Mittwoch, 10. Oktober 2012

Halbmarathon um den Phoenixsee

 

Wer den Phoenix-See nicht kennt weist damit keine Bildungslücke auf. Dieses erst künstlich angelegte Gewässer liegt im Dortmunder Stadtteil Hörde auf einem zu Gelände, welches früher Bestandteil eines riesigen Stahlwerks war. Dieses Werk ist auch Namensgeber für den See. Die zweckbauliche Gestaltung als Regenwasserrückhaltebecken mit Zu-, Über- und Abläufen schützt flussabwärts liegende Wohn- und Gewerbebebauung am Ufer der Emscher vor Hochwasser. Bei Bedarf kann der See zusätzlich bis zu 360 000 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen.Die Informationen habe ich aus dem Internet. Bekannt geworden ist mir das Projekt vor einem Jahr durch umfangreiche Presseberichte mit dem Tenor, dass es sich um eine tolle landschaftliche Umgestaltung und ein sehr attraktives Baugebiet handeln würde. Neugierig geworden habe ich das landschaftsarchitektonische Bauwerk besucht und war doch etwas enttäuscht. Nach dem Marketinggeschrei konnte man fast den Eindruck gewinnen als würde hier dem Starnberger See Konkurrenz gemacht.  Nichts für ungut, aber im Kern geht es um Immobilienvermarktung. Ich finde die Wiederherstellung eine ehemals industriell genutzten Fläche im Prinzip  positiv; allerdings ist auch kein Wunderwerk entstanden.

Der See ist lediglich 1.200 m lang und maximal 310 m breit. Und so war ich doch einigermaßen überrascht, als ich vor einigen Wochen von dem geplanten Halbmarathon las. Allerdings sollte der Streckenverlauf doch weit außerhalb des Sees führen, unter anderem an industiekulturell interessanten Hoesch-Komplex vorbei, welches man zum Beispiel auch vom Dach des Westfalenstadions aus sehen kann. Da ich ohnehin noch einen Testlauf auf HM-Distanze durchführen wollte, habe ich mich kurzfristig angemeldet. Lauftag war der Tag der Deutschen Einheit. Einen Tag vorher nutzte ich die Gelegenheit um meine Startnummer abzuholen. Als ich die vielen Baukräne und die im Bau befindlichen Gebäude entdecke bin ich doch ziemlich geschockt. Ob der Unterschied von einer Industriebrache zu einer Bauwüste so gravierend ist? Doch die Stadtfürsten sehen das immer mit anderen Augen, nicht nur in Dortmund ist das so. Ein dicker Regenguss, der auf die Warteschlange vor dem Organisationszelt niederprasselte, sorgte dafür, dass ich mich innerlich nicht weiter ereiferte.

Von der Vortour nach Dortmund nach fast zweistündiger Fahrt mit dem Nahverkehr zurück zu Hause. Vorbereitungen für den nächsten Tag und früh ins Bett. Denn wer an einem Feiertag von einem Stadtteil in Recklinghausen in einen Außenbezirk von Dortmund will, braucht viel Zeit und Geduld. Man bekommt zum Ausgleich um sieben Uhr Morgens am Hauptbahnhof die Überrreste des Nachtlebens zu Gesicht. Ein Highlight war sicher die Frage eines doch sehr abgestürzten Individuums, ob es jetzt Morgens oder Abends ist.   Ich bin mir sehr sicher, dass die Frage kein Fake war.

Endlich Ankunft am Phoenix-See. Die zunächst noch starke Bewölkung lockert sich entgegen den Wetterprognosen auf. Ein herrlicher herbstlicher Vormittag kündigt sich an. Am See ist es schon rappelvoll. Zunächst starten Schülerläufe. Wie ich später höre, hat allein ein Gymnasium immerhin 300 Schülerinnen und Schüler aktiviert.   Wenn sich daraus wenigstens für einen Teil längerfristige sportliche Aktivitäten ergeben, dann war es jedenfalls schon deshalb eine lohnende Veranstaltung gewesen.

Ich schaue mir das Start und Zielgelände an, und habe noch genügend Zeit zum Einlaufen. Knapp zehn Minuten vor dem Start bin ich wieder zurück. Doch der Startbereich ist leer. Ich bin nicht der einzige Läufer der ratlos umherirrt. Ein Helfer sorgt für Aufklärung. Der Start für den Halbmarathon liegt direkt am See. Also die Beine in die Hände genommen, denn es sind doch einige hundert Meter bis zum Startbogen. Das Mißverständnis ist teils selbstverschuldet. Im Internet gab es entsprechende Hinweise, die aber vor Ort dann fehlten, beziehungsweise irreführend waren. Ich erreiche den richtigen Startbogen noch gerade rechtzeitig und bin jetzt zumindest richtig warm gelaufen.

