufen


Läufe in den Tag hinein haben etwas besonderes. Derzeit muss man allerdings früh aufstehen, will man das erleben. Sonnenaufgang heute Morgen um 5:18 Uhr. Da ich in der Woche ohnehin um diese Zeit raus muss, habe ich keine Probleme mit dem Aufstehen. Gegen 5.15 Uhr bin ich draußen. Ob es einen schönen Sonnenaufgang geben wird? Doch es ist eine dicke Wolkenfront aufgezogen. Es gibt ein paar nasse Stellen auf dem Boden. Es hat die letzte Nacht geregnet. Ein Wunder! Ich laufe los. Nach eineinhalb Kilometern erreiche ich die Stelle, an der sich der Sonnenaufgang gut beobachten lässt. In der Tat, ein gelb-roter unförmiger Fleck versucht sich zwischen Baumwipfeln durch die Wolken zu zwängen. Es gelingt nicht wirklich. Meine Wasserflasche habe ich inzwischen an einer geeigneten Stelle plaziert, die ich noch zweimal passieren werde. Es ist früh, aber gleichwohl schwül. Ich habe viel Zeit mitgebracht. Für die nächsten 2 Stunden ist nichts als Laufen angesagt. Still und einsam ist es am frühen Morgen. Bis auf die Vögel, die sich zu einem großen Gesangeswettbewerb verabredet haben. Und jede Menge Kanninchen. Ein Fasan, das ist es auch schon fast. Meine Freunde hätte ich fast vergessen, die Krähen. Ansonsten aber wirklich keine Menschenseele. Schön ist es. Ich will jetzt keine Probleme lösen. Meine eigenen nicht und erst recht nicht die Probleme der Welt. Keine Gedanke an die Vergangenheit. Und auch die Zukunft lasse ich beiseite. Nur hier und jetzt. Ich höre meine Schritte und spüre meinen Atem. Na ja, und den doofen Laufgürtel, der nicht richtig sitzt, an dem der überflüssige Fotoapparat hängt und ein Marathonschwamm. Es ist so unspektakulär wie sonst was. Einfach so vor sich herzulaufen. Die Beine ihre Arbeit verrichten zu lassen. Der Himmel bleibt wolkenverhangen dunkel. Kilometer um Kilometer verstreicht. Die Stoppuhr läuft, aber sie ist uninteressant. So ruhig wie heute Morgen ist es selten. Nach eineinhalb Stunden ein Radfahrer, der mir fast entgegengekommen wäre, aber rechtzeitig in einen Seitenweg abbiegt. Zwei Stunden sind gerade um. Jetzt kommt mir doch noch ein menschliches Wesen entgegen. Ein Läufer, selbstverständlich. Einer dieser Frühaufsteher. So geht einer dieser völlig unspektakulären Läufe zu Ende. Das ist Läuferalltag. Dass es mein 82 Lauftag war und ich damit meine Serie, die am 13. März mit 81 Läufen endete, endlich überholt habe, ist ja im Grunde auch ohne Belang. Es ergibt sich aus der Abfolge der Tage.

Meine Juni-Läufe in dieser Woche:

So. 05.06.2011 18,5 Km

Sa. 04.06.2011 4,2 Km

Fr. 03.02.2011 10,8 Km

Do. 02.06.2011 2,5 Km

Mi. 01.06.2011 8,5 Km