Sonntag, 28. April 2013

Meister Reineke Fuchs gibt sich die Ehre

Sonntag Morgen. Es fängt an hell zu werden. Aufstehen oder liegen bleiben? Warum aufstehen? Na, um an die frische Luft zu kommen und laufen zu gehen. So leicht ist das nicht. Ich komme nur langsam auf Betriebstemperatur. Und so ist es schon sechs Uhr, als ich endlich das Haus verlasse. "Frische Luft" ist wohl etwas untertrieben. Es ist knackig kalt. 0 °C zeigt das Thermometer und ich habe nochmals meine langen Laufklamotten ausgegraben, samt Kappe und Handschuhe. Der Mond hat sich am dunkelblauen Morgenhimmel breit gemacht. Es ist keine Wolke am Himmel. 

Als erstes erblicke ich auf dem Weg eine Katze, die sich ins Gebüsch schleicht, als hätte sie was zu verbergen. Dann erspähe ich eine stattliche Krähe, die ihren schalen Schrei in den Morgenhimmel ertönen lässt. Und jetzt fange ich auch an richtig zu hören. Von wegen ruhiger Morgen. Die Luft ist voller Vogelgezwitscher. Es ist wie ein Sängerwettstreit ohne Regeln. Und der Specht klopft wie behämmert auf das Holz, als gäbe es kein Morgen. Und so begrüßt laufe ich mit geschärften Sinnen durch den eisigen  Morgen. Kaninchen hoppeln über meinem Weg. Ich suche noch nach meinem Weg. Das betrifft sowohl den einzuschlagenden  Weg als auch die zu laufende Distanz. Habe ich doch diesbezüglich kaum Vorgaben und keine ernsthaften Ziele, die ich verfolge. 

Inzwischen bin ich aber im "Becklemer Busch" angekommen, einem nahen und sehr kleinen Naturschutzgebiet. Erstmal eine kleine Runde um das Wäldchen herum. Von der Kälte habe ich Tränen in den Augen; es ist nicht dramatisch, aber es behindert etwas meine Sicht. Auf einer Wiese steht Bodennebel, ja und etwas Raureif ist auch zu erkennen. Vor mir bewegt sich etwas. Und verschwommen entdecke ich eine Reh, das gerade meinen Weg passiert, knapp hundert Meter vor mir. In diesem Waldstück habe ich schon häufiger Rehe beobachtet. Vor zwei Tagen erst habe ich Abends in der Dämmerung gleich fünf auf einen Schlag entdeckt. Ganz nahe war ich da dran. 

Meine kleine Runde habe ich jetzt beendet und ich beschließe eine weitere und jetzt größere Runde folgen zu lassen. Es geht durch die Felder. Aus beträchtlicher Entfernungerkenne ich einen Feldhasen, der sich über ein Feld bewegt. Ich komme ein weiteres Mal durch denWald. Erneut entdecke ich ein Reh. Es ist ein sehr kleines, nur 30 Schritte von mir entfernt. Es bleibt am Waldrand stehen, beobachtet mich und macht keine Anstalten weiter zu laufen. Richtig niedlich ist das.

Wieder habe ich das Feldstück erreicht. Vor mir aufgeregt ein Fasan, vielleicht 15 Schritte von mir entfernt. Er macht einen heiden Lärm und - was ich relativ selten sehe - er erhebt sich sucht fliegend die Flucht. Und in allernächster Sekunde bin ich baff und erstarre. Ganz dicht vor mir ein stattlich Rotfuchs mit dickem rötlichem Fell und einem stattlichen Schwanz. Ich bin entzückt. Noch nie in all`den Jahren meines Läuferdaseins hatte ich das Glück einen Fuchs zu Gesicht zu bekommen. Und jetzt so was. Es dauert nur eine Schrecksekunde  und der Fuchs schlägt sich mit drei imposanten Sprüngen ins nahe Feld, welches schon hoch genug ist um ausreichend Schutz zu bieten. Noch einmal kurz sehe ich ihn bei seiner Flucht. Fast wie angewurzelt möchte ich stehen bleiben und warten. Weil das aber keinen Sinn machen würde setze ich meinen Lauf fort. 

