Freitag, 2. Januar 2015

Sonntag - 02.01.2015

Freitag
02.01.2015

85, Streak-Tag Teil 1:

2,19 Km in 15:11 Minuten (6:57 Min./Km)
Noch im Dunkeln; kräftiger Regen, stürmisch, 6 Grad
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85. Lauftag Teil 2:

5,06 Km in 34:42 Minuten (6:51 Min./Km)

War nicht geplant, musste aber sein.
Bin wohl etwas durch den Wind; Datum und Wochentage haben nach einigen arbeitsfreien Tagen offensichtlich ihre Bedeutung für mich verloren. Habe wenigstens diesen Fehler hier korrigiert.

Es hat aufgehört zu regnen; zuletzt hat sich sogar die Sonne gezeigt. Es ist mit 8 Grad noch milder geworden. Winter schon wieder ade?

Donnerstag, 1. Januar 2015

Neujahr

Donnerstag
01.01.2015



 2,16 Km -   15:34 Minuten (7:15 Min./Km)
partiell überfrorene Nässe und dementsprechend glatt.
Das neue Jahr liegt zunächst noch im Dunst, doch dann zeigt sich die strahlende Sonne. Ein glänzender Auftakt.

Streak-Tage: 84

Streak-Kilometer: 474 Km
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Ich werde versuchsweise meine Läufe nur noch dokumentieren und von dem üblichen Bloggen abkehren. Das heißt ganz einfach: laufen, aufschreiben, Häkchen drunter.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Glück gehabt!


Bei einem Jahresrückblick im Fernsehen wurde die ungewöhnliche Geschichte einer Frau erzählt. Sie war mit ihrem Auto in der Dunkelheit auf unwegsames Gelände geraten und hatte die Orientierung verloren. Bei dem Versuch das Auto vorsichtig aus dem Gelände heraus zu manövrieren steuerte sie rückwärts auf einen steilen Abgrund zu. Das Unvermeidliche passierte. Sie stürzte in die Tiefe. Das Fahrzeug wurde bei dem schrecklichen Aufprall völlig zerstört. Wie durch ein Wunder konnte sie sich nahezu unverletzt befreien.

Hatte sie nun bei diesem Vorfall Glück gehabt? Rein objektiv nicht. Sie hatte einen lebensbedrohlichen Unfall, bei dem ihr Auto völlig zerstört wurde.

Und doch. Vom Gefühl her bewertet man den gesamten Ablauf als sehr glücklich. Normalerweise hätte sie den Absturz gar nicht überleben können. Zumindest hätte man erwartet, dass sie schwerste Verletzungen erleidet. Die schlimmsten möglichen Folgen sind nicht eingetreten. Also hat sie doch Glück gehabt?

Es muss nicht so ein Supercrash sein. Im Kleinen erlebt man solche Situationen ja auch immer wieder. Vor ein paar Tagen war ich am Abend wieder mal laufen unterwegs, war fast schon zu Hause. Lediglich auf dem Bürgersteig entlang der Straße noch, ein paar hundert Meter. Die Straßenbeleuchtung war ausgefallen. Dennoch konnte ich auf dem Bürgersteig eine Absperrung erkennen. Ich rätselte noch ob ich außen vorbei ein Stück auf die  Straße laufen sollte. Ich entschied mich dann aber Innen, entlang der Hauswand zu laufen. Es war schmal, aber es passte so gerade. Ich hatte gerade die Baustelle passiert, da spürte  ich am linken Fuß einen heftigen Aufprall und flog sofort im hohen Bogen und dann krachend auf den Boden. Ob  es der Schmerz des Aufpralls war oder der Schrecken über das abrupte Laufende, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich schrie jedenfalls laut und heftig auf. Von der gegenüberliegenden Straßenseite kam eine Frau auf mich zu und erkundigte sich. Ich war schon dabei mich wieder aufzurappeln. „Nein, mit mir ist alles ok“,  beruhigte ich sie. Ich spürte  zwar an verschiedenen Stellen den Schmerz des Aufpralls, hatte den Sturz aber offensichtlich ohne größere Verletzungen entstanden. Die Frau verschwand dann in dem Hauseingang, direkt an der Baustelle.

