Dienstag, 28. Oktober 2008

Herbstlauf

















Der Waldboden wird von einem braun leuchtenden Blätterteppich gesäumt. Das verbleibende Blätterdach auf den Bäumen schimmert in bunten Farben. Die Luft ist klar und frisch und noch nicht zu kühl. Die tief stehende Sonne blinzelt zwischen den Bäumen hindurch. Kaum noch Leute unterwegs. Doch, da kommt „unser“ Sicherheitsingenieur mit einer sehr rothaarigen Begleitung und Hund. Die „Rothaarige“ ist kein Geheimnis. Und da ich alleine durch den Wald rausche, gibt es kein „Sicherheitsproblem“. Ich setze diesen wunderschönen Lauf durch die Herbstlandschaft fort, als könnte ich nicht genug kriegen. Auch der kurze heftige Anstieg zum Feuerwachturm (47 Höhenmeter auf einer Strecke von 700 m) macht mir heute nichts. Macht Laufen glücklich? Gelegentlich macht es jedenfalls tierisch viel Spaß.

Die Bilder entstammen einem Spaziergang auf dieser Strecke, bei nicht ganz so gutem Wetter..

Dienstag, 14. Oktober 2008

42,195 Kilometer um den See, der für einen Marathon eigentlich zu klein ist




Als ich mich in letzter Minute in die Schar der Marathonis einreihe, kann ich eigentlich froh sein. Doch über das, was sich in den 14 Tagen davor alles an Zweifel angesammelt hatte, mache ich mir keine Gedanken mehr. Jetzt gilt die Konzentration einfach nur noch dem was kommt: dass es gleich losgeht, dass ich das richtige Tempo finde und wie es mir wohl ergehen wird. Dabei müsste ich wirklich froh sein, dass ich überhaupt am Start bin.

Vor gut 14 Tagen galt es noch den langen Lauf durchzuführen: 32 Km. Der Lauf auf den Freitag vorgezogen, denn am Sonntag gab’s noch mal Fußball in Dortmund von der Südtribüne. Der Lauf war ok. Herrliches Herbstwetter. Natürlich trotzdem anstrengend, bei einer Laufzeit von etwa 3:38 Stunden. Hinterher gab es ein Problem. Die Füße taten ungewöhnlich weh. Am rechten Mittelzeh gab es einen Bluterguss unter dem Nagel. So was gibt es beim Laufen. Der Schuh hatte wohl nicht optimal gesessen. Vielleicht etwas zu locker. Den dunklen Nagel habe ich heute noch. Aber ein Problem war das eigentlich zu keiner Zeit. Eine Woche vor dem Marathonstart nochmals 19 Km. Regen und starker Wind. Nach 2 Stunden hatte ich das Gefühl, dass die Beine nicht zu mir gehören. Fühlten sich an wie Fremdkörper. Die Angst mich zu erkälten war groß. Aber es schien wohl gut gegangen zu sein. Doch 3 Tage später dann Halsschmerzen, Hustenreiz und ein schlappes Gefühl. Ob es die Auswirkungen des Regenlaufes war weiß ich nicht. Diese leichten Anzeichen einer Erkältung sind normalerweise auch kein Problem. Es sei denn man will gerade einen Marathon laufen. Am Mittwoch war die Sache für mich gegessen. „Das war’s“, dachte ich mir. Keine Hoffnung mehr. Da war es auch kein Trost, dass ich noch nicht angemeldet war, das Startgeld noch nicht investiert hatte. Aber 3 Monate hatte ich richtig hart trainiert. Trainingseinheiten durchgezogen, Kilometer abgespult, alles gnadenlos diszipliniert durchgehalten. Was zählt da schon ein eingespartes Startgeld.

Doch ich hatte Glück. Die Erkältung kündigte sich drohend an. Aber bereits ein Tag später war deutliche Besserung spürbar. Stunde um Stunde wurde es besser. Auch meine Stimmung stieg wieder an. Und am Freitag war klar: Morgen fahre ich noch Essen. Da mache ich es fest. Dann die letzte halbe Stunde im Büro, am frühen Freitagnachmittag. Es wird Zeit zum Ende zu kommen. Da noch ein Anruf. Den schaffe ich auch noch. Jetzt die Sachen packen und ... Ich stoße mit dem linken Oberschenkel heftig an die Kante meines Schreibtisches. Auweia, dass war heftig. Erst die Schmerzen, dann der Schock und die Panik sich möglicherweise verletzt zu haben. Aber nach einem Augenblick geht es schon wieder. Ich fahre direkt von der Arbeit in den Wald, um wie geplant eine letzte leichte Trainingseinheit durchzuführen. Die vorherige Karambolage mit dem Schreibtisch macht zunächst keine großen Probleme. Ich spüre zwar „etwas“. Aber es geht. Als ich zuhause zur Ruhe komme setzten im Oberschenkel wieder die Schmerzen ein. Nicht unerträglich, aber auch so, dass ich sie nicht ignorieren kann. Schnell eine Sportsalbe aufgetragen und die Hoffnung, dass die Nachtruhe es richten wird. Doch die Schmerzen sind latend vorhanden. Manchmal ziehen sie sich merkwürdigerweise bis ins Knie.