Es geht weiter durch die Felder. Vor mir auf einem Baum ein großer, stattlicher Vogel. Er lässt mich relativ nahe ran kommen. Ein paar Schritte noch. Jetzt hebt er ab. Ein paar kräftige Flügelschläge, dann gleitet er über den Wald davon. Ein Bussard. Auch dieses Mal muss ich stehen bleiben und schaue staunend hinterher.

Ein letztes Mal geht es durch das kleine Wäldchen und passend zum heutigen Tag nicht ohne ein weiteres Reh  zu entdecken. Dieses mal ist es ein größeres Tier. 

Ich bin auf dem Heimweg. Die Sonne schickt mir erste wärmende Strahlen zu. Am Himmel sind aber auch Wolken aufgezogen. Ich bin jetzt wie am Ende eines Films, den man eigentlich nicht verlassen möchte. Noch lange denke ich über die erlebten Eindrücke nach und kann all`die kleinen Wunder gar nicht wirklich begreifen. 


Montag, 1. April 2013

Tierischer Laufspass

Rückblick auf den Monat März 2013

Ich habe mein Täglichlaufen forgesetzt. Erstmals laufe ich den "März" vom ersten bis zum letzten Tag durch. Dieser Monat fehlte mir als letzter in meiner Sammlung. Ein Monat mit vielen läuferischen Höhepunkten und Erlebnissen. Mit gut 200 Monatskilometern laufe ich soviel wie lange nicht mehr. Die 200 Km-Marke hatte ich in 2012 nur ein einziges Mal überschritten.

Fr. 01.03. 8,31 Km

Sa. 02.03. 18,37 Km
2 Wildgänse; 8 (!!!) Rehe auf einem Schlag im kleinen Naturschutzgebiet Becklemer Busch; Fasan und jede Menge klopfende Spechte; was für ein Lauf!)
Soviele Rehe sehe ich sonst vielleicht im ganzen Jahr. Und es sollte nur der Anfang gewesen sein. Ich hatte bei meiner Beobachtung viel Glück. Die Rehe befanden sich in einer flachen Mulde auf offenem Feld. Mein Weg schlug einen Halbkreis um sie herum. Erst nach etwa fünf Minuten nahmen sie endgültig reissaus


So. 03.03. 4,4 Km


Mo. 04.03. 17,36 Km
Laufen mit unserer Betriebssportgruppe zur Erlangung von Laufabzeichen ,  bei herrlichem Sonnenschein; es ist aber noch recht frisch; von der elfköpfigen Gruppe bin ich der einzigste in kurzer Hose und somit sind alle anderen falsch angezogen. Ich sehe erst einen Fischreiher und später einen Bussard. Mit drei verbliebenen Mitläufern erklimme ich die Hohewardhalde mit ca 100 Höhenmetern aufwärts

Di. 05.03. 3,21 Km

Mi. 06.03. 3,20 Km

Do. 07.03. 4,01 Km (kurzer aber intensiver Tempolauf)

Fr. 08.03. 10 Km
ich ärgere mich über radikal gestutzte Bäume am Rande des Becklemer Busches; auch die blühenden Weidekätzchen und ein klopfender Specht können den Ärger nicht ausgleichen

Sa. 09.03. 8 Km
intensiver Regenlauf motiviert mich die an sich geplanten 3 Km auszudehnen; viele Sperlinge und Eichelhäher – schon Jungvögel?

So. 10.03. 6 Km
erneut kräftiger Regen bei nur noch 3 Grad plus; zwei imposante Wildgänse frühstücken auf dem nassen Feld und lassen sich durch mich nicht stören; die Spechte veranstalten ein Wettklopfen. Auf meinen an sich vorgesehenen langen Lauf verzichte ich wegen Erkältungsbeschwerden

Mo. 11.03. 2,16 Km (erkältet)

Di. 12.03. 2,16 Km (erkältet)

Mi. 13.03. 2,16 Km erkältet

Do. 14.03. 5,06 Km
schwer schnaufend und mit laufender Nase, aber schon besser als die letzten drei Tage

Fr. 15.03. 6,28 Km
Lauf in der Abenddämmerung, 4 Rehe im Becklemer Busch)

Sa. 16.03. 5 Km
mit 4°C gegen 10 Uhr die höchste Temperatur beim Laufen in dieser Woche; letzte Schneereste am Wegesrand, aber lausig kalter Wind

