Dienstag, 11. September 2012

Der Blick auf die Uhr

Morgens früh, kurz vor sechs Uhr an der Bushaltestelle. „Ob der Bus wohl pünktlich kommt?“ Je später es wird, desto häufiger blicken die wartenden Fahrgäste nervös auf die Uhr. Ein paar besonders unruhige Geister stellen sich gar an den Straßenrand und halten Ausschau. Mich amüsieren diese Aktivitäten. Sie werden die Ankunft des Busses jedenfalls nicht beschleunigen. Verspätungen sind ärgerlich, besonders am frühen Morgen. Doch unser Ärger wird daran nichts ändern.

Allerdings müsste ich lügen, wenn ich nicht doch auch in gewisser Weise zumindest gelegentlich ein Sklave der Zeit und noch schlimmer der Uhr bin. Heute nach der Arbeit brauche ich dringend einen Lauf. Der Druck im Kessel braucht ein Ventil. Abschalten, umschalten durchatmen und durchpusten. Laufen hilft immer. Es ist tolles Laufwetter. Das Thermometer hat einen gewaltigen Satz nach unten gemacht. Fast 10 Grad kühler ist es gegenüber den Vortagen. Dicke Wolken am Himmel verheißen zusätzlich weitere feuchte Abkühlung. Die ersten dicken Tropfen klatschen mir schon ins Gesicht. Meine Laufuhr habe ich auch angeworfen. Als erstes sucht die immer den Satelliten. Heute aber nicht Statt dessen der erklärende Hinweis „schwache Batterie“. Man könnte auch sagen schlechte Organisation. Habe da wohl was übersehen. Jetzt nochmal nach oben und die alte Stoppuhr zum Einsatz bringen? Dazu habe ich keine Lust. Dumm gelaufen eben. Zunächst läuft ja wenigstens die Stoppuhr. Alle anderen Funktionen reagieren nicht. Na ja, die Länge der heutigen Strecke kenne ich. Und habe ich die Laufdauer, dann lässt sich sogar die Geschwindigkeit errechnen. Alles für die insgesamt doch eher profane Statistik. Es kommt aber wie es kommen muss. Die Batterie gibt den Geist völlig auf. Ich laufe und werde nicht wissen, wie lange ich unterwegs bin. Welch ein Läuferdrama. Mir ist`s egal. Jedenfalls versuche ich mir das einzureden. Ich weiß doch wie lang die Strecke ist und werde dann einfach meine „Durchschnittszeit“ eingeben. Frei nach dem Motto: „Glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.“

Ich konzentriere mich zwischendurch mal kurz auf`s Laufen. Der Regen hält auch nicht das, was er versprochen hat. Hin und wieder mal ein kurzer Schauer, doch dann verschließen sich die Himmelsschleusen wieder für einige Zeit. Da der Boden noch warm ist herrscht Waschküchenklima. Schweiß tropft aus allen Poren. Ein Eichhörnchen flüchtet auf einen Baum um sofort die mir abgewandte Seite aufzusuchen. Spatzen baden in Pfützen, als hätte sie auf eine solche Gelegenheit schon ewig gewartet.

An Hand meines Atems versuche ich mein Tempo abzuschätzen. Doch wer kann das schon? Doch welche Bedeutung haben ein paar Sekunden mehr oder weniger eigentlich? Was ist das für eine Bewertung „etwas langsamer“ oder „etwas schneller“. Bei dem Gedanken senkt sich mein Blick unwillkürlich auf meine Uhr, die mich aber nur anschweigt. Ich denke an heute Morgen, an das Warten an der Haltestelle.

Ich kenne die Strecke, die ich häufig laufe. An sich kenne ich hier jeden Meter. Aber jeder Lauf ist trotzdem anders. Der heutige sowieso. Gleich sind es nur noch zwei Kilometer. Der Dampf ist jetzt auch aus dem Kessel. Ich fühle mich leichter und beschwingter als vor dem Lauf. Wo ist bloß die Zeit geblieben. Auch ohne laufende Uhr ist sie zerronnen.

Heute genau vor einem Jahr bin ich meinen bis dato letzten Marathon in Münster gelaufen. Das hätte ich vor einem Jahr auch nicht gedacht. Aber das letzte Wort ist ja noch nicht gesprochen.


Sonntag, 9. September 2012

Mit Sonnenenergie und Hingabe


Lange laufen; solange wie noch nie in diesem Jahr. Ich habe es mir vorgenommen. Doch ob es auch klappt?

