Ich war am gestrigen Sonntag Morgen sehr früh laufen. Es war noch stockdunkel, auch wenn die Sterne am Himmel funkelten. Der Mond war schon untergegangen oder nocfht nicht aufgegangen. Einige Minuten nach dem Start hallten die Rufe eines Uhu`s durch die Nacht. Sehr deutlich und offensichtlich ganz in meiner Nähe. Diese akustische Begegnung hatte ich in dieser Form vorher noch nie, was aber auchgut daran liegen kann, dass ich in der Vergangenheit nicht aufmerksam genug war. Ich war jedenfalls begeistert. Die Rufe des Uhu`s begleiteten mich noch ein paar Augenblicke, bis ich mich zu weit entfernt hatte. Ich verspürte einen Hauch von magischer Harmonie mit der Natur und mit der Finsternis, die mich einhüllte. Ich spürte die Ruhe und Einsamkeit. Lediglich meine eigenen Schritte vernahm ich, deren Geräusche sich nach Beschaffenheit des Bodens veränderten. Und meinen eigenen Atmen und ein leichtes Säuseln des Windes. Ansonsten ergänzten sich Stille und Einsamkeit. Gegen meine sonstige Gewohnheit hatte ich keine Taschenlampe dabei. Teilweise erahnte ich den Weg, den ich natürlich auch in- und auswendig kenne. Der Weg war zum Glück gegenüber den Vortagen weitestgehend abgetrocknet. Die riesigen Pfützenseen auf den brach liegenden Feldern zeichneten sich auch in der Dunkelheit ganz gut ab. Als ich dann doch auf eine Siedlung zulaufen muss, blenden mich schon von weitem die künstlichen Lichtquellen, insbesondere die der Straßenlaternen. Mich überkommt nach einer knappen Stunde eine Müdigkeit und ich bin etwas von mir selbst enttäuscht. Der erste Fußgänger mit Hund kommt mir in einer dunklen Ecke entgegen. Ich grüße und höre als Entgegnung: „Komm her!“ Gemeint war aber offensichtlich der Hund. Sei`s drum. Eine weitere Begegnung mit einer Radfahrerin und Hund ist deutlich freundlicher.
Allmählich kündigt sich, wenn nach meinem Empfinden auch nur sehr zögerlich, der nahende Morgen an. Das Licht der Dämmerung spiegelt sich in riesigen Pfützen auf den brach liegenden Feldern. Wunderschön und Worte können es nicht annähernd wieder geben. Meine Stimmung hebt sich entsprechend wieder, nach einem kleinen Zwischentief. Als ich nach gut 2 Stunden meinen Lauf beende, zeigt sich im Osten ein schmaler Streifen zwischen den Wolken das rötliche Licht der Sonne. Die Sonne selbst blieb aber für mich unsichtbar. Es war einer dieser zauberhaften Läufe in den Tag, die ich so mag.
Ein Tag später, am späten Montagnachmittag ein ganz anderer Lauf: von der Dämmerung in die Dunkelheit. Kein Glanz, ganz unspektakulär, aber ruhig und sehr erholsam. Jeder Lauf ist anders.
Was mein Projekt „100 Tage – 100 Läufe – 1.000 Km“ angeht, so mag ich an dieser Stelle nur berichten, dass ich in der Tat jeden Tage einen Lauf machen durfte. Es waren überwiegend Spaßläufe; ich kann sagen, dass ich mich nach jedem Lauf besser fühlte als vor dem Lauf.
Auch die vorgenommenen Umfänge stimmen unter dem Strich. Heute, nach dem 17. Tag, habe ich 186 Km beisammen, so dass ich sozusagen in der Spur bin. 1.000 Km nach 100 Tagen bedeutet ja einen Schnitt von 10 Km pro Tag, Leicht zu rechnen! Oder? Vielleicht auch deshalb die Vorgabe. Allerdings muss ich auch einräumen, dass diese Umfänge für mich ungewohnt sind, ich laufe da am Limit und hoffe, dass ich das (aus-) halten kann. Schwere Beine gehören häufiger mit dazu.
Ich möchte nochmals hervorheben, dass dieses Projekt nicht zu den Vorsätzen gehört, die man üblicherweise aus einer Silvesterlaune so fast, obwohl ich dass auch nicht für anstößig halten würde. Ich laufe aktuell seit dem 23. Dezember täglich. An den Tagen des alten Jahres gab es aber keine weitere Definitionen und Zielvorgaben.
Zwang? Nein, ich laufe freiwillig ohne Zwang. Ein vorgenommenes Ziel ist vielleicht hilfreich für die Realisierung, weil man sich dann etwas Endliches vorstellen kann. Ich würde Abstriche von dem erstrebten Gesamtumfang machen, wenn ich erkennen würde, dass es wohl zu ehrgeizig war. Und ich würde es auch akzeptieren, wenn ich erkennen müsste, dass ich die 100 Tage nicht zusammen bekomme. Alles ist möglich. Allerdings bin ich momentan auch gewillt das Ganze durchzuziehen. Einige interessante Erfahrungen habe ich bereits in den ersten Tagen sammeln können, insbesondere die Integration des Laufens in den Alltag. Ich bin selbst gespannt, wie es weiter geht.
Zum Foto: damit es keine Missverständnisse gibt: diese Eule (oder dieser Uhu) wohnt im Zoo in Gelsenkirchen; Foto Anfang Januar 2011.