So. 17.03. 6,04 Km
Lauf in der Morgendämmerung; erneut 5 Rehe im Becklemer Busch; die Spechte geben weiterhin Klopfzeichen; 3°C, der Frühling hat in dieser Woche weiterhin Pause gemacht

Mo. 18.03. 6,18 Km
Darin enthalten 4 Km "Betriebscrosslauf-Meisterschaft"; ich laufe gemeinsam mit unserem Urgestein Wolfgang. Wir hatten beschlossen es gemütlich angehen zu lassen. Als wir gemeinsam in 23:16 Min. durchs Ziel laufen hat Wolfgang einen "Kreishaus-Rekord" für die "70+" erzielt

Di. 19.03. 2,18 Km

Mi. 20.03. 13,46 Km
Kräftiger Wind und dichtes Schneetreiben. Die Urgewalten des Winters schütteln mich durch. Ein sehr intensives Lauferlebnis. Erst zwei, dann drei und später noch ein Reh im Becklemer Busch; ein toller Lauf

Do. 21.03 2,16 Km

Fr. 22.03. 2,16 Km

Sa. 23.03. 2 Km
Es sollte ein "richtiger" Lauf werden, den ich kurzer Hand abbreche mit dem Entschluss, doch nachmittags den Halbmarathon bei der Winterlaufserie in Duisburg zu laufen.

Also Nachmittags: 21,1 Km gefinished in 2:22:59 Std.

So. 24.03. 2,15 Km
Natürlich schwere Beine; aber nicht so schmerzhaft wie erwartet. Seit drei Tagen eisiger Sturm mit Unwetterwarnung "orange"; ich werde mich daran nicht gewöhnen.


Mo. 25.03. 2,18 Km

Di. 26.03. 2,17 Km
Anfang der Woche ist von schweren Beinen nach dem Halbmarathon bestimmt; ich empfinde es wie das Laufen durch eine Wand, aber ich komme durch.


Mi. 27.03. 8,59 Km
2 Personen schneiden Zweige von Weidenkätzchen ab; ich weise sie darauf vorbei laufend hin, ohne mich auf Diskussionen einzulassen


Do. 28.03 3,74 Km

Fr. 29..03. 6,61 Km

Sa. 30.03. 2,33 Km

So. 31.03. 12,28 Km
Der März verabschiedet sich mit Schneegestöber. Hatte ich mir irgendwie gewünscht, nachdem der Monat so sehr vom Winter dominiert wurde. Ich begegne einem hoppelnden Hasen, passend zum frühen Ostermorgen. Hasen bekomme ich hier nur selten zu Gesicht. Später gibt es auch noch drei Rehe zu bewundern
Große Vogelschwarm setzt sich auf den Bäumen am Waldrand nieder. Stare??? Ich habe keine Ahnung.
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März: 201,09 Km
Jahreskilometer 2013 : 493,89

Start der Serie am 26. Januar 2013: 65 Tage
Gelaufen 400,52 Km = 6,16 Km/Tag

Mittwoch, 20. März 2013

Winter begrüßt den Frühlingsanfang




20. März, kalendarischer Frühlingsanfang. Gibt es einen besseren Grund um raus zu gehen und eine Runde zu laufen? Nachdem ich in der letzten Woche mit Erkältungsbeschwerden zu kämpfen hatte und meine täglichen Läufe maximal 45 Minuten dauerten, sollte es heute etwas mehr werden. 100 Minuten sollte der Lauf dauern. Freilich, von Frühling war auch im nördlichen Ruhrgebiet heute nichts zu merken. Kurz nach 16 Uhr  0 °C und heftiges Schneetreiben. Aber als Täglichläufer akzeptiert man jedes Wetter. Felder, Wiesen Bäume und Sträucher hatten schon ein dezentes Schneekleid angelegt. Der Feldweg setzte sich noch etwas zur Wehr. Hier war es zunächst nur nass und matschig. Nicht nur heftiges Schneetreiben. Auch kräftiger Wind begrüßte mich draußen an der frischen Luft. Die ersten 4 km überwiegend von vorne. Aber das bildet man sich als Läufer ohnehin immer ein. Jedenfalls fegte der Schnee ordentlich durch mein Gesicht. Soll ja gut für die Haut sein. Im Becklemer Busch allerdings gaben die Bäume etwas Windschutz. Ein traumhafter Winterwald. Weihnachten war es wohl nicht so schön. Aber aus eigener Anschauung kann ich das gar nicht richtig beurteilen, war ich seinerzeit doch im Kaiserwald unterwegs. Aber selbst da hatte Tauwetter die weiße Weihnachten arg dezimiert. Jetzt schneite es derart, als ob Frau Holle Versäumtes noch auf den letzten Drücker wieder  gutmachen wollte. Da, vor mir am Wegesrand ein Reh. Erst zögert es einen Augenblick und dann ganz schnell über den Weg. Es folgt ein zweites. Irgendwie hatte ich es für genau diese Stelle erahnt. Meine ersten 50 Minuten sind um. Gewendet und zurück. Inzwischen laufe ich auf einer fast geschlossenen Schneedecke.