Das Hindernis am Boden bestand aus ein paar übereinander gestapelte Gehwegs-Platten, nicht sehr hoch. Ich hatte sie in der Dunkelheit nicht gesehen. Ich konnte den kurzen Rest meines Weges zu Ende laufen. Ein paar Schürfwunden an Knie, Schienbein, Händen und Ellenbogen, sowie ein paar Prellungen begleiteten mich die nächsten Tage noch. Die Baustelle war am nächsten Tag mit Positionslampen abgesichert. Die abgelegten Steinplatten waren jetzt zusätzlich abgesperrt.  Tja…



Ja, ich hatte irgendwie auch Glück gehabt. Es hätte mich auch ganz anders erwischen können. Aber haben wir nicht fast jeden Tag Glück, wenn wir unbeschadet unseres Weges gehen, wenn wir gesund sind und es uns auch sonst gut geht? Das „Glück“ ist ja eigentlich der Normalfall. Es ist uns oft nur nicht bewusst. Dafür müssen wir erst unsanft zu Boden krachen.

Ein Sprichwort was dazu ganz gut passt:

„Willst du glücklich sein, dann lerne erst zu leiden.“
Iwan Sergejewitsch Turgenew

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Neben meinem heftigen Sturz gab es als weiteren negativen Höhepunkt in den zurückliegenden Wochen eine  Treibjagd.  Daran beteiligt ein Duzend Jäger und zwei Hunde.  Ich lief mitten durch sie durch. Auf dem abgestellten Anhänger waren die erlegten Tiere abgehängt. Ein Schuss in meiner unmittelbaren Nähe wurde auch abgefeuert. Ich war mächtig bedient.

Dieses üble Gefühl steigerte sich noch, als ich abends im Internet von einer kleinen Sensation las. In der nahe gelegenen Haard ist eine kleine Herde Muffelwild gesichtet worden. Die Sichtung der Tiere in der Haard stellt die Experten vor ein Rätsel. Hat hier etwa jemand widerrechtlich sein Gehege aufgelöst? Eine natürliche Einwanderung gilt als ausgeschlossen. Unmittelbar nach der Sichtung hat die untere Jagdbehörde beim Kreis Recklinghausen in Abstimmung mit der oberen Jagdbehörde, den Abschuss der Tiere angeordnet. Ich war und bin fassungslos.

 Bildquelle: Wikipedia "Mufflon"

Bei drei Läufen wurde ich von Hunden zum  Anhalten veranlasst. Insgesamt aber harmlos.

Es gab einige Regenlauf. Einmal gab es Minus-Temperaturen. In den letzten Tagen begleitete mich stürmischer Wind bei meinen Läufen. Es ist sehr mild geworden.  Die Temperaturen waren/sind zwischenzeitlich zweistellig.

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Egal  wie es draußen ist und was auch immer dort geschieht.
Weihnachten steht vor der Tür.

Ich wünsche allen ein friedvolles und harmonisches Weihnachtsfest.
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Dezember-Statistik:

Mo. 01.12.14     2 Km

Di. 02.12.14      2 Km

Mi. 03.12.14      3,65 Km

Do. 04.12.14     4,52 Km

Fr. 05.12.14      2 Km

Sa. 06.12.14     6,33 Km

So. 07.12.14    15,02 Km

Mo. 08.12.14     3,65 Km
schwerer Sturz

Di. 09.12.14       3,85 Km

Mi. 10.12.14       7,33 Km

Do. 11.12.14      3,65 Km

Fr. 12.12.14       8,02 Km

Sa. 13.12.14      5,04 Km

So. 14.12.14     16,48 Km

Mo. 15.12.14      2 Km

Di. 16.12.14        5,53 Km

Mi. 17.12.14       3,65 Km

Do. 18.12.14      3,65 Km

Fr. 19.12.14       6,82 Km

Sa. 20.12.14      6,66 Km
Treibjagd

So. 21.12.14     15 Km

Mo. 22.12.14     3,7 Km
Kalendarischer Winteranfang bei 11 Grad; der Winter schert sich weder an Kalender noch an Meteorologen.