Samstagmorgen nach dem Aufstehen erste Beruhigung. Kaum Schmerzen. Ein ganz klein wenig. Doch ob damit ein Marathon zu machen ist?

Mittags jedenfalls fahre ich mit dem Nahverkehr nach Essen. Die Lehre daraus: Am Sonntag fahre ich mit dem Auto. Die Nachmeldung geht problemlos. Am See ist großer Rummel. Weniger durch die 700 Walker, die sich auf eine kleine Runde um den See auf den Weg gemacht haben. Vielmehr hat das herrliche Herbstwetter tausende von Ausflüglern angezogen. Wie soll da eine Laufveranstaltung reibungslos funktionieren? Meine Hoffnung: es ist die 46 Marathonveranstltung um den Baldeneysee. Die werden wissen was sie tun.

Jetzt stehe ich also am Start. Es geht mir gut. Keine Erkältung. Keine Probleme mit dem Oberschenkel. Es kann losgehen. Einige Meter vor mir 2 Zugläufer für die Zielzeit 4:45 Stunden. Das ist meine Zielvorstellung. Darauf hin habe ich trainiert. Für mich überraschend: für den Zeitbereich war nichts angekündigt. Egal. Das ist doch eine Chance sich da einzuklinken. In der Gruppe mitlaufen. Mal sehen wie das geht.

Wir zählen obligatorisch gemeinsam die letzten 10 Sekunden runter und es kann losgehen. 2.200 Läufer waren über die Zeitung angekündigt. 1.900 machten sich immerhin jetzt auf dem Weg. Ich achte erstmal darauf gut wegzukommen. Es geht auch alles recht flüssig. Die Straße im Startbereich ist breit genug und lässt Platz. Den ersten Kilometer laufe ich in 6:45 Minuten. Eine Punktlandung. Ich bin automatisch bei den 4:45 Stunden-Läufern angekommen. Halte mich am Ende dieser kleinen überschaubaren Gruppe mit den beiden Zugläufern, die Luftballons, die an den T-Shirts befestigt sind, hinter sich herziehen. Ich laufe ein, zwei Schritte hinterher. Etwas Abstand, damit ich niemanden in die Hacken laufe. Ich bin es gewohnt alleine unterwegs zu sein. Das Laufen in der Gruppe hat einen großen Vorteil. Die Zeit vergeht im Fluge. Ich wundere mich wie schnell die ersten Kilometer vorbei sind. Das Tempo macht mir keinerlei Schwierigkeiten. Und ich muss nicht einmal darauf achten. Die Laufen tatsächlich wie ein Uhrwerk, so um die 6:42 – 6:43 Min./Km. Ich schaue natürlich trotzdem auf die Uhr. Das ist Gewohnheit. Das ist auch vernünftig. Schließlich muss ich wissen worauf ich mich einlasse.

„Rund um den Baldeneysee“ ist ein Landschaftslauf. Es geht zweimal um den See und innerhalb der ersten Runde gibt es noch eine Zusatzschleife, damit die 42 Km auch zusammenkommen. Es ist ein Landschaftslauf. Und ich hatte mir vorgenommen das zu genießen. Doch eher beiläufig nehme ich die Umgebung war. Nun gut, zunächst geht es ein ganzes Stück über die Straße. Es ist noch etwas dunstig. Nachdem ich einmal angefangen habe zu laufen, wird mir relativ schnell warm. Zwei Läufer in der Gruppe tragen vollständige lange Laufbekleidung. Ich würde eingehen. Es gibt Gespräche in der Gruppe. Ich halte mich da raus. Vielleicht ist es der Respekt vor dem was noch an Kilometern ansteht. Ich spare mir die Luft. Ich weiß, dass wir hier kein Spaziergang.