Ich höre Sirenen in der Ferne. Später ein Martinshorn. Irgendwie unheimlich und unwirklich. Scheine ich doch sonst mutterseelen allein unterwegs zu sein. Doch die Idylle wird durch abgekippten Müll im Naturschutzgebiet getrübt. Kopfschüttelnd  laufe ich weiter. Wie dumm manche Menschen sind. Ich erreiche offenes Feld. Der Wind scheint nicht mehr ganz so grimmig. Weiterhin Schneetreiben und der Dunst ist stärker geworden. Auf dem Feld, gut hundert Meter von mir entfernt. zeichnen sich drei weitere Rehe im Schnee ab. Sie starren in meiner Richtung. Doch mein Weg führt weiter weg. Keine Gefahr. Sie können verharren.

Ich setze meinen Weg fort. Meine Spuren vom Hinweg, wo ich schon welche im Schnee hinterlassen konnte sind zugeschneit. Was für ein intensives Lauferlebnis, dessen Ende ich durchnässt aber sehr zufrieden fast bedaure. Sicher, ich freue ich mich jetzt auch langsam auf richtigen Frühling. Doch für den heutigen Lauf bin ich zutiefst dankbar. 


 

Donnerstag, 28. Februar 2013

Täglichlaufen tut gut!


Januar und Februar 2013 sind Vergangenheit. Das letzte Schneefoto stammt vom 23. Februar. Der Schnee ist verschwunden. Doch noch ist es kalt. Ich bin wieder zum Täglichläufer geworden. Es fing bereits vor Weihnachten im Kaiserwald an und war durchaus nicht geplant. Im Januar gab es eine längere Unterbrechung wegen Grippe und einer Gürtelrose. Insgesamt kamen so dann nur 112 Monatskilometer zusammen.  Seit dem 26. Januar laufe ich wieder täglich. Es gibt keine Vorgaben und Erwartungen. Und so gehe ich es mit aller Bescheidenheit an und es gibt dazu auch nicht viel zu sagen. Ich fühle mich gut dabei. Und solange es so ist gibt es zunächst auch keinen Grund damit aufzuhören. 

26.01. 2,77 Km
27.01. 3,19 Km

Gesamt: 5,96 Km

28.01. 3,73 Km
29.01. 1,85 Km
30.01. 7.01 Km
31.01. 2,37 Km
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01.02. 8,01 Km
02.02. 4,32 Km
03.02. 13,11 Km

Gesamt: 40,40 Km

04.02. 5,29 Km

05.02. 3,73 Km

06.02. 3,04 Km

07.02. 3,01 Km (Lauf, bei dem mich der hier seltene Ruf einer Eule begleitete; schön!)

08.02 15,01 Km (bis dato mein längster Lauf in diesem Jahr)

09.02. 3,73 Km (herrlichster, wenn auch aus Zeitgründen nur kurzer Winterlauf)

10.02. 8,64 Km (wunderschöner Abendhimmel)

Gesamt: 42,45 Km



von 11. - 17.02.

11.02.   6,71 Km (Rosenmontagslauf bei eisigem Nordost-Wind
12.02.   4,6 Km   (Lauf vor der Arbeit, Start um 5.20 Uhr)
13.02.    8,44 Km (mal schneller als üblich; kurzes Gespräch mit einem Bekannten)
14.02.    3,02 Km ( muss mich zum Laufen etwas überwinden)
15.02.    3,68 Km (kräftiger Sprühregen bei 4 Grad)
16.02.   14,86 Km (Lauf zum Südfriedhof; zurück entlang der Emscher, die viel Wasser führt; immer noch    Schneereste; kurz vor Ende des Laufs Gespräch mit einem Bekannten)
17.02.    3,71 Km  (vorfrühlingshafter Sonnenschein und 7 Grad!)