Di. 23.12.14       3,65 Km
Mein letzter  Arbeitstag in diesem Jahr!!!

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Mi. 24.12.14    Heiligabend
10,61 Km, dunkel Regen und Sturm; sehr intensiver Lauf durch die "Brandheide".


Do. 25.12.14     1. Weihnachtsfeiertag
10,66 Km, immer noch sehr windig, mit 5 Grad nicht mehr ganz so mild.


Fr. 26.12.14     2 Weihnachtsfeiertag
10,61 Km,     Mittagslauf, da "teilt" man den die Strecke mit anderen Läufern, aber vor allem mit Spaziergängern mit vierbeinigen Begleitern. Trotzdem sehr schöner Lauf bei fast schon winterlichen Temperaturen.

Sa. 27.12.14
6,3 Km - ein Schneelauf!
Sehr lange musste ich jetzt warten, da es im letzten Winter hier keinen Schnee gab. Aber heute. Als ich vor dem Laufen auf dem Balkon das Wetter prüfte, blies mir heftiger Wind entgegen und der Regen prasselte gleich auf mich ein. Als ich draußen war, kam nasser Schneeregen und Graupel herunter. Nach und nach bekam der Schnee die Oberhand und bedeckte den Weg mit einer weißen Decke. Es ist sichtbar Winter.
 

So. 28.12.14
4,52 Km bei minus 4 Grad


Mo. 29.12.14
2,43 Km     Am Morgen hatte es nochmal etwas Schnee gegeben; aber schon sind mildere Temperaturen vorhergesagt.



Di. 30.12.14
1,71 Km
 
Mi. 31.12.14
8 Km (einschließlich Teilnahme am 28. Recklinghäuser Silvesterlauf über 5 Km)
6 Grad und Nieselregen

 Jahresabschluss: 2.262 Km - das entspricht der Entfernung Recklinghausen - Moskau. Ok, 28 Km fehlen!

Sonntag, 30. November 2014

Über das Wiederanfangen

 
 


Es ist leicht aufzuhören. Es ist nicht ganz so leicht wieder anzufangen. Am schwersten aber ist das weitermachen.

434 Tage lang war ich jeden Tag gelaufen. Am 434. Tag der Berlin-Marathon. Mein 9. Marathon überhaupt und der erste nach dreijährige Marathonpause. Das Finishen in Berlin war ein unvergleichliches Erlebnis. Die letzte Kurve und dann das Brandenburger Tor. Erschöpfung, Müdigkeit, Leere, Zweifel von vielen Monaten die sich mit einem Male in Luft auflösen, Erleichterung, unbeschreibliche Freude und Glücksseligkeit.

Der Tag danach. Eine tiefsitzende Verletzung im rechten Oberschenkel. Trotzdem die Laufschuhe geschnürt. Schon nach dem zweiten Schritt war klar, es geht nicht. Ich bin dann eine Meile gegangen in der Hoffnung, dass sich der Schmerz weggehen lässt.  Es  half nichts und so war die Serie beendet. Schade drum. Aber es war kalkuliertes Risiko. Der Preis war mir auch nicht zu hoch. Wenn schon die Serie beenden, dann so. Nach vier Tagen ein neuer Versuch. Es ging besser und reichte immerhin schon eine Meile. Mehr auch nicht. Ich hätte besser noch gewartet. Wieder einige Tage Pause. Urlaub an der Nordsee, einige Tage Ruhe. Die Schmerzen waren weg; selbst Bordsteinkanten und Treppen waren kein Hindernis mehr.