Der Lauftrott in der Gruppe. Jäh wird er unterbrochen. Da dreht ein Läufer kurz vor mir um und setzt sich in Gegenrichtung in Bewegung. Mühsam verkneife ich mir das Fluchen. Der hat wohl was verloren. Gerade noch mal gut gegangen. Keine 5 Minuten später. Die Schweißperlen stehen auf der Stirn. Ich wische sie mir mit der linken Hand weg, gerate an meine Brille und reiße sie dabei runter. Sie fällt zu Boden. Jetzt muss ich abrupt abstoppen. Hinter mir eine Läuferin hat Probleme mir auszuweichen. Ich greife meine Brille. Gerade noch mal gut gegangen. Ich verkneife mir so gerade noch das Fluchen, dieses Mal ist die eigene Ungeschicklichkeit die Ursache für meinen Unmut. Wenn es noch eine Steigerung von schweigsam gibt, dann erreiche ich diese Stufe jetzt. Doch bald ist der Vorfall verdrängt.

Es ist kein Stadtlauf wie der Karstadt-Marathon oder Berlin. Aber es gibt Trommler an der Straße und ein paar Zuschauer, die verhalten klatschen. Wer den Rummel braucht, hat sich hier den falschen Lauf ausgesucht. Aber die Landschaft ist schön. Der See, der Wald. Ich liebe es im Herbst zu laufen. Es gibt sogar Anfeuerungsrufe von einem Ruderboot in Ufernähe.

Ich könnte was zum Tempo schreiben. Aber was soll ich schreiben. Die beiden Zugläufer machen einen einwandfreien Job. Ich schaue auf die Uhr und sehe einfach nur, dass es stimmt. Vielleicht kommt es daher, dass ich mir praktisch kaum eine Zwischenzeit merken konnte? Ich hatte mir einige anzustrebende Zwischenzeiten auf die linke Innenhand geschrieben. Wir lagen immer knapp unterhalb meiner Marschroute.

Schließlich erreichen wir das Teilstück, dass zu dem Wendepunkt bei Kilometer 15 führen sollte. Das bietet Abwechslung, weil vor uns liegende Läufer entgegen kommen. Ansonsten ist dieses Stück das unattraktivste Teilstück überhaupt. Eine abgesperrte Fahrbahn steht uns Läufern zur Verfügung. Endlich wird der Wendepunkt erreicht. Die Zwischenzeit bei 15 Km: 1:40:10 Stunden. Jetzt in die andere Richtung zurück; einige Läufer kommen uns entgegen. Nicht wirklich viele. Ich hatte das auch nicht anders erwartet, hatte mir die Ergebnisliste aus dem Vorjahr angesehen. Die Zahl der „Nachzügler“ hält sich bei dieser Veranstaltung eher in Grenzen.

Bei der Verpflegungsstation etwa bei Kilometer 17 nehme ich den ersten powergel. An der Station zuvor hatte ich bereits ein Stück Banane gegessen. Ich schwitze ordentlich aus und will deshalb rechtzeitig Kohlenhydrate auftanken. Halbmarathon: 2:21:40 Stunden. 50 Sekunden schneller als meine Marschtabelle, die ich jetzt allerdings auch nicht mehr ablesen kann. Der Schweiß, den ich mir hin und wieder von der Stirn wische, hat die Schrift bereits ausgelöscht.

Es geht mir gut und ich mache mir gleichwohl Gedanken, wie es weiter gehen sollte. Das Tempo ist gut. Trotzdem habe ich Bedenken, ob es für mich die richtige Renntaktik ist, ob es einfach so weiter gehen kann. Meine Befürchtung: nach 35 Km werde ich so oder so nachlassen. Beim Karstadt-Marathon im Mai war ich damit erfolgreich, dass ich die zweite Hälfte bis 35 Km das Tempo leicht anzog. Damit konnte ich die Zeit, die in Essen aufgrund der Schlussanstiege und des Kräfteverschleißes verloren gingen, schon vorher gutmachen.

Etwa nach 23 Km habe ich 2 Läuferinnen ganz dicht vor mir. Irgendwie passt deren Laufstil nicht zu meinem eigenen Rhythmus. Ich setzte mich an die Spitze unserer kleinen Gruppe. Ich will keine richtige Tempoverschärfung. Denn den Kräfteverschleiß würde ich bald zu spüren bekommen. Es soll nur einen kleinen Hauch schneller werden. Ich setzte mich deshalb erst kaum ab. Lange noch kann ich die Unterhaltungen hinter mir hören. Irgendwann ist es dann ruhig. Ich laufe jetzt meinen eigenen Lauf. Um mich herum sind immer irgendwelche Leute. Aber Einzelkämpfer, die mir zur Orientierung dienen. Es gibt zu diesem Zeitpunkt auch schon vereinzelte „Geher“ unter den Läufern. Ich achte darauf, dass ich mein Tempo halte, habe meine gedachten Zwischenzeiten im Kopf und überprüfe diese ständig. Bei 30 Km bin ich etwas über 3:21 Stunden. Das ist gut und auch nicht zu schnell.