Ich stapfe hinaus in die Dunkelheit. Der abnehmende Mond und die Venus schimmern durch die sonst vorhandene dichtere Bewölkung. Im Osten zeigt sich ein erster rötlicher Schimmer in den Wolken. Die Farbintensität nimmt in der nächsten halben Stunde dramatisch zu. Ich laufe und schaue dabei wie gebannt zum am Himmel. Rotes, orangenes und gelbes Licht breiten sich aus wie eine Feuersbrunst,. Ich habe eine gute Laufrichtung gewählt. Es geht die ersten 8 Kilometer überwiegend nach Osten. Jetzt habe ich das neue Kohlekraftwerk in Datteln im Blick. Es kann nicht ans Netz gehen. Wehrhafte Bürger haben geklagt. Wenn ich es richtig verfolgt habe wurden im Planfeststellungsverfahren Fehler gemacht. Der Bau hätte womöglich gar nicht genehmigt werden dürfen. Der Betreiber hat schon mehrfach böse Schlappen beim OVG kassiert. Mich tangiert das nicht. Ich will heute Morgen nur Laufen; mache jetzt aber einen kurzen Fotostop- mit unzulänglichen Ergebnissen, die meine Wahrnehmungen nicht ansatzweise wieder zugeben in der Lage sind. Der Morgen bricht endgültig an. Die Wolkendecke wird kompakter und das "Feuer" am Himmel verschwindet wieder.

Inzwischen habe ich die Felder außerhalb meines Stadtteils und sodann das kleine Naturschutgebiet "Becklemer Tal" verlassen. Es geht ein kleines Stück auf dem Radweg Richtung Datteln. Nach 8 Kilometern erreiche ich eine Brücke über den Rhein-Herne-Kanal. Über eine steile Steinbrücke gelange ich auf diese und wechsel so die Kanalseite. Bald schon wieder muss ich den Kanal verlassen; es gibt eine Brückenbaustelle und eine ausgewiesene Umleitung, die durch eine kleine Siedlung führt. In Castrop-Rauxel wechsel ich auf den Emscherweg in Richtung Recklinghausen.

Ich habe heute nur eine sehr difuse Vorstellung über die zu laufende Strecke. Nur dass es viele Kilometer werden sollen ist mir klar. Mit 27 Kilometer hätte ich mein "Soll" für heute erreicht. Nach 13,5 Km einfach umdrehen und wieder zurücklaufen? Dazu habe ich aber keine Lust. Noch ist es auch nicht soweit, da ich soviele Kilometer auch noch nicht zurückgelegt habe.

Ich trage eine o,5-Literflasche Wasser mit mir. Wozu eigentlich? Nach 11 Km endlich zwinge ich mich wenigstens etwas zu trinken. Als ich gestartet bin waren es gerade 8 Grad. Inzwischen ist die Sonne zwar längst aufgegangen; doch sie bleibt bisher überwiegend unsichtbar. Das Schwitzen und der Durst halten sich in Grenzen.

Ein paar Kilometer entlang der Emscher, bis eine Brücke und ein kurzer Weg wieder zum Rhein-Herne-Kanal führen. Emscher und Kanal laufen sozusagen nebeneinander her. Über den Kanal l gibt es zeitweilig etwas Nebel. Ein schönes Bild, ich halte für ein Foto an. Etwas später entdecke ich am Himmel eine kleine Schar Wildgänse in Formation. Zu meiner rechten Seite öffnet sich das Naturschutgebiet "Pöppinghäuser Wald". Ein kleines Sumpfgebiet gehört mit dazu.

Ruhig ist es. Fast könnte ich den Eindruck bekommen ich wäre allein unterwegs.

Zwei Gänse versperren mir den Weg. Es sind stattliche und schöne Tiere. Als ich näher komme machen sie "Platz". Danke schön!

Zwei Stunden bin ich unterwegs. Ich kalkuliere meinen Weg und die noch zu laufenden Kilometer. Ich werde noche eine Schleife laufen und dann entlang der Emscher zurück durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet "Brandheide". Da ich die "Ecke" aus vielen Läufen kenne, kann ich die Entfernungen einigermaßen gut einschätzen.