Der Einstieg war mühselig. Kann man innerhalb von 12 Tagen das Laufen verlernen? Steif und schwerfällig die  Schritte. 434 Tage des Täglichlaufens hatten sich in Luft aufgelöst. Nur noch blasse Erinnerung. Es ist leichter nach 300 Lauftagen weiter zu machen und das Täglichlaufjahr anzustreben als wieder von "Null" anzufangen. Nur allmählich kehrt der Täglichlauf-Rhythmus zurück. Der Herbst mit seinem speziellen Licht, die kühle Luft, das Farbenspiel der Blätter hilft dabei.

So laufe ich wieder jeden Tag. Die spröde Zahlendokumentation verfälscht dabei die Sinnhaftigkeit meines Tuns. Oder ist vielleicht doch alles Nonsens oder die Suche wonach auch immer? Ich weiß es nicht. Die einzelnen  Läufe allerdings sind mehr wert als irgendwelche Zahlen verraten könnten. Es gab viele schöne Läufe in den letzten Wochen. Und allein der heutige Lauf entschädigt für manchen zwischenzeitlichen Leerlauf


52. So. 30.11.14  Ein wunderschöner Lauf zum Abschluss des Monats November; zugleich der erste Advent. So stelle ich mir den November vor: trüb und kalt (4 Grad) Wenn man sich darauf einlässt kann es zu einem grandiosen Lauferlebnis werden.



51. Sa. 29.11.14      5,04 Km
Lauf bei morgendlichem Bodenfrost

50. Fr. 28.11.14     6,3 Km
4 Rehe eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang an ungewohnter Stelle

49. Do. 27.11.14

48. Mi. 26.11.14     10 Km

47. Di. 25.11.14      4,52 Km

46. Mo. 24.11.14      4,52 Km

45. So. 23.11.14     16,8 Km

44. Sa. 22.11.14     4,52 Km

43. Fr. 21.11.14      8,21 Km

42. Do. 20.11.14     4,52 Km

41. Mi. 19.11.14     6,31 Km

40. Di. 18.11.14      4,52 Km

39. Mo. 17.11.14     4,52 Km
Ganz normaler Regen.

38. So. 16.11.14     10 Km
Ergiebiger Landregen!

37. Sa. 15.11.14     4,52 Km

36. Fr. 14.11.14     1,9 Km

35. Do. 13.11.14     8,01 Km

34. Mi. 12.11.14     1,9 Km

33. Di. 11.11.14     1,9 Km

32. Mo. 10.11.14     1,9 Km

31. So. 09.11.14     14,9 Km

30. Sa. 08.11.14      3,65 Km

29. Fr. 07.11.14     8,01 Km

28. Do. 06.11.14     3,65 Km

27. Mi 05.11.14     3,65 Km

26. Di, 04.11.14     3,65 Km

25. Mo. 03.11.14     3,65 Km

24. So. 02.11.14   3,16 Km
Wieder so ein strahlender Herbsttag mit frühlingshaften Temperaturen

23. Sa. 01. 11.14  12,17 Km;
3 Rehe beobachtet und 1 Fau; Nebelbänke und Sonnenaufgang

22. Fr.31.10.14       2,04 Km

21. Do. 30.10.14     3 Km

20. Mi. 29.10.14     7,02 Km

19. Di. 28.10.14      2,02 Km

18 Mo. 27.1.14       6,47 Km

17. So. 26.10.14     1,9 Km

16. Sa. 25.10.14     3,65 Km

15. Fr. 24.10.11    11,13 Km

14. Do. 23.10.14    2 Km

13. 22.10.14          6,82 Km

12. Mi. 21.10.14   1,91 Km

11. Di. 20.10.14   5,05 Km

10. So. 19.10.14   1,91 Km

9. Sa. 18.10.14   3,14 Km und 7,54 Km    

8. Fr. 17.10.14    1,91 Km

8. Fr. 17.10.14     1,91 Km

7.  Do.16.10.14    1,91 Km

6. Mi. 15.10.2014  6,21 Km
Müde, schwere Beine, schwerer Kopf, sehr anstrengend.

5. Di. 14.10.14 1,93 Km 

4. Mo. 13.10.14  4,89 Km

3. So.12.10.14    2 Km
Cuxhaven.
 
2. Sa. 11.10.14    4 Km
Cuxhaven.

1. Fr. 10.10.14     2 Km
Cuxhaven; die Beine halten.   :-)


 