Das jetzt bis 35 Km beibehalten. Aber es wird jetzt schon anstrengender. Nach 34 Km spüre ich die ersten Stiche in der rechten Wade. Warnsignale. 35 Km in 3:54:35 Stunden. Immer noch etwas unterhalb meines Fahrplanes. Es wird aber auch immer schwerer. Erste leichte Krämpfe. Es versetzt mich noch nicht in Panik. Besonders beim Berlin-Marathon vor einem Jahr hatte ich damit Bekanntschaft gemacht.

Jetzt bekomme ich doch ernsthaftere Schwierigkeiten. Aber noch kann ich Läufer vor mir einholen, die jetzt vermehrt längere Gehpausen einlegen musste. Neben der rechten Wade meldet sich jetzt auch noch die Muskulatur oberhalb des linken Knies. Das tut weh! Ein kurzer Schmerzensschrei und ein Fluch hinterher. Ein paar Schritte gehen. Aber nur kurz. Ich will mich nicht auf das Gehen als neue Fortbewegungvariante einlassen. Noch bin ich nicht am Ende. Nur kurze Unterbrechungen, wenn die Schmerzen größer werden. Ich finde zum Glück meinen Lauf Rhythmus wieder.

39 Km, die letzte Verpflegungsstation. Erstmals und letztmalig nehme ich einen Becher Cola an. Ein winziger Hauch von Optimismus. Selbst wenn ich jetzt 7 Min./Km ansetze, würde ich eine Bestzeit schaffen und vielleicht sogar noch die 4:45 Stunden packen. 3 Km können so lang sein. Aber ich war jetzt soweit gekommen. Jetzt muss der Rest auch noch zu schaffen sein.

41 Km. Schräg vor mir der laut eigener T-Shirt-Aufschrift „Crazy Runner“, der sich auch von der Gruppe der 4:45 Stunden-Läufer gelöst hatte. „Den packen wir jetzt auch noch“, rufe ich und fange an zu jubilieren. „Das denke ich auch“, ist die knappe Antwort eines Läufers, dem die 41 Km auch ins Gesicht geschrieben sind.

Ich muss nochmals ein paar kurze Schritte gehen. Es ist wie der Ritt auf der Rasierklinge. Jetzt überholt mich die 4:45-er Gruppe. Es überrascht mich nicht. Ist nicht schlimm. Sind ja gleich da. Ich kokettiere mit einer Ordnerin. „Ob die 3. Runde um den See denn genau so lang wäre“, frage ich. „Nur noch ein paar hundert Meter“, höre ich. Das soll beruhigen. Ich sehe nichts, auch nicht das Ziel. Die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht, blendet mich. Jetzt habe ich Spaß, lache die Zuschauer an, die Mut machen wollen. Jetzt die Tribüne an der Regatta-Strecke. Ich winke nach oben. Aus der Wade sticht es noch mal erbärmlich. Die Gesichtszüge kann ich leider nicht mehr kontrollieren. Die Beine auch nicht mehr. Warum tut das gerade jetzt so weh? Aber ich laufe weiter. Noch ein Knick und dann noch ein Knick. Bin drin. Bin durch. Gefinished! Mein 4. Marathon.

Wie kann man nur so fertig sein? Ich lehne mich an eine Drahtabsperrung, die den Läuferbereich abgrenzt. „Sieht aus wie „hinter Gittern“. Freude und Erschöpfung. Hier gibt’s Bananen und Wasser. Mag ich nicht mehr. Genug davon runter gewürgt. Hier gibt es auch Erdinger Alkoholfrei. Ich probiere es. Und wie das schmeckt!

Meine Medaille habe ich auch schon um den Hals. War ein hartes Brot. 4:44:30 Stunden. Zielzeit voll erreicht. Nach 2:21:40 Stunden für den 1. Halbmarathon waren es 2:22:50 Stunden für den 2. Halbmarathon. Gut gelaufen.