Inzwischen habe ich gut 20 Kilometer in den Schuhen. Ich bin noch erstaunlich gut dabei. Es läuft einfach und ich habe mein zunächst verhaltenes Tempo ein klein wenig angezogen. So langsam komme ich in eine Art "Lauftunnel". Die Gedanken degenerieren zu Fetzen. Im Vordergrund steht das Laufen. Nicht denken, nur laufen, laufen, laufen. Immer weiter und weiter. Schritt um Schritt. Kilometer um Kilometer. An einer Lager- oder Fabrikhalle ist ein großes rotes Schild angebracht: "Hingabe." Ich beziehe es jetzt auf mich, denn so laufe ich in diesem Augenblick.

Nach etwa 24 zurückgelegten Kilometern kommt mir eine fünfköpfige Laufgruppe entgegen. Wenn ich sie nicht sehen würde, dann würde ich sie jedenfalls hören. Sie scheinen viel Spaß zu haben und führen eine angeregte und nicht ganz leise Unterhaltung. Auch ich habe jetzt viel Spaß; denn ich weiß, dass ich heute mein "Laufziel" erreichen werde. Auch wenn ich die kürzeste aller möglichen Strecken wähle, werde ich mindestens 27 Km absoviert haben.

Und so versinke ich gleich wieder in meinen Lauf. Problemlos, wenn auch mit schwerer werdenden Beinen geht es auf bekannten Wegen heimwärts. Als ich schließlich meinen Ausgangspunkt erreiche, stehen 27,8 Km auf meinem "Tagestacho". Mit dem letzten Rest an Ehrgeiz laufe ich die fehlenden 200 m auch noch, ob es Sinn macht oder nicht ist egal. Auf dem letzten Metern werde ich noch von einem zum Glück angeleinten Hund angekläfft. Die Wirklichkeit hat mich wieder.

28 Km, 3 Km mehr als bei meinem bisher längsten Lauf in diesem Jahr. 3 Km ist ja fast nichts, es sei denn der Anlauf beträgt 25 Km. Wieder einmal war der Weg das Ziel.

Der beschriebene Lauf hat schon vor einer Woche, am 2. September also statt gefunden. So verrinnt die Zeit. Heute waren es ruhige, fast schon erholsame 16 Km. Es hatte sich in der Woche schon angedeutet, dass es nicht soviel wie vor einer Woche sein würde.. Zuviel Unruhe, zuviel Hetze. Doch ich bin trotzdem zufrieden. Nur gar nicht gelaufen zu sein wäre nicht gut gewesen. 

Freitag, 31. August 2012

Vorfreude auf den Herbst

Ein kühler kräftiger Wind empfängt mich draußen, verstärkt durch ein paar Regentropfen. Gänsehaut am letzten Tag im August. Nach dem Loslaufen verschwindet die Gänsehaut rasch wieder. Aber ist das nicht ein herrliches Laufwetter? Angenehme 14 Grad. Dunkle Wolken ziehen rasch am Himmel. Sommer, war da nicht mal was? Fast schon vergessen sind die heißen Tage, mit bis zu 38 Grad. Denen freilich bin ich aus dem Weg gelaufen. Habe dann den Tagesablauf anders gestaltet. Doch wenn Morgens um 5 Uhr die Luft steht und das Thermometer auf 24 Grad "gesunken" ist, dann ist das alles andere als schön. Das war zum Glück nur eine extreme Ausnahme. Vergangenheit ist es und wird auch nicht vermisst. Wieder ein Monat vorbei. Wir können es nicht ändern. Wäre auch nicht förderlich für meine Lauferei, wenn der August ewig dauern würde. 16 Läufe vermeldet meine Monats-Laufstatistik, genau wie im Juli, doch nur 170 statt 220 Km. Allerdings hatte ich im Juli auch 14 Tage Urlaub. Beim längsten Lauf im August kamen 24 Km zusammen. Zuwenig und weniger als geplant. Marathon ade? Ich nehme es im Moment ziemlich gelassen und baue auf kleine Fortschritte. Es ist eh nicht zu ändern. September, Oktober und November sind meine Lieblingslaufmonate. Der kühleren Temperaturen wegen aber auch die Freude an den Herbstfarben. Vielleicht gibt es im Dezember noch irgendwo einen Marathon? Jetzt freue ich mich auf das arbeitsfreie Wochenende und auf einen langen Lauf am Sonntag.