Sonntag, 23. November 2014

Novemberlicht


Ja, ich laufe wieder. Jeden Tag, wie auch sonst. Eine Verletzung hatte zu einer 12-tägigen Pause geführt. Seit dem 10. Oktober bin ich wieder dabei. Da ich derzeit wenig Lust habe banale Dinge zu schreiben, mag das Foto von heute Morgen genügen. Häufig reichen Worte auch nicht aus um wundersame Augenblicke angemessen zu würdigen. So eben wie bei meinem Lauf von heute Morgen, der in tiefer Dunkelheit begann und schließlich mit einem Licht- und Farbspektakel seinen Höhepunkt fand.

Montag, 6. Oktober 2014

Berlin-Marathon 2014 - Die Rückkehr



Die Entfernung zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor beträgt 42,195 Kilometer, jedenfalls wenn man den Berlin-Marathon mitläuft. Wer da eine kürzere Distanz festgestellt hat, muss eine Abkürzung genommen haben. Ja, es ist Wirklichkeit: ich bin zum neunten Mal Marathon gelaufen. Der erste nach gut drei Jahren Pause.

Drei Wochen zuvor im Wartesaal beim Orthopäden. Starke Schmerzen im Fuß nach dem langen Lauf am Sonntag. Spreizfuß,  Überlastung oder mehr? Der Arzt, früher mal selbst Marathon gelaufen, gibt Entwarnung. Notfalls sollte ich mich nicht scheuen. Maßvolles Täglichlaufen findet er übrigens besser als Marathon zu laufen.

Abreise nach Berlin. Die Deutsche Bahn unternimmt  einen ernsthaften Versuch die Reise nach Berlin zu verhindern, Nachts um drei Uhr. 30 Minuten Verspätung sind angekündigt, dann 40, 45 und 60 Minuten. Dann rollt der Zug mit 65 minütiger Verspätung ein. So gerade noch den Flieger erwischt...

Sonntag Morgen um 9.15 Uhr endlich am Start. Ein stahlblauer wolkenloser Himmel. Die Luft ist noch empfindlich kühl. Das letzte Häuflein eines riesigen Läuferfeldes macht sich auf den langen Weg. Ganz, ganz hinten entbrennt offenbar ein Wettkampf darum, wer als Letztes die Startlinie überquert. Das entnehme ich den Worten des Moderators, der schließlich den  Countdown für das Schließen der Startphase ankündigt. Vor mir strahlt die Gold-Else (Siegessäule) in der Morgensonne. Der Besichtigungslauf durch Berlin hat begonnen. Die Stimmung ist großartig. Ich fühle mich angesteckt und erinnere mich daran langsam zu laufen. Nur wenn ich langsam laufe werde ich auch das Ziel erreichen.

Die Straße des 17. Juni ist durchlaufen; an Alt-Moabit vorbei und nach 5 Kilometern die erste Verpflegungsstation. Trinken ist Pflicht, denn die Sonne wird noch ihren Tribut fordern. Ich habe mir einen Läufer ausgeguckt, der mich "ziehen" muss. Auf seinem Rücken trägt Hartmut die Papiertafel eines Jubiläumsläufers. 34 Mal hat er am Berlinmarathon teilgenommen. Wer so oft  Marathon gelaufen ist, muss einen Plan haben. Das ist jedenfalls meine Hoffnung. Gleichmäßig und nicht zu schnell ist die beste Methode um Kräfte  zu sparen. Hartmut läuft gleichmäßig. Sein Laufstill ist aber eher hölzern. Wie alt mag er sein?