Gesamt: 45,02 Km


vom 18. - 24.02.

18,02.   6 Km   (erkältet)
19.02.   2,2 Km (erkältet! Habe eineGPS-Uhr von Aldi gekauft als Reserve für meinen Forerunner)
20.02.   6,27 Km (die Nase läuft, aber es geht mir viel besser)
21.02.   6, 68 Km (ich nutze erstmals die neue GPS-Uhr von Aldi; sie läuft einwandwfrei, keine große      Abweichung zu meinem forerunner, den ich zur Sicherheit mitlaufen lasse.)
22.02.   2,17 Km (ich komme heute nicht aus den Puschen. Erst nach 19 Uhr raffe ich mich aus um        wenigstens einmal kurz den eisigen Nordost zu genießen) 
23.02.   9,61 Km (winterlicher Genusslauf; leichter und nicht sehr ergiebiger Schneefall. Ich Laufe auf etwa   2 cm Neuschnee. Das ist schön und nicht anstrengend. Auch der mäßige Nordost-Wind bei Dauerfrost mindert das Vergnügen nicht. Den 2. Lauf der Winterlaufserie in Duisburg der heute stattfindet habe ich für mich gestrichen. So fit bin ich derzeit nicht. So hatte ich wenigstens  meinen Spaß ohne mich zu übernehmen.)

24.02.  10,28 Km (Über Nacht hat es weiter geschneit und die Schneedecke ist um 3 - 4 cm angewachsen.  Mein forerunner spinnt erneut rum. Ab Morgen werde ich die neue GPS-Uhr von Aldi einsetzen. Erneut ein Lauf durch die wundersame   Winterlandschaft am. Zwei Runden geht es durch das kleine Naturschutzgebiet Becklemer Tal. Unterwegs Gespräch mit einem "Sehbekannten")


Gesamt: 43, 21 Km


vom 25.02.. - 28.02.

25.02.   2,17  Km   (Muskelkater nach ungewohnter Möbelschlepperei)
26.02.   4,48 Km   (weiterhin Muskelkater; trotzdem kurzer aber intensiver Tempolauf)
27.02.   7,57 Km
28.02.   3,83 Km

Februar gesamt: 180 Km

Montag, 11. Februar 2013

Ein völlig humorloser Rosenmontagslauf

In den letzten Tagen hatte ich mit traumhaften Winterwetter viel Glück. Etwas Schnee hatte zauberhafte Winterlandschaften gemalt. Die Laufbedingungen waren gut, denn die Wege waren ordentlich begehbar. Dazu sorgte die Februarsonne für erstaunlich helles Licht und der Himmel zeigte sich morgends und abends in den allerschönsten Farben. Am heutigen Rosenmontag allerdings zeigte der Winter auch mal sein bitteres Gesicht; das am Tag der Karnevalsnarren. Beißender Nordostwind ließen Temperaturen um den Gefrierpunkt als klirrende Kälte empfinden. Schon der Blick aus dem Fenster verhieß Ungemütliches.

Egal, die Laufschuhe geschnürrt und dick verpackt wie ein Polarforscher nach draußen vor die Tür. Der Wind hat kein Erbarmen, er begrüsst mich mit grimmiger Maske und schüttelt mich ordentlich durch. Ok, ich bin bereit, wir kämpfen heut` miteinander. Meine Maske vermutlich ebenso bitter wie die des Windes. Die Narren sind in der Innenstadt. Ich bin auf dem offenen Feld und der Wind treibt es mit mir von vorne. Egal, nur einen Kilometer weiter, da habe ich schon ein kleines Waldstück im Blick. Über dem Feld kreist ein Vogel. Ein Bussard? Scheint mir aber zu klein zu sein. Ich nähere mich dem Fluggebiet. Der Vogel versucht Stellung zu halten und geht im steilen Flug nach unten. Dann lässt er sich auf einen Baum nieder, der zu einer Baumschule gehört. Ich komme ganz dicht heran und bleibe vor dem Vogel auf dem Baum stehen. Es dauert eine Sekunde bevor er sich davon macht. Er gehört nicht zu den hier ansässigen Singvögel, die ich kenne. Aber ich bin in Vogelkunde auch nicht gut bewandert. Und so laufe ich dann weiter. Der Wind hält mich jetzt nicht lange auf, denn ich erreiche das Wäldchen, das mich für ein paar Minuten schützt mit der Aussicht, dass ich nach einer kleinen Runde dann Rückenwind haben werde. So kommt es dann auch. Ich werde geschoben und meine Miene hellt sich auf. Ausgleichende Gerechtigkeit  nennt man das wohl. Ich kalkuliere: richtigen Gegenwind werde ich bis nach Hause nicht mehr bekommen.

