Sonntag, 15. Dezember 2013

Lebendige Finsternis im Advent

Mo. 09.12.2013    3,37 Km
Ruf des Uhus. Diese kurzen Läufe nach der Arbeit sind wohltuend für Körper und Geist. Am Sportplatz vorbei kommend, das Flutlicht ist eingeschaltet, werde ich plötzlich von zwei Schatten begleitet, was mich kurz irritiert. Ich schaue mich um, aber ich bin allein unterwegs. Als ich am Schulbauernhof vorbeilaufe ertönt aus der Dunkelheit das Meckern einer Ziege.

Di. 10.12.2013    3,41 Km
Ruf des Uhus; Mond und Abendstern begleiten mit.

Mi. 11.12.2013    9,14 Km
Bei meinem Start vernehme ich wie an den Abenden zuvor den Ruf des Uhus. Es ist dunkel und den Rest der visuellen Wahrnehmungsmöglichkeit verschluckt der Nebel. Später sendet der Mond wenig schales Licht vom Himmel. Es ist schon etwas unheimlich. Im Wald sehe ich zwar nicht den Matsch durch den ich laufe, aber ich höre und spüre ihn. Stille und tiefe Einsamkeit für die Dauer meines Laufes.

Do. 12.12.2013    3,09 Km
mit Mond und Sterne. Das Licht des Mondes verhilft mir zu einem Begleiter in Form meines eigenen Schattens

Fr. 13.12.2013    6 Km
wolkenlos, blauer Himmel, Sonnenuntergang; auf einem kleinen Weiher gibt es eine hauchdünne Eisschicht von der vorhergehenden Nacht

Sa. 14.12.2013    6,41 Km
Dunkel, wolkenverhangener Himmel; ganz zum Schluss zeigt sich dann doch der Mond für einen kurzen Augenblick

So. 15.12.2013 – Dritter Advent
Müde, schwere Beine. Ich beschließe nur 2 Km zu laufen, um „die Serie“ aufrecht zu erhalten.
Um halb acht ist es noch dunkel. Kräftiger Wind und Regen peitschen mir ins Gesicht, als ich vor die Tür trete. Welch`eine Begrüßung! Das mit den schweren Beinen bewahrheitet sich schon bei den ersten Schritten. Doch die Wetterverhältnisse lenken davon ab. Da ich nur ein kleines Läufchen plane, habe ich es bei kurzer Laufbekleidung belassen. Mit sieben Grad ist es ja an sich auch recht mild. Doch Wind und Regen lassen es deutlich kälter anfühlen. Ich weiche von meiner üblichen Laufrichtung ab und wende mich einer Siedlung zu um ein Haus zu „besichtigen“, welches in der Zeitung mit einer besonders aufwendigen Weihnachtsbeleuchtung hervorgehoben worden war. In der Tat, es ist ein „leuchtendes Haus“. Doch rechte Stimmung will bei mir nicht aufkommen. Vielleicht liegt es an der fortgeschrittenen Dämmerung und auch an dem ungemütlichem Wetter. Jetzt laufe ich an auf einem Radweg entlang einer Kreisstraße. Es ist nicht schön, aber ich habe lange Rückenwind, bis ich schließlich in den Wald einbiegen kann. Hier geht es dann auf meiner „Normalroute“ zurück nach Hause. 

Nass, durch gefroren, aber zufrieden, nach immerhin elf gelaufenen Kilometern. So fühlt sich Dezember an.

Montag, 9. Dezember 2013

Dezember-Donnerwetter

 

Ich versuche es ab sofort mit dem Wochenrückblick in der Hoffnung, dass mir Läufe, das Drumherum und auch meine Befindlichkeiten doch eher in lebendiger in Erinnerung sein mögen, als bisher bei den Monatsrückblicken. 

Mo. 02.12.2013,     3,06 Km

Di. 03.12.2013,     3,08 Km

Mi. 04.12.2013,     9,01 Km
Düsterer Regenlauf

Do. 05.12.2013,    2,58 Km
Lauf vor 5 Uhr am Morgen, um das angekündigte Orkantief mit dem Namen „Xaver“ aus dem Weg zu gehen.