Bundeskanzleramt und Reichstag sind passiert, Die Gebäude sind für die in ihnen produzierten Inhalte nicht verantwortlich. Also einfach weiter laufen. Viele historische Gebäude liegen an der Strecke. Den Fernsehturm kann man nicht übersehen. Er bietet eine grandiose Aussicht. Vor drei Tagen waren wir oben. Von der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor ist es nur ein Katzensprung. Doch heute liegen mehr als 40 Kilometer dazwischen. Die ersten 10 davon sind geschafft. Ich bin etwas schneller als in meiner Marschtabelle. Ob es zu schnell war werde ich spätestens 20 Kilometer später wissen. Nach etwas mehr als 12 Km nehme ich zum ersten Mal ein Päckchen PowerGel zu mir. 6 Rationen habe ich dabei. Sie sollen dafür sorgen, dass ich möglichst lange Energie zum Laufen habe. Ich habe das vorher ausprobiert und gute Erfahrungen damit gemacht.

Es geht durch Neukölln und in Richtung Kreuzberg. Die Stimmung an der Strecke  ist hier, wie auch sonst, ganz toll. Trommler, Sambagruppen und diverse Musikgruppen heizen die Stimmung auf. Die Stimmung trägt einen quasi mit. Na ja, laufen muss man aber trotzdem noch. Ein Fuß ach dem anderen, Kilometer um Kilometer. So banal ist es Marathon zu laufen.  Die Kirche Südstern ist in Sichtweite. Erinnerungen an 2007 kommen auf. 2007 habe ich mit dem Marathon angefangen. Vor meinem 55. Geburtstag mit dem Ruhr-Marathon  und Ende September in Berlin. Das damalige Zulaufen auf den imposanten "Südstern" ist mir in Erinnerung geblieben. Und das ich damals nicht meinen besten Tag hatte, weder Stadt noch Stimmung richtig aufsaugen konnte. Heute ist das anders. Ich bin hell wach, nehme Kleinigkeiten wahr und freue mich hier laufen zu können.

Der Jubiläumsläufer Hartmut wird etwas langsamer, Rollentausch, jetzt laufe ich vorneweg. Es geht durch Schöneberg und der Halbmarathon wird passiert. Ich bin nur wenig schneller als nach meinem Plan. Beine und Kopf sind  noch gut dabei. Irgendwo  vor Kilometer 22 bin ich mit Birgit verabredet. Es ist gut jemand an der Strecke zu wissen. Auf der rechten Seite vor mir habe ich sie entdeckt. Fröhliches Winken. "Alles gut" rufe ich noch und es geht weiter. Wenn alles gut geht werden wir uns 16 Kilometer später am Potsdamer Platz wiedersehen. Jetzt bei 22 Kilometer ist es so ziemlich mitten drin im Marathon. Überschüssige Energien gibt es nicht mehr. Und ein Ende ist längst noch nicht in Sicht.

Schöneberg und Wilmersdorf werden passiert. 25 Km sind die nächste Zwischenmarke. Noch geht das mit dem Laufen ganz gut. Doch die Zahl derjenigen, die jetzt Gehpausen einlegen wächst. Inzwischen habe ich auch neue Begleitung. Asterix und Obelix laufen nämlich mit und ernten beim Publikum viel Heiterkeit. Eine makabre Erscheinung läuft, nur mit Lendenschurz bekleidet, barfüßig, mit einem Pappkreuz auf den Rücken.