Dienstag, 31. Juli 2012

Kein Monatsrückblick


In den vergangenen Monaten habe ich es einfach nicht geschafft etwas halbwegs Erträgliches zu Papier zu bringen. In dem Augenblick, in dem ich einen Bericht in Vorbereitung hatte, hatte sich meine Stimmungslage gegenüber dem, was zu berichten war, schon wieder geändert. Es war dann schon wieder Makulatur. Ich könnte auch von einer Achterbahnfahrt sprechen. Es ging auf und ab. Meistens aber gefühlt abwärts. Inzwischen habe ich aber eine Vorstellung davon, warum ab der Altersklasse "60" die Teilnehmerzahl bei Laufveranstaltungen rapide abnimmt. Der Zahn der Zeit macht sich halt bemerkbar. Eine verschwindent kleine Minderheit von älteren Läufern mal ausgenommen, die immer noch zu erstaunlichen Leistungen in der Lage sind. Bei den meisten geht es aber abwärts. Viele hören deshalb wohl auf, weil es im wahrsten Sinne des Wortes einfach nicht mehr richtig läuft.

Ich hätte in den vergangenen Monaten von einigen Veranstaltungen berichten können. Im April und Mai bin ich jeweils einen Halbmarathon gelaufen. Im Juni noch bei einer 10 Km-Veranstaltung. Ich hätte über zwei Dreistunden-Läufe in den letzten Wochen berichten können und darüber, dass ich auch im Training langsamer geworden bin.

Berichtenswert wären vielleicht auch meine langen Läufe entlang der Emscher und am Rhein-Herne-Kanal gewesen. Laufen an der Emscher, der größten Kloake des Ruhrgebiets? Genau!
Und ich hätte dann erzählen können, dass da einiges im Wandel ist, weil die Emscher in einem langjährigem Projekt renaturiert wird. Es gibt einen gut ausgebauten Weg an der Emscher, die von Radfahrern und Fußgängern und auch von Läufern genutzt wird. Ich habe auch nicht feststellen können, dasss von der Emscher derzeit eine Geruchsbelästigung ausgeht, wie in der Vergangenheit. Das mag aber auch mit den kühlen Temperaturen und dem vielen Regen im Juli zu tun haben. Ach ja, der Sommer ist ja fast schon vorbei, wenn man auch den August nicht unterschätzen soll. Aber die Tage sind doch schon merklich kürzer geworden. Der Juli ist mit uns Läufern sehr moderat umgegangen. Die wenigen warmen Tage waren ja nicht wirklich ein Problem. Am letzten Freitag hatte ich bei einem zweistündigen Lauf immerhin 27 Grad zu verarbeiten. Das ist bisher mein diesjähriger Spitzenwert. Übrigens ist bei diesem Lauf wieder einmal meine Trinkflasche auf dubioser Weise aus dem Feld verschwunden. Als ich zum zweiten Mal an dem besagten Punkt vorbei kam, war die Flasche einfach weg. Da mir das im letzten Jahr auch schon mal passiert ist, war dieses Mal auch nicht besonders geschockt. Ich musste sogar kurz auflachen. Es war allerdings eine trockene Angelegeheit auf den letzten Kilometern. Ich bin aber dann noch durch eine sehr schöne Begegnung mit einem Reh entschädigt worden und das zur Mittagszeit in einem Möhrenfeld. Es war wohl gerade auf der "Durchreise" und verabschiedete sich mit eleganten Sprüngen.

In diesem Monat habe ich meine Laufkilometer mal wieder etwas steigern können. Erstmal komme ich in diesem Jahr über 200 Monatskilometer, nämlich auf genau 221 Km mit 16 Läufen. Der Jahrestacho liegt jetzt über 1.200 Km, das sind 570 Km weniger als im letzten Jahr. Mir ist`s aber egal. Es geht ja wieder aufwärts. Das ist ja bei jeder Achterbahnfahrt so, wenn man ganz unten angekommen ist. Ich habe weiterhin riesig viel Spaß am Laufen und das ist doch die Hauptsache. Marathon im Herbst? Mehr als 5 Euro würde ich nicht darauf setzen. Allerdings bin ich auch ziemlich hartnäckig. Sollte es nicht klappen, so war halt der Weg das Ziel.

Wie heißt es so schön:
Ein Ziel ist nicht immer zum Erreichen da,
oft dient es nur zum richtigen Zielen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Morgenstund


Der sintflutartige Regen vom Vortag hat sich verzogen. Die Luft ist reingewaschen. Vor der Tür begrüßt mich eine frische Brise. Gleich wird die Sonne aufgehen und ich habe Zeit. Zeit die allein mir gehört. Jedenfalls für die nächsten zwei Stunden. Allein das wirkt schon beruhigend.