Fr. 06.12.2013    10,32 Km
Dezemberdonnerwetter! Zunächst aber machte ich mich bei einem kleinen Hund unbeliebt, der mit mir spielen wollte. Ich hatte aber nicht einmal Lust darauf angekläfft zu werden und machte das auch ziemlich deutlich. Merkwürdig. Über Jahre hatte ich mit den Hunden kaum mal Probleme. Jetzt war es schon das dritte Mal innerhalb weniger Wochen. 
Der Wind blies immer noch kräftig! Es waren aber doch nur noch die  "Urenkel" von Xaver unterwegs. Sie holten zu ihrer Verstärkung einen kräftigen Schneeregenschauer herbei, der mit einem fulminanten Donnerschlag einsetzte. Zum Glück blieb es bei dem einen Donner. Das Gewitter blieb mir dann doch erspart. Im letzten Licht der fortgeschrittenen Dämmerung erspähte ich noch die Silhouetten  zweier Rehe. In der Dunkelheit ging es dann durch den morastigen Wald. Nach circa einer halben Stunde hatte sich der Schneeregen an mir abgearbeitet. Die Wolkendecke lichtete sich und es schaute die Mondsichel und der Abendstern heraus. Am Waldesrand ein geschmückter und leuchtender Naturweihnachtsbaum, über den ich mich in jedem Jahr auf`s neue freue. Ein sehr intensives Lauferlebnis, dank der besonderen Wetterbedingungen.

Sa. 07.12.2013    8,05 Km
Ruhiger Regenlauf; Xaver hatte es dann doch geschafft zwei Bäume an meiner Laufstrecke flachzulegen. Insgesamt haben wir hier aber wenig abbekommen.

 

So. 08.12.2013,    10,13 Km
Es war ein ruhiger und einsamer Lauf.
Statistisch gesehen war es mein 140. Lauf in Serie und bei dieser Gelegenheit wurden auch die 2.000 Jahreskilometer überschritten, was zeigt, dass man auch mit kleinen Schritten ein längeres Stück Weg hinter sich bringen kann.

Novembererinnerungen




Nebel, Sturm, Sonne, Regen und die erste Minustemperaturen hat mir der November beschert. November???? Wann war das denn? In der Tat, der November ist lange vorbei. Selbst der 2. Advent ist ja schon Vergangenheit. Irgendwie hat es mit dem Rückblick nicht geklappt. Dann ist noch ein Teil meiner ohnehin dünn geratenen Notizen verschwunden. Noch dünner als meine Notizen waren, beziehungsweise sind meine Erinnerungen. War ich nicht im ersten Novemberdrittel erkältet? War mir das in der Gegenwart so bedeutsam, so muss ich jetzt überlegen, ob ich es überhaupt erwähnen soll. Oder die beiden "Hundeangriffen" im Laufe des Monats?  Was hatte ich mich aufgeregt. Letztlich hatten Hunde und Halter vermutlich größere Sorge als ich selbst, der Gebell und auf mich losstürmende, wahrscheinlich eher harmlose Hunde nicht akzeptieren wollte. Hunde und Halter sind dann wohl zerknirscht von dannen gezogen, grübelnd, welch` Irrwisch  da wohl über sie hergefahren ist. Warum ich meine sonstige deeskalierende Zurückhaltung verloren hatte, die ich seit Jahren erfolgreich praktiziere, hat mich nachdenklich gemacht.

Meine schönen beiden Weiden, die ich in trauter Eintracht seit Jahren nebeneinander bewundern durfte. Erst hat der Sturm einen dicken Ast zerfleddert. Dann kam die Säge und ließ einen öden und vereinsamten Stamm zurück.

Highlight an einem Sonntagmorgen die Begegnung mit fünf Rehen. Fast hätte ich den Lauf kurz vorher schon beendet, als ich dann noch eine weitere Runde lief und die Tiere auf einer versteckten Lichtung entdeckte. Großes Begaffen auf beiden Seiten. Letztlich hatte ich mehr Geduld als die Rehe, die dann doch, wenn auch zögerlich, sich in das kleine Wäldchen zurückzogen. 

Der Kern meiner Läufe freilich, Distanz und Dauer, ist täglich dokumentiert und sieht wie folgt aus:.  

Fr. 01.11.2013     3,71 Km
erkältet

Sa. 02.11.2013     3,69 Km
Regen, erkältet

So. 03.11.2013   6,69 Km
flüchtiger Rehkontakt; sehr matschig; von Weide ist nach Sturmschaden nur noch der Stamm übrig gelassen, der Rest ist abgesägt. Trauriger Anblick. Weiterhin erkältet.