In meinem Kopf arbeitet es: laufen, laufen, laufen; nicht denken, laufen. An der Verpflegungsstation nach mehr als 28 Kilometer will ich wieder ein Päckchen PowerGel runter würgen. Ich suche im Gürtel und mir fällt - warum auch immer - der Wohnungsschlüssel ein. Den habe ich doch auch irgendwo im Gürtel  verstaut?  Ich bleibe stehen und suche.!!! Ich finde nichts und bin ratlos. Dann kommt die Erleuchtung: weiter laufen. Ich bin hier irgendwo mitten in Berlin, schon 28 Kilometer gelaufen. Wenn der Schlüssel weg ist, dann ist er jetzt weg und kommt auch nicht wieder. Ein paar hundert Meter weiter dämmert es dann. Den Schlüssel habe mit meinem Kleiderbeutel gut verpackt abgegeben. Eine Planänderung. Es bleibt zum Glück der einzigste  Aussetzer des Tages. Gut zwei Minuten Zeit hat mich der Spaß gekostet. Die gute Stimmung kehrt bald wieder zurück. Hinzu kommen jetzt aber langsam schwerer werdende Beine. Ab Kilometer 29 fängt es im rechten Oberschenkel leicht an zu ziehen.  Die 30 Km werden durchlaufen. Und wie heißt es so schön: jetzt fängt der Marathon so richtig an. Die Zahl der Geher im Feld wächst sichtbar an. Ich bin stur und behalte den Laufrhythmus bei. Langsam bin ich trotzdem. 31 Km sind insoweit erwähnenswert, weil ich im Training zuvor nie mehr gelaufen bin. Ich betrete sozusagen Neuland.

Die nächste bleibende touristische Erinnerung sammle ich dann zwischen den Kilometern 33 und 34. Es geht über den Kudamm an die Gedächtniskirche vorbei. Die Stimmung ist gut, die Beine sind schwer. Nach 35 Km an der Tauentzienstrasse  bin ich knapp 3 Minuten schneller als nach meinem Zeitplan. Ich laufe immer noch kontrolliert. Mein Ziel heißt aber schlicht und einfach "ankommen". Und es scheint greifbar. Vielleicht noch eine knappe Stunde. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen. Der Teufel heißt beim Marathon der Mann mit dem Hammer. Der lauert praktisch auf jedem Meter und man weiss nie wann er kommt. Mein rechter Oberschenkel zickt immer stärker herum. Wenn ich an den Verpflegungsstellen gehe, dann ist das Anlaufen danach sehr mühsam. Also das Gehen gar nicht erst zulassen. Laufen, laufen, laufen.

Der Potsdamer Platz kommt in Sichtweite. Doch bis man mal dort ist dauert es eine gefühlte Ewigkeit. Ich halte Ausschau nach rechts und irgendwann gut 20 Meter vor mir entdecke ich Birgit. Freundliches Gesicht machen, sich gute Haltungsnoten  verdienen, freundlich in die Kamera schauen. "Bis gleich."

Bis gleich sind noch läppische 4 Kilometer. Ich sehe die 40 Km-Tafel. Da muss ich hin. Laufen, laufen, immer weiter. Jetzt bin ich aber echt fertig. Als ich die Kilometertafel erreicht habe verfalle ich ins Gehen. Aber das macht es noch länger und leichter wird es auch nicht. Also antraben. Jetzt fällt mir das Konzerthaus am Gendarmenmarkt auf. Sehr schön! Noch schöner: Kilometer 41 wird passiert. Wie lang kann so ein letzter Kilometer sein. Und danach nochmal 200 Meter. Irgendwann gibt es einen energischen Knick der Straße nach links. Vor uns das Brandenburger Tor. Ich bekomme feuchte Augen. Es kommt Bewegung ins Feld. Gehen mag jetzt keiner mehr. "Those were the days my friend" dröhnt es aus den Lautsprechern. Die Stimme des Moderators überschlägt sich. Die Zuschauer rechts und links geben alles und die Läufer auf der Strecke ihr Letztes.

Das Durchlaufen des Brandenburger Tores. Worte reichen nicht aus um diesen Augenblick zu beschreiben. Dann nochmal lange 200 Meter. An die kann ich mich noch aus 2007 erinnern. Die letzten verflixten Meter. Mit schweren Beinen stampfe ich sie über sie hinweg.  Über die Lautsprecher dröhnt jetzt "I love it".