Nach ein paar Schritten höre ich einen Fasan. Ich bekomme ihn nicht zu sehen. Dafür aber eine junge schwarzweiß getupfte Katze, die herumstreicht. Es geht über den Bach, der jetzt gegenüber gestern fast wieder auf Normalmaß geschrumpft ist. Dann vor mir drei kräftige Krähen auf dem Weg: als ob sie Kriegsrat halten. Aber sie müssen dann doch weichen. Jetzt muss ich kurz noch  durch die Siedlung, dann über die A2-Überquerung und dann bin ich im Wald. Nachdem mich vorher die tief stehende Sonne geblendet hat, genieße ich jetzt den augenschonenden Schatten. Die Vögel geben ein Konzert. Es gibt jetzt keine störenden Nebengeräusche. Tut das gut!

Rehe gibt es heute in der Brandheide nicht zu sehen. Die Uhrzeit wäre eigentlich richtig. Dann komme ich auf`s offene Feld. Eine große Anzahl Krähen halten hier ihr Frühstück ab.

Jetzt überquere ich eine Straße und es geht in das kleine Naturschutz "Becklemer Tal". Zunächst sagt mir ein Hase kurz guten Morgen. Na ja, eigentlich eher unfreiwillig. Er kommt aus einem schmalen Pfad auf den Hauptweg, erblickt mich und macht auch gleich wieder kehrt. Auch Hasenbegegnungen gibt es hier nur wenige. Im letzten Jahr war es etwas mehr. Aber 2012 ist wohl kein gutes Jahr für die Hasen.

Inzwischen sind nicht nur die Hasen unterwegs. Erst kommt mir eine Läuferin mit angeleintem Hund entgegen. Dann ein Radfahrer mit Hund und später noch ein Läufer ohne Hund und ohne Rad.

Der kleine Wald ist leider schnell durchlaufen. Es geht jetzt durch die Felder. Ich bin da etwas zwie gespalten. Auch Landwirtschaft ist ein Eingriff in die Natur. Aber immerhin hier wächst was. Scharen von Krähen und Tauben haben ihren Spaß daran.

Mein Lauf geht nach 1 1/2 Stunden langsam zu Ende. Noch kurz durch die Siedlung. Wieder begegne ich einem Kätzchen,dieses mal  mit einem ganz schwarzen Fell. Dann hat mich die Wirklichkeit wieder.

"Morgenstund` hat Gold im Mund." Das Sprichwort hat durchaus seine Berechtigung.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Wie eine alte Dampflok


Gestern habe Abend habe ich gepasst. Mir war nicht nach Laufen. Der Tag war zu lang und zu anstrengend gewesen. Und dann ist es ja auch noch deutlich wärmer geworden. Ich mag den Sommer, wenn ich nicht arbeiten muss und nicht gerade laufen möchte. Das sind zugegebener Maßen doch nicht ganz unerhebliche Einschränkungen. Doch was wären Frühling undHerbst ohne Sommer und Winter?

Es hat mir nicht gefallen, dass ich gestern nicht Laufen war. Während meines Täglichlaufens hat es solche Einschnitte nicht gegeben. Es fällt mir offensichtlich schwerer mich nach ein oder zwei Tagen mit einer Laufpause neu aufzuraffen.

Doch heute sollte es keine Entschuldigung geben. Als ich zu Hause war habe ich als erstes meine Laufsachen zusammen gelegt, die Beine kalt abgeduscht und zehn Minuten hoch gelegt und dann, nach dieser extremen Erholungsphase ging es raus. Ach ja, einen nassen Waschlappen hatte ich heute auch noch zusätzlich dabei. Dafür habe ich meinen Pulsgurt vergessen. Als ich es vor der Tür bemerkte, hatte ich keine Lust nochmals ins Haus zu gehen.

26 Grad sind doch gar nicht so warm für Juli. Stimmt, wenn man nicht gerade laufen will. Warmlaufen musste heute trotzdem sein. Denn heute stand, passend zum Wetter, ein Intervalltraining an: 5 mal 1.000 m. Nachdem ich nach 3 Klometern meinte, dass ich nun warm genug wäre, konnte es los gehen. Das erste Intervall in 10 Km-Tempo ging so leidlich. Etwas verschnaufen, umdrehen und wieder zurück. Ging schon nicht mehr ganz so gut. Ein paar Spaziergänger waren auch unterweg. Weniger als sonst. War ja noch zu warm. Die werden sich ihr Teil gedacht haben, als ich sie überholte und dann wenig später wieder entgegen kam. Doch für mich war das ja erst der Anfang. Insgesamt fünfmal ging es über diesen besagten Kilometer. Beim letzten Mal waren die Beine schon ordentlich schwer. Und ich schnaufte, wie eine alte Dampflok. Und dann fast fertig. Wie nennt man das in feinen Läuferkreisen so schön: cool down. Gar nicht so einfach bei denTemperaturen.