Mo. 04.11.2013   2,13 Km
erkältet

Di. 05.11.2013     2,16 Km
erkältet

Mi. 06.11.2013     3,64 Km
erkältet

Do. 07.11.2013    6,61 Km
Genüsslich dahinplätschernder Novemberregen; mit 13 Grad sehr mild und im Wald sehr matschig!
erkältet

Fr. 08.11.2013     2,29 Km
abklingende Erkältung

Sa. 09.11.2013     4,65 Km

So. 10.11.2013     10,53 Km
fünf Rehe im Naturschutzgebiet Becklemer Busch

Mo. 11.11.2013     2,36 Km

Di. 12.11.2013     8,56 Km
Tempolauf

Mi. 13.11.2013     2,46 Km

Do. 14.11.2013     2,28

Fr. 15.11.2013    10,25 Km
(darin 4 mal 1000 m als Intervalle)

Sa. 16.11.2013     3 Km

So. 17.11.2013    14,43 Km

Mo. 18.11.2013     8,53 Km
(Marathontempo)

Di. 19.11.2013     2,62 Km

Mi. 20.11.2013     8,53 Km
(darin 4 mal 1000 m als Intervalle)

Do. 21.11.2013     2,48 Km

Fr. 22.11.2013     16,59 Km

Sa. 23.11.2013   2,44 Km

So. 24.11.2013   2,53 Km

Mo. 25.11.2013     6,8 Km

Di. 26.11.2013     2,31 Km

Mi. 27.11.2013     2,08 Km

Do. 28.11.2013     2,05 Km

Fr. 29.11.2013     8,47 Km
(darin 4 mal 1000 m als Intervalle)

Sa. 30.11.2013     2,46 Km

Sonntag, 1. Dezember 2013

Dezemberzauber am 1. Advent

1. Dezember - 1. Advent - meteorologischer Winteranfang. Ein besonderer Tag also. Was tue ich. Wäsche sortieren und die erste Arbeit für die Waschmaschine an diesem Tag vorbereiten. Besondere Tage definieren sich eher an dem was wir tun als an dem Kalender.
Halbsieben, es bleibt dann noch etwas Zeit für ein kurzes Läufchen vor dem Frühstück. Noch ist es fast dunkel. Die Luft ist frisch, aber nicht zu kalt. 5 Grad, kann man gut bei laufen. Der Blick zum Himmel zeigt eine fast geschlossene Wolkendecke. Doch am Horizont eine schmaler offener Streifen, den der Mond mit einer hauchdünnen Sichel nutzt, um sich vor dem hereinbrechenden Morgen zu zeigen. Es geht an der Wassermühle vorbei, das Plätschern des Baches und die Geräuschkulisse des mit Enten, Gänsen und Schwänen übervölkerten Teiches. Dann über den Dorfplatz der beleuchtete Weihnachtsbaum und schon wieder zurück nach nicht einmal 20 Minuten. Dafür aufstehen und raus in die „Kälte“? Ich kann das nur für mich mit einem eindeutigem „Ja“ antworten. Es war ja auch nur ein „Zusatzlauf“, um diesen besonderen Tag zu begrüßen.



Zu Hause werde ich schon erwartet. Gleich die Frage nach dem Adventskalender und der Kerze. Das ist doch klar. Wir sind heute zu zweit und zusammen 69 Jahre alt, also im besten Alter. Adventskalender und Adventskerze werden in das Frühstück integriert. Dazu ein Liedchen mit der Blockflöte. Die Stunden danach verfliegen.



Ab Mittag bin ich wieder allein. Jetzt folgt noch der Hauptlauf. Was ist denn das für ein erster Advent? 8 Grad und die Sonne bricht aus den Wolken durch. 18 Km habe ich mir vorgenommen. Für einen langsamen Läufer wie mich ein ordentliches Stück Weg. Viele Bäume sind schon ziemlich kahl. Aber nicht alle. Die Blätter der Eichen haben sich dunkelbraun gefärbt. Sie warten auf Frost und Wind, damit endlich auch sie auf den Boden fallen können.



1. Dezember, müssten nicht die Felder brauch liegen. Mitnichten. Es grünt und blüht. Bei dem herrlichen Wetter sind viele Spaziergänger unterwegs. Ich kann es keinem übel nehmen, dass er nicht zu Hause hocken mag. Nach etwas mehr als 9 Kilometer ein bekanntes Gesicht. Martin mit Frau. Martin und ich waren im Jahre 2006 im Ötztal mit einer Gruppe des Alpenvereins unterwegs. Kurzes Gespräch, dann laufe ich weiter. Es ist weiter ein schönes Laufen. Es ist aber auch anstrengend. Ich bin derzeit nicht gerade in Höchstform. Aber das ist ein anderes Thema. Laufen ist nun mal auch anstrengend. Die Sonne hat sich jetzt doch hinter den Wolken versteckt. Zum Schluss stehen dann wie geplant 18 gelaufene Kilometer auf meiner Uhr.



