


6:45 Uhr ist ja nicht wirklich früh, auch nicht an einem Sonntag. Trotzdem ist es noch dunkel. Daher nehme ich Abstand von einem früheren Start für meinen Sonntagslauf. Zunächst begleiten mich noch der abnehmende Mond und die Sterne. Doch bald schon leuchtet im Osten das Morgenrot. Es ist noch etwas kälter geworden im Vergleich zum letzten Sonntag. Je nach Standort gibt es vereiste Autoscheiben. Und auf den abgeernteten Feldern liegt unzweifelhaft Raureif. Das Straßenthermometer zeigt 1°C heute Morgen. Es ist einer dieser bezaubernden kalten Oktobermorgende mit glasklarer Luft. Mein Lauf geht viel zu schnell vorbei und fast bedaure ich es, dass ich bereits nach 14,5 Km wieder vor meiner Haustür stehe. Aber es ist Frühstückszeit. Außerdem ist es schon ein Trost, dass es später noch eine kleinere Runde folgen soll. Knapp 6 Km fehlen mir noch bis 2.400 Jahreskilometer. Das entspricht allerdings meine Zielvorgabe für`s ganze Jahr. Und diese 2.400 Km will ich heute erreichen. Längst habe ich meine Bestmarke von 2.280 Km aus dem Jahr 2007 übertroffen.
Ein paar Stunden später geht es also wieder los. Die Kälte und der Raureif sind gewichen. Die Sonne stahlt vom wolkenlosen Himmel. "Goldener Oktober" aus dem Bilderbuch. Mir fehlen die Worte um diese Stimmungsbilder adäquat zu beschreiben. Bald habe ich meine "2.400 Km" vergessen. Das ist viel zu banal und unwichtig. Die höchste natürliche Erhebung in der Stadt ist der Fritzberg mit 126 Meter über dem Meeresspiegel. Wir leben hier nicht im Gebirge. Trotzdem habe ich mir eine neue Strecke ausgesucht und es geht ungewohnt rauf und runter. In den Feldern verpasse ich wohl eine Abzweigung und ich verliere kurzzeitig den Überblick. Ich habe sicher die Stadtgrenze von Recklinghausen überschritten und befinde mich auf dem Gebiet der Stadt Oer-Erkenschwick. Doch nach einigen Minuten finde ich mitten in der "Pampas" ein Straßenschild "Ostcharweg". Jetzt bin ich wieder auf der Spur. Bald habe ich 10 gelaufene Kilometer auf der Uhr. Und zwischen 1. und 2. Lauf liegt lediglich ein Frühstück mit 1 1/2 Brötchen und einem Ei. So schön der Lauf auch ist, er ist länger geworden als geplant und ich sehne jetzt langsam das Ende herbei. Noch ist es nicht soweit. Es geht noch über die Bergstrasse, die ihrem Namen durchaus Ehre macht. Ich entdecke zwei grasende Tiere. Zu meiner Schande kann ich sie nicht sicher zuordnen. Ziegen??? Nach dem Motto: wenn du keinen Bock hast, versuch`s mal mit ner Ziege...
Nach 13,4 Km bin ich dann wieder Zuhause. Jedenfalls hat sich der "Nachschlag" aber gelohnt.
Gleich geht`s in die Stadt, denn "Recklinghausen leuchtet". Gut wenn man zwei gesunde Beine hat...