Spaß gemacht hat es übrigens auch. Und ein gutes Gefühl nach der Dusche.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Das Klimahaus Bremerhaven




Als ich heute Morgen gegen 7.00 Uhr in der Früh meinen einstündigen Lauf starte ist es im Schatten kühle 5 Grad. Der Himmel ist blau und die Luft ist klar. Dir Sonne straht vom Morgenhimmel herab und schickt mir ein paar wärmende Strahlen, die ich dankbar registriere. Der Wind hält sich zurück und bereitet mir heute keine Probleme. Was für ein Gegensatz zu dem gestrigen Tag, als mich in Bremerhaven heftiger Sturm durchrüttelte und schwere Wolken am Himmel sich wie eine Drohung auftürmten. Heute ist es hingegen ruhig und friedlich. Ich laufe durch die Felder, die sich in der Vielfalt nach der Auswahl der Bauern vor mir ausbreiten. Auch in dieser Woche wieder haben sich die Pflanzen deutlich weiter entwickelt. Zum Glück gibt es nicht nur "geordnete" Landwirtschaft, es gibt auch ein paar wilde Wiesen mit unzähliger Vielfalt an Gräsern und Blumen. Und natürlich, auch die Bäume "schlagen aus", wie es sich für den Mai gehört.

Der gestrige Tag geht mir nicht aus dem Kopf. Ich war im Klimahaus in Bremerhaven, habe einen Betriebsausflug genutzt und mich für ein paar Stunden abgesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Darstellungen im Klimahaus ist eine Reise um die Welt von und nach Bremerhaven. Es geht immer entlang des Längengrads 8° Ost 34. Anhand von Ortschaften auf diesem Längengrad werden die Lebensbedingungen der dort wohnenden Menschen beispielhaft dargestellt. Es beginnt in der Schweiz, setzt sich auf Sardinien fort, geht über Niger, Kamerun, König-Maud-Land (Antarktis),Samoa, Alaska, der Hallig Langeneß zurück nach Bremerhaven.In dieser gerafften Form werden die Klimaunterschiede greifbar. Der Reisende verspürt als erstes die Temperaturunterschiede und taucht dann in die Lebensweise der Einheimischen ein. Wer möchte im Sommer dauerhaft auf Sardinien wohnen, bei Temperaturen von 40 Grad. Und das ist ja erst der Anfang der Reise. Wenn man sich dann ein paar Schritte in die Sahara wagt, dann wird einem klar, welche privilegierte Lebensbedingungen wir in Mitteleuropa vorfinden. Später geht es durch das Eis der Antarktis. Man wird daran erinnert, wie sich das Eis in den letzten dreißig Jahren zurückgezogen hat. Spätestens da werden einem auf dieser Weltreise die Zusammenhänge deutlich.

Daran denke ich, als ich heute Morgen laufend unterwegs bin. Ich werde hinterher duschen müssen. Die Folge meiner sportlichen Aktivitäten bringt es mit sich, dass ich mir diesen nicht selbstverständlichen Luxus leisten werde. Da ist es keine ausreichende Erklärung, dass ich in der Sahara und auf Samoa diesen Sport so nicht betreiben werde. Ich habe mir im Klimahaus meine persönlichen CO2-Emissionen errechnen lassen. Danach produziere ich im Jahr 7,5 t CO2. Das ist zwar unter dem Schnitt der Bundesbürger. Ich verichte seit 1 1/2 Jahren aufs Auto. Als umweltverträglich wird allerdings erst ein jährlicher CO2-Ausstoss vom 2,5 t angesehen.

Wie man das Ganze auch immer betrachtet - und es werden ja unterschiedlichste Einschätzungen zu dem Thema vertreten - wir sitzen tatsächlich auf dieser Erde in einem gemeinsamen Klimahaus. Und wir haben verdammt viel zu tun, wenn man in diesem Haus auch in zukünftigen Generationen leben können soll. Ich will an dieser Stelle nicht in Resignation verfallen, auch wenn fast alle Umstände für eine solche Einschätzung sprechen. Es ist jedenfalls Zeit etwas zu tun.