Wir hatten uns heute Morgen beim Frühstück über die Hintergründe der Adventszeit unterhalten. Klar, der Ursprung kommt aus dem lateinischen: „adventus“ beudeutet „Ankunft“. Ich hatte dann mal nachgeschaut, wie es in anderen Sprachen heißt: „avvento“ im italienischen, nicht überraschend; im polnischen „adwent“; im spanischen „el adviento“, im englischen „advent“, ebenso im Französischem. Dann habe ich doch noch etwas exotisches gefunden. In Finnland heißt es „pikkujoulu“. Das fand ich dann ganz sympathisch. Vielleicht ein anderes Wort, weil es dort kälter als bei uns am 1. Dezember sein dürfte? Das habe ich dann aber nicht mehr nach gegoogelt.



Mein Monatsrückblick für November steht noch aus. Will in nächsten Tagen meiner Chronistenpflicht in eigener Sache noch nachkommen, auch wenn es wenig spektakulär und schon so lange her ist.

Freitag, 1. November 2013

Goldener Oktober der Überraschungen


Goldener Oktober?  Ja, ganz sicher auch. Am intensivsten habe ich die milden Temperaturen über viele Tage empfunden. Sicher, es gab auch Nebel, den ersten Raureif und einen kräftigen Sturm gegen Monatsende. Doch dominierend war insgesamt das milde Wetter. Erst an den letzten drei Oktobertagen ist es kälter geworden.

Über den Halbmarathon am Phönixsee habe ich schon geschrieben. Ansonsten stand eine sehr schöne Zeit am Gardasee auf dem Programm. Das tägliche Laufen wurde auch da fortgesetzt, stand aber nicht im Vordergrund. Ein besonderer Bericht ist in Vorbereitung.   
 
Di. 01.10.13   2,01 Km (Erholung vor dem Halbmarathon)
Mi. 02.10.13 2,03 Km  (Erholung vor dem Halbmarathon)
Do. 03.10.13   21,3 Km
Halbmarathon am Phönixsee in Dortmund
Bei der Anreise entdecke ich den ersten Raureif in diesem Herbst
Fr. 04.10.13   2 Km
Schwere Beine vom Vortag
Sa. 05.10.13   4,01 Km
Erkältet, regnerisch
So. 06.10.13   2,17 Km
Erkältet und schlapp; Fasan läuft mir über den Weg, höchstens fünf Schritte von mir entfernt
Mo. 07.10.13   5,71 Km
18 Grad, wolkenloser Himmel, fast windstill; am Hohenhorster Stadion mit unserer Betriebslaufsportgruppe. 
Di. 08.10.13   5,37 Km
Mir kommt laufend ein Bekannter entgegen, den ich nur aus dem Bus kenne, mit dem ich morgens um sechs Uhr zur Arbeit fahre.
Mi. 09.10.13   5 Km
Do. 10.10.13 2,32 Km
Serienerhaltender Lauf um 5 Uhr; Nachmittags zu „Tschibo“. Es gibt Laufbekleidung für den Winter. Für alle Fälle decke ich mich mit einer langen Hose, Handschuhe und Funktionsunterwäsche ein. Zuvor war ich noch in einem Lauffachgeschäft und ergattere die letzte kurze Hose in meiner Größe.
Fr. 11.10.13   4 Km
Regen, kurz vor der Abreise nach Italien
Sa. 12.10.13   3,12 Km (Gardasee)
So. 13.10.13   3,1 Km (Gardasee)
Mo. 14.10.13   4,15 Km (Gardasee)
Di. 15.10.13   4,35 Km (Gardasee)
Mi. 16.10.13   4,43 Km (Gardasee)
Do. 17.10.13  4 Km (Gardasee)
Fr. 18.10.13   3,5 Km (Gardasee)
Sa. 19.10.13   3,12 Km (Gardasee, Abreisetag)
So. 20.10.13   2,3 Km
Wieder zu Hause; hundemüde von der langen Fahrt
Mo. 21.10.13   2,29 Km morgens; 6,92 Km abends
Di. 22.10.13   8,78 Km
22 Grad warm!
Mi. 23.10.13   3,71 Km
Do. 24.10.13   9,67 Km
Fr. 25.10.13   4,37 Km
Sa. 26.10.13   6,72 Km
Ein dutzend Jäger hat sich an einem Feld postiert. Sie tragen farbig auffällige Umhänge. Ich selbst habe ein grellgrünes T-Shirt an und hoffe das reicht. Der Versuchung, die Hände hochzunehmen, widerstehe ich dann aber doch.
So. 27.10.13   6,68 Km
Die Krähen haben sich wieder auf dem Feld niedergelassen, der gestern von den Jägern besetzt war. Lustig umhersöbernde Blätter
Mo. 28.10.13   10,05 Km
Sturm, mit Regensequenzen durchsetzt, Morast im Wald
 Ich beobachte eine Greifvogel, kann ihn aber nicht sicher zuordnen. Vielleicht ein Habicht.
Di. 29.10.13; mein 100. Lauftag
Erster Arbeitstag nach dem Urlaub; um sicher zu gehen lege ich mit 2,23 Km um 5 Uhr einen serienerhaltenden Lauf vor. Der Himmel ist zunächst sternenklar, um kurzer Zeit von dunklen Wolken verhüllt zu werden. 
Um 17 Uhr folgt ein zweiter Lauf „zur Feier des Tages“ mit 6,75 Km. Zunächst kommen mir Zweifel auf, ob ich noch mal raus soll, da ich sehr müde bin. Doch meine Entschlossenheit zeigt sich als real. Als ich vor die Tür trete schüttet es wie aus Kübeln. Nach wenigen Schritten bin ich kladdernass.  Nach knapp fünf Minuten hört der Regen schlagartig auf. Ruckzuck hat der Wind die dunklen Wolken vertrieben. Ein schöner von der Sonne beleuchteter Abendhimmel lenkt meinen Blickimmer wieder nach oben. 
Im Wald wie ein zufälliger Blick nach links. Genau auf meiner Höhe vielleicht dreißig Schritte entfernt Rehe. Ich zähle fünf Tiere. Sie haben mich längst entdeckt und sind auf dem Rückzug, halten dann aber inne. Ich bin ebenfalls stehen geblieben und so starren wir uns gegenseitig an. Es ist ein wunderschöner Augenblick. Fast hätte ich sie gar nicht gesehen.
Als ich später an "meinen" beiden Weiden vorbei komme, ein markanter Punkt meiner Laufstrecke, sehe ich, dass der gestrige Sturm einen dicken Ast abgerissen hat, Durchmesser vielleicht 40 Zentimeter. Welch`gewaltige Kräfte da am Werk waren.