Mein 2. Marathonjahr ist zu Ende. Nächstes Jahr wieder, im Mai beim Karstadt-Marathon. Bin seit August schon angemeldet. Neue Ziele…

Montag, 13. Oktober 2008

Rund um den Baldeneysee



Ich habe ihn geschafft! Mein 4. Marathon! Wieder mit Bestzeit:
4:44:31 Stunden habe ich gestoppt. Die offizielle Zeit steht noch aus. Bin total happy! Bericht kommt später.

Dienstag, 23. September 2008

Der lange Zieleinlauf zum Marathonstart

Sonntagmorgen, kurz vor sechs Uhr. Stunden der Wahrheit? Am letzten Wochenende musste der lange Lauf wegen der Nachwirkungen einer Erkältung ausfallen. Seitdem kürzere „Aufbauläufe“ absolviert, bis maximal 16 Km Länge. Jetzt gibt es kein Pardon mehr. Hopp oder Flop? Drei Wochen bis zum RWE-Marathon um den Baldeneysee. Am Freitag hatte es erneut leichte Anzeichen für eine Erkältung gegeben. Nagende Zweifel melden sich lautstark und verunsichern mein Ego.

Sonntagmorgen. Es ist nicht nur empfindlich kühl. Es ist auch noch dunkel. Die Taschenlampe dabei. Nur für ein kleines Waldstück in den ersten beiden Runden. Dann wäre genug Licht da. Ich bin noch müde. Aber sonst gibt es nichts worüber ich mich beklagen könnte. Ich laufe los. Es gibt keine Probleme. Nach wenigen hundert Metern weiß ich, das wird heute gehen. Wenn das heute klappt, dann ist das mehr als die halbe Miete. Dann noch eine Woche und noch ein langer Lauf. Dann ist der Marathonstart mehr oder weniger gebongt, so glaube ich wenigstens. Ich befinde mich sozusagen im Zieleinlauf vor dem Start. Fange an zu rechnen. Na ja, 140 Km könnten es bis dahin noch sein. Den aktuellen Lauf mit einbezogen. Ist also nicht mehr weit (grins).

Ich laufe ungewohnt langsam an. Vielleicht ist es noch die Müdigkeit, die Vorsicht, ich könnte nicht richtig fit sein oder das Wissen, dass der Weg heut noch lang sein wird. Nur ganz allmählich und ganz vorsichtig finde ich mein gewünschtes Tempo. Ein erstes Hindernis, ein tief herunter hängender Zweig über dem Gehweg. Den kenn ich schon. Kurz davor ein Verkehrsschild am Straßenrand. Mir dient es warnend zur Orientierung. Ich halte mein behutsames Tempo und es geht ganz leicht. Die Dämmerung schafft Licht. Vor mir läuft eine Katze über den Weg. War die schwarz? Bin ich abergläubisch? Dann in der 2. Runde kommt mir ein Radfahrer auf dem Randstreifen der Kreisstraße entgegen. Der fährt ziemlich schnell und schwankt hin und her. Ich bin irgendwie beunruhigt und beschließe aufzupassen. Noch wenige Meter. Der hält tatsächlich voll auf mich zu. Rasch weiche ich zwei Schritte zur Seite aus. „Tschuldigung“. Er hat mich entdeckt. Aber da wäre es wohl zu spät gewesen. Glück gehabt.

Ich drehe weiter meine Runden. Bis zur Hälfte (15,9 Km) halte ich diszipliniert mein vorgegebenes Tempo. 6:53 Minuten pro Kilometer. Fast so wie beim letzten Marathon. Nach meinem an Steffny`s Laufbuch orientierten Trainingsplan dürfte ich noch etwas langsamer. Will ich aber nicht. Als ich nach der 6. von 10. zu laufenden Runden einen Schnitt von 6:30 Min./km für diese Runde erreicht habe, bin ich doch etwas erschrocken. Das kann auch nach hinten losgehen. So bremse ich mich dann erstmal ein Wenig.

Jetzt sind auch die ersten Fußgänger unterwegs. Die üblichen Verdächtigen, meistens mit Hund. Ich lege insgesamt drei kleine Trinkpausen am Auto ein; das heißt ich schnappe mir einen mit Wasser gefüllten Becher aus dem Kofferraum und kippe mir das Wasser im Gehen runter. Der leere Becher wird am nächsten Abfallkorb entsorgt. Lange erprobt und klappt bestens. Bei der letzten Getränkeaufnahme kommen mir zum zweiten Mal zwei ältere Frauen (so um die 70) mit drei Hunden entgegen. Sie sehen sich vielsagend an. Die Gesichtsausdrücke lassen keinen Zweifel aufkommen. Die halten mich für völlig verrückt. Wenn die wüssten, dass ich sch zweieinhalb Stunden unterwegs bin und noch eine gute Stunde vor mir habe. Der Gedanke bringt mich leicht zum Schmunzeln. Müssen die ja auch nicht verstehen.