Und dann im Ziel. Dieses Zusammenwirken aus tiefer Erschöpfung und unfassbarer Erleichterung und Freude machen den Marathon aus. Berlin ick liebe dir!
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Es ist blöd und passt so gar nicht an der Stelle: es war mein 434 Lauftag in Serie. Es war zugleich der letzte Lauftag, denn am Tag danach war an Laufen nicht zu denken. Damit hatte ich allerdings auch vorher schon gerechnet. Auf dieses Thema komme ich bei anderer Gelegenheit zurück. Das Täglichlaufen wird seine Wiederbelebung finden.

Sonntag, 31. August 2014

Sommerfinale

Ich kehre somit zurück zu einem kalendarischen Monatsrückblick. Das scheint mir  meiner Wertigkeit was das Zählen von Lauftagen angeht eher zu entsprechen. Heute war ja wieder einer dieser besonderen Tage; der letzte Tag im kalendarischen Sommer. Und wie der Sommer sich hier während meines Laufes präsentiert hat war schon bemerkenswert. Bei meinem Start am späten Vormittag hatte sich die Wolkendecke vollständig zugezogen. Am Horizont eine tiefe dunkelgraue bis schwarze Verfärbung. Es sollte heute ein mittellanger Lauf werden, nachdem mein  gestriges Experiment zu einem sehr langen Lauf nach 18 Km mit Wadenproblemen geendet hatte. Nach 4 Kilometern setzte dann heute  auch der Regen ein, der sich in kurzer Zeit zu einem ordentlichen Platzregen entwickelte. Gegen Regen habe ich nichts einzuwenden, zumal bei moderaten Temperaturen ist er zudem angenehm und ein echtes Naturerlebnis. Doch heute gesellte sich noch ein Gewitter dazu. Zunächst ein einzelner Donnerschlag. Nach einiger Zeit der Stille wollte ich schon frohlocken. Doch dann nahm das Gewitter seinen Lauf. Unterschlupf gab es nicht. Erst offenes Feld, dann etwas Wald. Was ist da besser? "Eichen sollst du meiden, Buchen sollst du suchen", heißt es so schön. Es gab nur Eichen. Ich wäre aber auch unter keiner Buche stehen geblieben. Es war keines dieser schweren Gewitter. Aber es als "freundlich" zu bezeichnen wäre wohl auch übertrieben. So lief  ich - zu weilend vor mich hin fluchend - meines Weges. Es waren auch noch zwei Spaziergänger unterwegs. Später kam mir ein vor Nässe triefender Läufer entgegen. Ansonsten war es deutlich ruhiger als sonst, bis auf die Donnerschläge. Nach geschätzten zwanzig Minuten verstummte das Gewitter. Einige Zeit später versiegte dann auch der Regen. Ich war bester Dinge. Spricht man nicht auch von einem reinigenden Gewitter? Gewitterläufe sind bei mir äußerst selten. Nach Möglichkeit gehe ich Ihnen aus dem Weg. Und was den Regen angeht: hier grassiert derzeit eine merkwürdige Veranstaltung, bei der sich Leute Wasser aus Eimern über den Kopf schütten und anschließend die Prozedur im Internet veröffentlichen. Ich halte das für eine ziemlich sinnlose Wasserverschwendung. So ein Regenlauf hingegen ist doch ein feines Erlebnis.

398.   Sa. 23.08.14      2 Km

399.   So. 24.08.14      2 Km

400.   Mo. 25.08.14    16,11 Km

401.   Di. 26.08.14       2 Km

402.   Mi. 27.08.14      8,01 Km

403.   Do. 28.08.14      2,17 Km

404.   Fr. 29.08.14        2 Km

405.   Sa. 30.08.14      18,09 Km

406:   So. 31.08.14      14,53 Km

gelaufen im August: 231,25 Km
Jahreskilometer: 1593,75 Km (Ich bin somit in der weißrussischen Hauptstadt Minsk angekommen).