Mi. 30.10.13   2,2 Km
Serienerhaltender Lauf um 5 Uhr vor der Arbeit; der Sturm ist abgeflaut und es ist deutlich kälter geworden. Ich bin erkältet.
Do. 31.10.13   3,07 Km
Erkältet und schlapp, aber durchaus mit Zuversicht, dass es Morgen weiter gehen wird und voller gespannter Erwartung darauf, welche Überraschungen und Herausforderungen die dunkle Jahreszeit bereit hält.
Abends noch ein Paukenschlag: per Email bekomme ich die Mitteilung, dass ich unter 74.707 Bewerbern durch Verlosung einen Startplatz für den nächsten Berlin-Marathon erhalten habe. Es wir / es ist eine großartige Herausforderung für mich. 
_________________________________
Täglichlaufen seit dem 22. Juli (=102 Tage)
In dieser Serie gelaufen: 615,55 Km (6,04 Km pro Tag)
Eigentlich laufe ich seit dem 26. Januer täglich; aber es hat ja zwei Unterbrechungen gegeben.

Jahreskilometer: 1.778 Km
Oktober: 161 Km

Dienstag, 22. Oktober 2013

Es ist Herbst


Natürlich ist es Herbst. Wer wollte das beim Blick auf den Kalender bestreiten. Auch die ungewöhnlich milden 22. Grad heute Mittag ändern daran nichts. Auch nicht der Marienkäfer, der sich  heute Vormittag auf meinem Balkon verirrt hatte. Oder die Schmetterlinge beim Flug durch die sonnendurchflutete Herbstwelt. Mit jedem Schritt draußen vergegenwärtigt sich die Jahreszeit. Ich laufe zunächst auf einem Teppich aus Eicheln. Bei jedem Schritt knackt es unter meinen Schuhsohlen.Fallobst in Massen. Jedenfalls bei den Äpfeln ist es so. Ich hätte bei meinem heutigen Lauf sicher eine Schubkarre voll bekommen. Der spürbare Wind  raschelt durch den bunten Blätterwald. Dieser ist in den letzten Tagen deutlich dunkler und bunter geworden. Auch der Blätterteppich am Boden im Wald nimmt langsam Gestalt an, wird mit jedem Tag dichter. Wann wohl die Bäume überwiegend kahl sein werden? Vielleicht in vierzehn Tagen? Das Landschaftsbild ändert sich jetzt von Tag zu Tag. Herbst, eine wundervolle Jahreszeit mit stetem Wandel. Nebel und den ersten zarten Raureif hatten wir schon. Heute, der vermutlich letzte wirklich warme Tag in diesem Jahr. Aber wer weiß das schon? Es wird jetzt wieder kühler werden. Für die nächsten Tage ist Regen vorhergesagt. Und sicher kommen später dann auch die rauhen, grauen und unwirtlichen Novembertage als Vorboten des Winters. Herbst, eine wundervolle Zeit, die einzigartige Läufe beschert, so wie heute.