Auf den letzten drei Runden lasse ich es laufen. Zügig weiterlaufen. Es geht immer noch gut. Wann kommt das Körpersignal, dass es jetzt bald reicht. Sicher, die Beine sind schon etwas schwerer geworden. Aber sonst kommt heute nichts mehr. Ein bisschen Euphorie. Heute könnte ich ihn (den Marathon) laufen. Aber das kann man gut sagen, wenn bei knapp 32 Km Schluss ist. In der letzten Runde versuche ich nochmals Kräfte frei zu machen. Ich schaffe in der 2. Hälfte einen Schnitt von 6:32 Min./Km. Zweifel sind weggeblasen. Optimismus hat wieder Oberhand gewonnen.

Montag, 8. September 2008

Lektion gelernt!

Sonntag standen 31,8 Km an. Nur eine Woche nach dem 30 Km Lauf in Bertlich. Dieses Mal ließ ich es aber langsam angehen. Schließlich war es „nur“ Training. Außerdem hatte ich meine Lektion aus der Hitzeschlacht gelernt. Lieber langsam anfangen, als später entkräftet einbrechen. Zeit um schneller zu werden hat man beim langen Lauf noch genug.

Am Sonntag war es weder die Hitze noch das Tempo, das mir Schwierigkeiten machte. Auch, dass ich mich kurz vor 6 Uhr noch im Dunkeln auf dem Weg machte, war nicht das Problem. Der innere Schweinehund hatte aber überhaupt kein Verständnis dafür, dass er mehr als dreieinhalb Stunden gequält werden sollte. Und so war es auf den ersten 20 Km auch schwere Kopfarbeit, die geleistet werden musste. Ich musste mich regelrecht zum Laufen zwingen. Dann ging es auf einmal. Weiß der Geier wie so was möglich ist. Vielleicht auch die Aussicht, dass das Laufende näher rückte?

Die Temperaturen waren optimal, so etwa bei 15 Grad. Da läuft es sich anders als bei Hitze. Nur der Wind schüttelte mich regelmäßig durch.

Bei der 30 Km-Marke war ich fast 2 Minuten schneller als die Woche zuvor in Bertlich. Die falsche Zeiterfassung dort ist übrigens korrigiert. Mit 6:50 Minuten pro Kilometer bin ich den anvisierten Schnitt gelaufen, war 3:37:15 Std. unterwegs.

Eigentlich habe ich diesen Lauf gut verkraftet. Habe mir aber irgendwann am Wochenende eine Erkältung eingefangen und bin schlapp.

Mittwoch, 3. September 2008

Kilometersammler

263,8 Laufkilometer im August. Das ist ein persönlicher Rekord für einen Monat. Gebraucht habe ich dafür 28:57:01 Stunden und ergibt einen Schnitt von 6:35 Min./Km. Das Ganze war auf 18 Trainingseinheiten verteilt (= 14,650 Km im Schnitt.

Die bisherige Bestmarke stammt aus dem Juli 2007 mit 256,650 Km in 32:37:09 Stunden und einem Schnitt von 7:38 Min./Km. Ich laufe den Kilometer gut eine Minute schneller als vor einem Jahr.

Vor dem letzten Monat war der kilometerumfangreichste Monat in diesem Jahr der März mit 219,550 Km. Das ist jetzt eine heftige Steigerung gewesen, die ich allerdings auch in den Knochen spüre (Aua).

Dienstag, 2. September 2008

... wie Flasche leer!

Was mich am Sonntag wohl geritten hat bei den Straßenläufen in Bertlich über 30 Km an den Start zu gehen, dass weiß ich wohl selbst nicht so ganz genau. Der Lauf startete um 12 Uhr Mittags. Temperaturen bis 30 °C waren angekündigt. Erreicht wurden sicherlich zwischen 28 °C und 29 °C. Sicher stand bei mir ein langer Lauf an. „Gerne“ auch die 30 Km, wenn es denn sein muss. Aber warum bitte schön nicht morgens um 6 Uhr, bei mir vor der Haustür und bei erträglichen Temperaturen noch deutlich unter 20 °C ?