Kurz vor der nahen Siedlung liegt unter einer Kiefer ein ungewöhnlich großer Zapfen. Ein imposantes Exemplar. Ich halte an und nehme das "Teil" warum auch immer mit. Das Greifen ist wegen meiner "Gletscherhandschuhe" etwas schwierig. Mit dünnen Wollhandschuhe wollte ich mich heute nicht begnügen. Inzwischen ist mir vom Laufen allerdings angenehm warm geworden.

Die letzten dreihundert Meter. Ich lauf unterhalb der ehemaligen Zechenbahntrasse. Schräg oberhalb von meinem Weg aus ein lautes Geräusch, welches ich zunächst nicht zuordenen kann. Ich vermute närrische Jugendliche, die sich zuweilen auf dem Damm herumtreiben. Dann schaue ich doch rauf und entdecke einen Fasan, der sich offensichtlich durch mich äußerst gestört fühlt, wobei auch immer. Er schimpft überaus laut, bis ich endlich weit genug weg bin. Ich bin für heute auch am Ziel, ungeahnt zufrieden.Mit keinem Narr der Welt hätte ich tauschen wollen. 

Sonntag, 6. Januar 2013

Laufen im Kaiserwald




Die Zeit rast unbarmherzig davon. Mein letzter Beitrag vom letzten Advent. Wann war das denn? Die Erinnerungen verblassen. Dabei  verdient jeder Tag festgehalten zu werden. Doch es ist uns nicht vergönnt.

Auch die Reise nach Karlsbad vom 21. bis 27. Dezember am Ende des vergangenen Jahres ist Geschichte. Aber es ist noch nicht alles vergessen. Es war im Kern eine Busrundreise durch Tschechien mit Karlsbad als Ausgangspunkt. Ausflüge nach Pilsen, ins Tepler Hochland mit einer Stipvisite zum Kloster Tepla und nach Marienbad, mit einem Besuch von Prag, einem Ausflug ins Erzgebirge und einige Dinge mehr: die Tage waren damit ausgebucht. Daneben auch noch laufen? Ich war von Anfang an skeptisch, ob sich die Möglichkeit zum Laufen ergeben würde. Schließlich packte meine bessere Hälft meine von mir bereits aussortierten Laufsachen mit einem "Basta" doch noch in den Koffer. Und so musste ich diese Utensilien dann vor Ort auch nutzen.

Das Hotel befindet sich weit außerhalb des Kurbetriebes inmitten des Kaiserwalds. Unterhalb fließt die Tepe vorbei.

(Blick aus dem Hotelzimmer)



Der Kaiserwald ist eine zusammenhängende Waldfläche. Die Orte Karlsbad und Marienbad mögen als geografische Anhaltspunkte dienen. Von Karlsbad an die tschechisch-deutsche sind es etwa 50 Kilometer. Nach Prag benötigt man über Land zwei Busfahrstunden. Und der Kaiserwald grenzt an das Erzgebirge. Es handelt sich um eine Fläche von 800 Quadratkilometern im Mittelgebirge, welches überwiegend mit Fichten, Kiefern und Birken bewachsen ist. Kleinere Teile stehen unter besonderem Naturschutz. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Natur einiges abverlangt wurde. Der Dreißigjährige Krieg, Zinnbergbau, Truppenübungsplätze nach dem zweiten Weltkrieg und Holzeinschlag haben bis heute Spuren hinterlassen. Aber immerhin ein großes zusammenhängendes Waldgebiet.