Ach ja, seit genau drei Monate laufe ich jetzt täglich. Aber das war heute völlig unwichtig, reiner Zufall und während meines gut einstündigen Laufens hatte ich das völlig vergessen. :-)

Mittwoch, 9. Oktober 2013

105 Kilometer durch das Ruhrgebiet

 Um es vorweg zunehmen. Ich bin nicht unter die Ultraläufer gegangen. Es gibt ja diese speziellen Läuferinnen und Läufer die es schaffen 105 Kilometer an einem Stück zu laufen. Ich gehöre beileibe nicht dazu. Ich habe vielmehr fünf Läufe für diese Distanz gebraucht, verteilt auf mehrere Monate. Fünf Halbmarathonläufe durch verschiedene Städte des Ruhrgebiets. Es ergibt sich daraus eine gewisse Gesamtsicht, die selbstverständlich lückenhaft bleiben muss. Zur Gesamtschau zum Schluss ein paar Bemerkungen. Zunächst hier aber mein Bericht über den Phönixsee-Halbmarathon in Dortmund, den letzten Abschnitt meiner ganz persönlichen Ruhrgebietsentdeckung.


Wieder also so ein Wettkampf. Man zahlt für seine gelaufenen Kilometer Geld bei einem Veranstalter und man hat über die reine Laufzeit hinaus auch noch einen riesigen Zeitaufwand. Und doch sind allein bei diesem Halbmarathon mehr als 1.600 Läuferinnen und Läufer am Start. Ich bin einer von den Verrückten, die an diesem fragwürdigem Unterfangen teilhaben wollen. Hinzukommen Staffelläufer und eine große Anzahl an Schülern. Läuft man gegeneinander oder miteinander? Ich laufe gegen mich selbst. Oder laufe ich doch für mich oder kommen gar beide Spielarten des Laufens zusammen? Genug der Fragezeichen. Irgendwo muss der Reiz sein, sonst würden solche Veranstaltungen nicht existieren. 

 Als ich kurz nach sieben Uhr das Haus verlasse ist der Himmel wolkenlos und es ist kalt. 3 Grad, stellenweise der erste zarte Raureif und einige Autoscheiben sind mit einer hauchdünnen Eisschicht bedeckt. Es ist der 3. Oktober, es ist Herbst und das Jahr neigt sich langsam aber sicher seinem Ende entgegen. Nach dreimaligem Umsteigen mit dem feiertagsbedingt ausgedünnten Nahverkehr komme ich schließlich in Dortmund Hörde an. Knapp 10 Minuten zu Fuß und ich habe die Hörder Burg am Phönixsee erreicht. 
 

Auf dem Burgvorplatz herrscht ein emsiges Gewimmel von Läuferinnen und Läufern. Die ersten Schülerläufe sind schon im Gange. Ich treffe meine Vorbereitungen und gebe meine Sachen auf einen der fünf dafür bereitgestellten LKW`s von „KIK“ (Textildiscounter) ab. 

 

Am Start habe ich ein paar Zeitmarken im Kopf. Es ist der zweite Phönixsee-Halbmarathon. Ich bin beim zweiten Mal dabei. Im letzten Jahr war ich mit 2:29:47 Stunden im Ziel. Das war mein bisher langsamster HM überhaupt. Das galt es zu verbessern. Der Lauf in Dortmund war zudem mein fünfter HM in diesem Jahr. Zuletzt gab es am 1. September in Bochum einen deutlichen Aufwärtstrend mit 2:14:31 Stunden. Dann habe ich auch meinen allerersten HM im Dezember 2006 in Erinnerung. Ich bin da 2:19:xx Stunden gelaufen. Mittlerweile ist es für mich keine Selbstverständlichkeit mehr diese Zeit zu unterbieten. Ich bin älter und langsamer geworden.