Ich hatte es mir vorgenommen, also lief ich auch in Bertlich. Wollte die 30 Km mal etwas schneller laufen als im Training. Nicht alles ausreizen was möglich ist, aber eben etwas schneller. Und unter ernsthaften Wettbewerbsbedingungen. Also zumindest für mich wurde es dann ziemlich ernsthaft.

Hatte ziemlich viele und teils hart gelaufene Kilometer aus den letzten 2 Monaten in den Knochen. Bin persönliche Bestzeiten über 10 Km und HM gelaufen. Dazu war das entsprechende intensive Training nötig. In den Tagen vor Bertlich habe ich schwere Beine gespürt.

Beim Start habe ich mich gleich ganz nach hinten sortiert. Das Experiment hätte auch unter dem Motto laufen können: „Von einem der auszog Letzter zu werden.“ Ich hatte mir die Ergebnislisten aus den letzten Jahren angesehen. Bei den 30 Km gibt es anders als auf anderen Distanzen wohl kaum Volksläufer, die aus Jux und Dollerei und ohne Rücksicht auf eine ordentliche Zeit an den Start gehen. Die Aussicht ganz hinten zu landen war also schon gegeben.

Ich wollte um die 6:30 Min./Km laufen. Die ersten beiden Km waren um insgesamt 30 Sekunden zu schnell. Der 3. Kilometer war zu langsam. Ich hatte noch Anschluss zu einer kleinen Gruppe. Aber auch hinter mir gab es noch einige Einzelkämpfer. Vor mir entnahm ich aus dem Gespräch zwischen einer älteren (ca. 60) und einer jüngeren Läuferin, dass sie eine Zeit um 3 Stunden anstrebten. Ich nahm sofort einen weiteren Gang raus. Hatte aber noch einige Zeit Sichtkontakt. 5 Kilometer schaffte ich in 32 Minuten, immer noch etwas schneller als mein Fahrplan, aber ich dachte mir noch nichts dabei, obwohl ich die Hitze schon sehr fürchtete. Noch deutlich vor der 10 Km-Marke hatte ich die jüngere Läuferin aus dem Gespräch ein. Und auch 2-3 andere Läufer fielen von etwas weiter vorne nach etwas weiter hinten zurück. Die Hitzeschlacht würde Opfer finden. Dessen war ich mir sicher. Hoffentlich gehörte ich nicht selbst dazu. So zog ich ziemlich einsam meine Meter runter. Nutzte jede Wasserstation, nahm meistens gleich 2 Becher auf. Gut dass ich einen Waschlappen dabei hatte, so konnte ich mir ab und zu den Schweiß aus dem Gesicht abwischen. Ich wusste nicht, ob es Schwämme geben würde. Die gab es aber an einigen Stellen in entsprechenden Wasserbehältern. Auch da griff ich zu, und wrang den klatschnassen Schwamm über den Kopf aus.

Die 10 Km absolvierte ich in genau 65 Minuten. Sah aus wie eine Punktlandung, war es aber nicht wirklich. Ich profitierte zu dem Zeitpunkt lediglich noch von dem kleinen Vorsprung der ersten Kilometer. Meine Pflaster auf der linken Seite der zum Schutz der Brustwarze hatte sich gelöst. Auf der anderen Seite begann die Sicherheitsnadel spürbar zu scheuern. Na dann viel Spaß für die restlichen 20 Km. Weiter ging mein ziemlich einsamer Lauf durch die Hitze. Ich passierte 3 Läufer die eine Gehpause einlegten oder schon aufgehört hatten? Es gab dann bald auch Sichtkontakt zu ein paar der wenigen Marathonläufern. Einige waren richtig flott. Andere hatten aber auch zu kämpfen. Auch die 30 Km-Läufer Magdalene und Volker lernte ich kennen. Ihre T-Shirts wiesen sie als „Pseudoläufer“ aus. In aller Regel war ich aber alleine unterwegs. Dann passierte ich das Schild für die 15 Km in 1:37:40 Stunden. Die Zeit sah noch ordentlich aus. Ich aber garantiert nicht mehr. Die zweite Runde und das ganze noch einmal. Ich fühlte mich schon schrecklich ausgelaugt, hörte hinter mir ein paar schnelle Schritte. „Läufst du auch die 30“, fragte mich die herantappende Läuferin. Es folgte ein kurzes Gespräch über „diese Quäler“. Sie sagte noch, dass sie überlegt auszusteigen, weil auch die Zeit „beschissen“ werden würde. „Die Zeit ist mir egal“, erwiderte ich, die Läuferin hinter mir war schon verschwunden.