Bei unserer Ankunft am späten Nachmittag des 21. Dezember zeigt die Landschaft ein wildromantisches winterliches Weihnachtsbild. Der Wald hatte ein wunderschön anzuschauendes Schneekleid angelegt.

22. Dezember, Fahrt nach Pilsen. Kein laufen.



Am Morgen des 23. Dezember nutzte ich dann das kleine Zeitfenster vor dem Frühstück zu einem ersten Testlauf. In der Nacht hatte es noch etwas Neuschnee gegeben. Sehr nass und schon wieder auf dem Rückzug. Dazu ein kräftiger Regen. Kein Hund jagt man bei solchem Wetter vor die Tür. Wohin läuft man, wenn man die Gegend nicht kennt und bei der noch herrschenden Finsternis auch nichts sieht? Man schlägt eine willkürliche Richung ein. Von der Straße weiter weg folge ich zunächst noch dem Licht von Laternen am Wegesrand. Ein Gebäude noch und dann ist nichts als Dunkelheit. Der Weg findet gleichwohl noch seine Fortsetzung. Der Schnee lässt es erahnen. Was erwartet mich? Hundegebell, mit jedem Schritt lauter und wilder werdend. Als ob die Dunkelheit nicht schon unheimlich genug wäre. Ich erkenne zwei unterschiedliche Hundestimmen. Sie schlagen an wie wild, so als würden sie mich gleich in Empfang nehmen wollen. Unterhalb des Weges erahne ich ein Gebäude, dann endet auch der breite Weg. Ob es noch weiter geht werde ich nie erfahren. Denn ich nehme meine Beine in die Hände und renne zurück. Das Gebell wird leiser, welch ein Glück. Am Hotel vorbei in die entgegengesetzte Richtung wie zuvor. Es geht in eine Siedlung rein, die immerhin etwas Licht bietet. Schnee, Schneematsch und Pfützen von unten. Von oben kommt der Regen scheinbar aus Kübeln. Ich führe eine Art Kneipkur durch; doch ist Karlsbad eher für berüchtigte Trinkkuren bekannt. Vor mir läuft eine Person - in Begleitung eines Hundes. Dieser hat mich wahrgenommen und schlägt unverzüglich an. Läufer sind hier wohl nicht oft zu Gast. Die Hunde haben jedenfalls ihre eigene Meinung zu dieser zweibeinigen Spezies. Der Hund ist angeleint, doch mir reichts. Kehrt Marsch, zurück zum Hotel. Duschen, Frühstück, Fahrt zum Kloster Tepla und nach Marienbad. Auf  700 m Höhe liegt auf abgelegenem Weg Schnee und es ist glatt. Es gibt einen kleinen Zwischenfall. Der Bus rutsch leicht aus der Spur und muss von einem Bagger befreit werden. Etwas Abenteuer kann es im Winter immer mal geben. Alles geht gut.

 


Heiligabend, der 24. Dezember, am frühen Morgen, wie gehabt. Erstaunlicherweise sind meine Laufschuhe getrocknet. Ich starte einen zweiten Laufversuch. Der Schnee ist von den Straßen abgetaut. Ich entschließe mich die Straße in Richtung Kurzentrum zu laufen. Das dürften etwa 4 Kilometer Wegstrecke sein. Die Straße ist wenig befahren. Sie führt entlang des Flusses Tepe, der infolge der Schneeschmelze deutlich angeschwollen ist und das Wasser mit tosender Begleitmusik talwärts abtransportiert. Zunächst lebe ich noch von der Beleuchtung der Siedlung hinter mir. Doch nach der nächsten Biegung hat die Dunkelheit das letzte Licht verschluckt. Ich erahne nur noch die Fahrbahnmarkierung. Das Geräusch des Flusses wirkt umso lauter. Ich kenne den Weg nicht und mache mir so meine Gedanken. Ich kalkuliere, ob ich jetzt eventuell unterhalb des Grundstücks mit den Hunden vom Vortag laufen müsste. Ich denke zuviel. Obwohl  es ruhig bleibt wird mir nicht wohler. Ich kehre um und laufe erneut wie am Vortag durch die nahe Siedlung, die wie ausgestorben wirkt. Es lässt sich besser laufen als am Vortag. Und so komme ich auf eine Laufdauer von gut 45 Minuten. Immerhin.