Der Start findet zunächst aber nicht statt. Die Lautsprecherdurchsagen kommen am hinteren Teil des Feldes nicht an. Aber offensichlich sind noch nicht alle Schüler im Ziel und die Laufsrecken würden sich kreuzen. Nach 15 Minuten Wartezeit gibt es Unruhe im Feld. Geht es vorne los? Nein, zunächst nicht. Dafür ist aber der Startbogen umgefallen. Sehen kann ich nichts. Doch die Mundpropaganda von ganz vorne bis ganz hinten im Feld funktioniert, wenn auch mit zeitlicher Verögerung.

20 Minuten Verspätung und es geht dann tatsächlich doch noch los. Zum Glück ist es in der Sonne angenehm warm. Die Warterei war da nicht so schlimm.

Es darf gelaufen werden. Die Sonne stralt vom tiefblauen Herbsthimmel, als ich die Startlinie überquere. An Streckenrand sorgen hunderte von Zuschauern für eine stimmungsvolle Kulisse. Nicht wenige Läufer stehen darauf. Ich brauche das eigentlich nicht.

Es geht zunächst zwei Runden m den See. Ich genieße die klare Luft und die "Seekulisse". Mit guter Laune finde ich es heute deutlich schöner als im Regen am Vorabend. Es ist erstaunlich, dass der circa 4 Meter breite Weg die Läufermassen offensichtlich problemlos bewältigt.  Es müssen knapp 2.000 Läufer am Start sein. Ob es in der Mitte des Feldes auch so komfortabel zu laufen ist wie weiter hinten? Zwei "Seerunden" reichen mir dann doch und ich bin froh als es "raus ins Gelände" geht. Ganz klar ist mir nicht was mich erwartet. Schlimmstenfalls Passagen durch monotone Siedlungen? So bin ich dann doch überrascht, das es gleich durch einen schmalen Waldstreifen geht. Auf der rechten Seite verläuft etwas unterhalb des Laufweges ein renaturierter Bachlauf. Immerhin! Die Industrie zieht sich gezwungener Maßen zurück, weil sie den globalen Bedürfnissen nicht mehr entspricht. Und von Menschenhand unterstützt wird der Natur neuer Raum gegeben. Jedenfalls ist das die Idee.

Inzwischen bin ich bald 10 Km unterwegs. Meine läuferischen Ansprüche sind bescheiden geworden. Ich erwarte nahezu nichts. Das resultiert sich aus meinen Trainingserfahrungen die sich bestätigen. Noch bin ich aber etwas "schneller" als geplant. Das ist die Wirkung wenn man im "Rudel" läuft.  So langsam geht es raus aus der grünen Oase in den sogenannten Phoenix-Park und damit auch sichtbar ins früher industriell.genutzte Gelände. Reste einer typischen Ruhrgebietskulisse. So wie man es sich vorstellt. Es ist spannend und mit Erinnerungen verbunden hier zu laufen. Vergangenheit, eine Art Freilichtmuseum.  Jetzt bedaure ich es keinen Fotoapparat dabei zu haben. Aber vielleicht kann man hier später mal einen Sonntagsspaziergang unternehmen.

Die Wolkendecke und der Wind haben zugenommen. Auf offenem Gelände werde ich ordentlich durchgeschüttelt. Außerdem werde ich von einer "Banane" und einem "Affen" überholt. Als ob de Teilnahme  an so einem Massenevent nicht schon verrückt genug wären. Mit solchen Verkleidungen möchte ich nicht herumlaufen. Aber die Jungs scheinen ihren Spaß zu haben. Die Hälfte der Strecke ist längst passiert. Da entdecke ich schräg vor mir die riesigen gelben Pilonen des Westfalenstadion. Mein Stadion in dem ich seit vielen Jahren bei jedem Heimspiel stehe! Ich bin begeistert. Für mich steht jetzt aber schon fest, dass sich dieser Lauf gelohnt hat.