Die 20 Km-Marke verriet mir nach 2:12:30 Stunden, dass ich schon deutlich langsamer wurde. Noch deutlicher war es bei 21 Km. Ich hatte darauf geachtet um in etwa einschätzen zu können wie es in etwa bei der Halbmarathon-Distanz aussehen würde. 2:20 Stunden sprachen eine deutliche Sprache. Ich war dabei einzubrechen. Und noch soweit!

Die 30 Km sollten auch eine Art Training sein. Ich hatte deshalb kein Powergel dabei, wollte ja keine Kohlenhydrate aufnehmen. Die Energiespeicher sollten vollständig entleert werden. Das ist schließlich der Sinn der ganz langen Läufe. Aber was hätte ich nach 23/24 Km für ein Stück Banane gegeben. Gab es aber nicht oder nicht mehr. Ich konnte kaum noch meine Kilometerzeiten ausrechnen. Der Kopf funktionierte nur noch schwerfällig. Durst, unendlicher Durst und das Wasser war warm und abgestanden. Irgendwo bei Km 25. „Wir haben nichts mehr“, sagte ein Helfer an der „Getränkestation“. Und dann doch: „Das ist das Letzte“, und hielt mir eine große Flasche „Gatorade“ hin, mit einer Restpfütze drin. Ich schüttete es in mich rein und war froh und dankbar überhaupt noch etwas bekommen zu haben. Und nach mir? Oder gab es da niemanden mehr? Hatten die alle aufgehört? Ich musste einige kleine Gehpausen einlegen. War platt, so schrecklich voll fertig. Hinter mir schien sich ein rotes T-Shirt näher zu schieben. Das kannte ich schon aus dem ersten Laufdrittel. Aber „es“ blieb hinten und war dann wieder ganz verschwunden. 28 Km „geschafft“, 2 Km verbleiben. Optimismus fühlt sich anders an. Aber die würde ich noch hinter mich bringen. Irgendwie. Die Zeit? Wenn es nicht noch schlimmer würde, würde ich unter 3:30 Stunden bleiben. So richtig kriegte ich das Rechnen nicht auf die Reihe.

Unglaublich der Sportplatz in Bertlich kommt in Sicht. Davor stehen 2 oder 3 blinkende Rettungsfahrzeuge. Ich biege auf den Sportplatz ein, die letzten 200 m oder so.

Das Ziel. Ich halte meine Stoppuhr an. 3:27:28 Stunden. Für ein langsamen Trainingslauf wäre das akzeptabel. Im Ziel gibt es was zu trinken, nur Wasser, alles andere ist weg. Auf einer Trage wird ein Läufer weggebracht. Die Gefahr bestand bei mir zu keiner Zeit. Wenn ich nicht mehr kann, dann kann ich eben nicht mehr. Ich würde weiter gehen oder stehen bleiben. Überdrehen funktioniert bei mir nicht, da gibt es zum Glück eine körpereigene Bremse die mich rechtzeitig stoppt.

Jetzt kommen 2 Läufer auf den Platz eingebogen. Es sind die beiden „Pseudoläufer“ Magdalene und Volker. Magdalene hat ein paar Meter Vorsprung. Volker sieht mit seinem langen Zopf noch bedeutend elendiger aus als Magdalene. Dann nach einem weiteren größeren Abstand kommt noch ein schleichendes „Etwas“ an. Ich aber verlasse den Platz und gehe zur nahen Pausenhalle. Da gibt es Kaffe und ein Stück „Restkuchen“, aber auch preiswert. Der Kaffe tut gut. Etwas anderes als Wasser. Ich fühle mich weiter ausgelaugt und sehr am Ende. Aber es wird schon wieder.

Ich hole meine Urkunde und bin geschockt. 3:30:43 Stunden. Was haben die denn gemessen? Ich habe keine Erklärung und bin zu schlapp um nachzufragen. Auch wenn es nur etwas mehr als Minuten Differenz sind und die Zeit eh keine Rolle mehr spielt, ist das eine weitere Enttäuschung.

Erst später im Internet lese ich, dass es bei 30 Km-Lauf einige „Differenzen“ bei der Zeiterfassung gegeben hat.

Ein positives Fazit:

Die Erfahrung der Auswirkungen eines Hitzelaufes.

Die Erfahrung der Folgen eines offensichtlich unangemessenen Einstiegstempos.

Ein absolvierte und notweniger 30 Km-Lauf vor dem nächsten Marathon.

Wieder Mal nicht aufgegeben zu haben.

Schwäche erfahren und überwunden zu haben.