Vor dem Hotel treffe ich einen älteren Herrn, einen Mitreisenden. Den kenne ich aus der Zeitung. Es ist Günter Kefenbaum, ein läuferisches Urgestein aus Recklinghausen. Er hat vor über 25 Jahren den Recklinghäuser Silvesterlauf auf demWeg gebracht und ist Mitinitiator des Recklinghäuser Lauftreffs. Auch engagiert er sich im Recklinghäuser Leichtathletik Club. Ein drahtiger 75-jähriger, auch wenn er seine Laufsachen für die eine Woche zu Hause gelassen habe. Aber so habe ich jedenfalls doch die Gelegenheit zu etwas Fachsimpelei, was sehr angenehm ist. 

Duschen, Frühstücken, Fahrt nach Karlsbad ins Kurzentrum mit Reiseleiterin. Heiligabend!



25. Dezember, Fahrt in die goldene Stadt Prag.Noch etwas eher Frühstücken als sonst, noch etwas eher aufstehen als sonst, noch etwas eher Laufen als sonst. Die milden Temperaturen, etwa 4 Grad, halten an. Ich nehme den bewährten Weg vom Vortag. Damit es nicht zu gemütlich wird pfeift mir ein kräftiger Wind um die Ohren. Die Straße ist, wie ich schon erwähnte, wenig befahren. Ich kann herankommende Fahrzeuge rechtzeitig durch deren Lichtkegel sehen und auch hören und verhalte mich entsprechend. Sicherheit zuerst. Es ist mal wieder ausnahmsweise soweit. Von hinten kommt etwas herangerauscht. Ich erkenne vor mir eine düstere Grundstückseinfahrt. Da laufe ich rein. Zwei, drei Schritte, dann erwische ich mit dem linken Fuß ein kleines Fleckchen Schneerest. Keine Chance das Gleichgewicht zu halten. Ich krache unkontrolliert zu Boden. Da verbleibe ich verblüfft ein paar Sekunden. Dann raffe ich mich wieder auf. Das Auto stellte keine Gefahr dar. Doch der Fahrer / die Fahrerin musste meinen Sturz bemerkt haben. Setzt zurück, doch ich kann beruhigend abwinken und meinen Lauf fortsetzen. 

Im Hotel sehe ich, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes in den Dreck gefallen bin. Duschen, Frühstücken auf nach Prag. Eine eindrucksvolle Stadt.


 (Die Moldau im Dezemberlicht)


26. Dezember, letzter Tag vor Ort. Fahrt ins Erzgebirge. Zuvor laufen. Es ist eine Kleinigkeit kälter geworden. Stellenweise überfrierende Nässe. Alles geht gut. Später im Erzgebirge. Auch hier erstaunlich wenig Schnee. Die Skipiste in Oberwiesental ist aber in Betrieb.



 Am frühen Nachmittag zurück im Hotel. Noch etwas Zeit. Endlich kann ich einmal in den Wald gehen. Es reicht für einen kleinen Spaziergang und es ist wunderschön. Ich atme die Waldluft ein und kann mich gar nicht satt sehen. Es ist tatsächlich ein richtig schöner Wald und ich bin restlos begeistert. Schade, dass der Eindruck nur so kurz sein konnte.



27. Dezember: Abreise. Aber nicht ohne vorher noch gelaufen zu sein. Frühes Fühstück, früheres Aufstehen, früheres Laufen. Im Aufenthaltsraum läuft der Fernseher: Kontrollbild, pfeifender, schriller Ton.  Das Hotel ist noch abgeschlossen. Doch der Schlüssel steckt in der Tür. Ich bin dann mal weg. Letzter Tag; daran, dass ich beim Laufen ziemlich wenig sehe habe ich mich gewöhnt. Auch das mulmige Gefühl aus den ersten Tagen ist verschwunden. Heute laufe ich bis ins Kurzentrum nach Karlsbad rein. Die imposanten Hotels erscheinen im glänzenden Licht. Doch es ist keine Zeit mehr. Die Rückfahrt duldet keinen Aufschub.

Fazit: interessante Reise und die Erkenntnis, dass man auch bei Dunkelheit laufen kann, ohne dass es langweilig wird.


          

Samstag, 5. Januar 2013

Laufen im Kaiserwald


Anfang der Woche geht es hier weiter mit einem kleinen Bericht über meine Lauferfahrungen in Tschechien.