Ein kurzes Warmlaufen und ich reihe mich ins Starterfeld ein, ganz hinten. Ich habe festgestellt, dass dies ein guter Platz für mich am Start ist. Ein paar Meter vor mir noch die Gruppe um den „Pacemaker“ für die Zielzeit 2:30 Stunden. Ich habe gedämpfte Erwartungen und kein ganz gutes Gefühl. Hoffe aber, dass sich das noch ändert. Mein zunächst begrenztes Ziel heißt: ordentlich laufen und gut ins Ziel zu kommen.

Es geht los. Zunächst eine Runde um den Phönixsee herum. Der künstliche Flachwassersee hat eine Länge von 1230 Metern, eine maximale Breite von 310 Metern und eine Tiefe von über vier Metern. 

Der Pacemaker vor mir läuft etwas zu schnell an für seine Zielgruppe. Das könnte für Läufer, die das als ernsthaftes Ziel ansteben kontraproduktiv sein. Nach knapp 700 m lasse ich diese Gruppe hinter mich. Hier am See in Nähe der Burg sind viele Zuschauer an der Strecke, vermutlich überwiegend Begleitung der Läufer. Die Seeumrundung ist schnell geschafft. Schließlich ist man noch am Beginn eines langen Laufes und noch voller Energie. Es geht ins Gelände hinaus in Richtung der Industrieanlagen des ehemaligen Phönix-Stahlwerkes. Der Weg ist gut zu belaufen. Es geht ins Grüne, von „Industrie“ zunächst noch keine Spur. Das Gelände ist hügelig und für „Flachländer“ durchaus anspruchsvoll. Es ist zwar immer noch kühl, aber die Sonne und die Laufanstrengungen lassen mich ordentlich schwitzen. Ich laufe nach meinem Gefühl etwas zu schnell und sogar schneller als vor einem Monat in Bochum. Ich bin sicher, dass ich dafür später noch bezahlen muss. Doch wenn man erstmal läuft und seinen Rhythmus gefunden hat, dann ist kaum noch möglich etwas zu korrigieren.

Industriekultur“ kommt in Sicht. Relikte aus der Vergangenheit. Durchaus imposante Bauwerke aus dem Komplex des früheren Stahlwerkes. Da waren einmal tausende von Menschen beschäftigt. Heute dient es als Hintergrund für eine Laufveranstaltung.

Dann geht es Richtung Westfalenpark und nach gut sieben Kilometern kommt die erste Getränkestation. Auftanken nach schon ordentlichem Flüssigkeitsverlust. Es ist schön durch den herbstlichen Park zu laufen. Ich passiere den Florianturm. Der Westfalenpark wurde zur ersten von den drei dortigen Bundesgartenschauen (1959, 1969, 1991) auf dem Gelände einer Mülldeponie eröffnet. Er gehört zu den großen Parkanlagen in Deutschland. Mittelpunkt ist der 220 m hohe Florianturm. Von oben hat man bei guter Sicht einen schönen Ausblick, z.B. auf den Signal-Iduna-Park, besser bekannt als Westfalen-Stadion. 

Bei Kilometer 10 habe ich einen Schnitt von 6:17 Min./Km. Das sind etwa 5 Sekunden pro Kilometer schneller als zuletzt in Bochum. Ob das gut oder schlecht ist werde ich erst hinterher sagen können. Wenn ich es durchhalte ist es gut, wenn ich einbreche war es nicht so gut. Solange ich unterwegs noch Hochrechnungen anstelle ist aber noch alles in Ordnung. Nach gut 12 Kilometer kommt eine weitere Getränkestation. Ich trinke einen Becher mit einem Isogetränk und einen weiteren Becher mit Wasser. Mein ursprüngliches Tempo kann ich danach nicht mehr ganz halten, was aber nicht an den Getränken liegt. 

Es geht raus aus Westfalenpark und kurze Zeit danach in den botanischen Garten "Rombergpark". Dann geht es ein kurzes unansehnliches Stück durch ein Industriegebiet, welches zum Glück schnell passiert ist. 15 Kilometer sind geschafft. Inzwischen sind auch kleinere Anstiege anstrengend und mühsam halte ich auch hier den Laufschritt bei. Im BMW-Zentrum reichen Mitarbeiter der Firma letztmalig Getränke bereit. Für die teuren Blechkisten habe ich trotzdem keinen Blick über. Und auch die laute Live-Musik einer Band verhallt bald. Schon wieder einer kleiner Anstieg, der alle Kraft fordert.

Nach Kilometer 16 überhole ich das BVB-Trikot von Robert Lewandowski, getragen von einer Läuferin. „Komm Robert, auf geht`s“, versuche ich die junge Dame aufzumuntern. „Eigentlich müsste der (wechselwillige Spieler) zu Fuss zu den Bayern nach München gehen", kommentiere ich noch und erhalte dafür auch Zustimmung.

„Noch dreieinhalb Kilometer und es geht jetzt nur noch runter,“ gibt mir ein Ordner als Motivationshilfe mit auf dem Weg. Das mit den dreieinhalb Kilometer stimmt zumindest. Und statt der „bösen“ Anstiege ist jetzt frischer Wind aufgekommen, der zunächst von vorne kommt. Meine Beine signalisieren inzwischen Alarmstufe rot. Ich fühle mich auch sonst stocksteif und bin jetzt nur noch getragen von dem Wunsch das Ziel zu erreichen und möglichst nicht zuviel Zeit zu verlieren. 
 
Die Runde um den See am Ende des Laufes kommt mir unendlich lang vor. Es ist aber der gleiche Weg wie zu Beginn, nur anders herum. Den Läufern um mich herum geht es wohl auch nicht besser als mir. Ich motiviere mich damit den einen oder anderen „einzusammeln“. Mit dem Hochrechnen der Zielzeit klappt es jetzt aber nicht mehr wirklich. Zahlen schwirren unkkordiniert durch meinen Kopf und ergeben keinen Sinn. Endlich Kilometer 21 und die Zielgerade. Der Versuch ein halbwegs freundliches Gesicht aufzusetzen und so tun, als ob die zurückliegende Strecke ein Spaziergang gewesen sei. Erlösung im Ziel. Zum Glück dauert es nicht lange, bis die erste Erholung eintritt und Freude aufkommt, über einen abwechslungsreichen und insgesamt gelungenen Lauf. Laufen macht Spaß, manchmal allerdings erst nach dem Lauf.
 

Die offizielle Laufzeit weist mir eine Zeit von 2:14:45 Stunden zu. Ich bin mehr als zufrieden, habe ich meine Vorjahreszeit doch um etwas mehr als 15 Minuten verbessert. Und ich bin auch noch etwa 5 Minuten schneller als bei meinem Halbmarathondebüt vor bald sieben Jahren. Scheinbar habe ich der Zeit ein Schnippchen geschlagen. Doch ich weiß zugut, dass der Schein trügt. Aber immerhin zeigt das regelmäßige Laufen eine gewisse Wirkung.

Von der Strecke her gehört dieser Lauf zu den schöneren und interessanteren der fünf in diesem Jahr von mir gelaufenen Halbmarathons. Der Lauf war wegen der Anstiege sicher auch der anstrengenste. Aber wie habe ich in einer Werbebroschüre für Laufbekleidung gelesen: Wer sich steigern will braucht Anstiege."

Das war also der Abschluss meiner Laufserie durch das Ruhrgebiet.

Begonnen hat es im Februar beim Halbmarathon in Duisburg im Rahmen der Winterlaufserie. Ein schöner Landschaftslauf um eine Seenplatte, einschließlich der bekannten Rader-Regattastrecke.

Im Mai folgte der Vivawest-Halbmarathon durch Gelsenkirchen und Essen. Höhepunkte dort unter anderem das Laufen durch das Gelände der früheren Zeche Zollverein, die zum Weltkulturerbe gehört. Später dann in Gelsenkirchen konnte ich den Nordsternpark durchlaufen. Auch da hat vor Jahren mal eine Bundesgartenschau stattgefunden.  "Nordstern", es verwundert nicht, ist auch eine frühere Zeche. 

Im Juni dann der Rhein-Ruhr-Halbmarathon mit Anschauungsunterricht in Sachen Wohnsiedlungen im Ruhrgebiet. Nicht immer schön. 

Im September dann der Lauf durch Bochum auf einer 5 Kilometer langen Wendestrecke, nicht wirklich spannend. Und jetzt der Abschluss am Phönixsee.

Bei allen fünf Läufen handelt es sich um Einzelveranstaltungen. Für mich ergibt sich in der Addition allerdings auch eine Gesamtsicht des Ruhrgebietes: abwechslungsreich, grüner als man denkt, nicht überall schön aber als Ganzes durchaus  liebens- und lebenswert. Übrigens: den typischen Ruhrgebietler gibt es aus meiner Sicht heute nicht mehr. Was da manchmal hineininterpretiert wird, ist häufig klischeedurchsetzt. Von seiner Sozialstruktur ist das Ruhrgebiet ein nicht unproblematischer Schmelztiegel. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und weitere Ausführungen dazu würden den Rahmen sprengen.