Es geht durch die Halle einer BMW-Niederlassung. Der Sponsor hat sich nicht lumpen lassen und eine Band engagiert, deren Musik mich für ein kurzes Stück begleitet. Nach etwa 17 Km habe ich mein "Pulver verschossen" und ich werde unfreiwillig langsamer. Da ich dieses Gefühl aus vielen Laufveranstaltung kenne und mit dieser Situation gerechnet habe tue ich das, was notwendig ist: ich laufe weiter. Es gibt jetzt einen Anstieg, nicht übermäßig lang und steil, aber ich verliere meinen Laufrhythmus. Macht nichts, denn es ist nur ein kurzer "Berg". Wir nähern uns wieder dem See. Huch, ist das windig   geworden! Am See angelangt fällt dem müden Läufer dann auf, dass er diesen dann noch einmal fast vollständig umrunden muss. Ein kleiner See, aber 3 Kilometer können ja so lang sein. Den See finde ich jetzt nicht mehr sonderlich spannend. Ich möchte nur noch anständig das Ziel erreichen. Von weitem ist der Zielbogen sichtbar. Ein Sambagruppe sorgt nochmals für "Motivation". Jetzt noch einmal "gut aussehen". Und tatsächlich reicht es auf den letzten dreihundert Metern für einen Schlußspurt. Im Ziel ist es dann wie immer doch am schönsten.

 Ich weiß es nicht, was tausende von Läufern und auch mich immer wieder zu solchen Veranstaltungen hinzieht. Allein, wenn man den Zeitaufwand für Hin- und Rückfahrt bedenkt... Aber mit Logik darf man Läufern nicht kommen. Und die Streckenführung hat meine Erwartungen diesesmal doch deutlich übertroffen. Es war ein Testlauf mit einem 30 Km-Lauf einige Tage zuvor in den Beinen. Der Test hat das bestätigt, was ich vorher schon wußte. Einen Marathon habe ichderzeit nicht in den Beinen. Keine Enttäuschung, nur Gewissheit. ber ich bin ja noch jung. :-) Im nächsten Jahr gibt es einen neuen Anlauf.Bis dahin wird fleißig weiter gelaufen, so weit die Füße tragen.







Dienstag, 11. September 2012

Der Blick auf die Uhr

Morgens früh, kurz vor sechs Uhr an der Bushaltestelle. „Ob der Bus wohl pünktlich kommt?“ Je später es wird, desto häufiger blicken die wartenden Fahrgäste nervös auf die Uhr. Ein paar besonders unruhige Geister stellen sich gar an den Straßenrand und halten Ausschau. Mich amüsieren diese Aktivitäten. Sie werden die Ankunft des Busses jedenfalls nicht beschleunigen. Verspätungen sind ärgerlich, besonders am frühen Morgen. Doch unser Ärger wird daran nichts ändern.

Allerdings müsste ich lügen, wenn ich nicht doch auch in gewisser Weise zumindest gelegentlich ein Sklave der Zeit und noch schlimmer der Uhr bin. Heute nach der Arbeit brauche ich dringend einen Lauf. Der Druck im Kessel braucht ein Ventil. Abschalten, umschalten durchatmen und durchpusten. Laufen hilft immer. Es ist tolles Laufwetter. Das Thermometer hat einen gewaltigen Satz nach unten gemacht. Fast 10 Grad kühler ist es gegenüber den Vortagen. Dicke Wolken am Himmel verheißen zusätzlich weitere feuchte Abkühlung. Die ersten dicken Tropfen klatschen mir schon ins Gesicht. Meine Laufuhr habe ich auch angeworfen. Als erstes sucht die immer den Satelliten. Heute aber nicht Statt dessen der erklärende Hinweis „schwache Batterie“. Man könnte auch sagen schlechte Organisation. Habe da wohl was übersehen. Jetzt nochmal nach oben und die alte Stoppuhr zum Einsatz bringen? Dazu habe ich keine Lust. Dumm gelaufen eben. Zunächst läuft ja wenigstens die Stoppuhr. Alle anderen Funktionen reagieren nicht. Na ja, die Länge der heutigen Strecke kenne ich. Und habe ich die Laufdauer, dann lässt sich sogar die Geschwindigkeit errechnen. Alles für die insgesamt doch eher profane Statistik. Es kommt aber wie es kommen muss. Die Batterie gibt den Geist völlig auf. Ich laufe und werde nicht wissen, wie lange ich unterwegs bin. Welch ein Läuferdrama. Mir ist`s egal. Jedenfalls versuche ich mir das einzureden. Ich weiß doch wie lang die Strecke ist und werde dann einfach meine „Durchschnittszeit“ eingeben. Frei nach dem Motto: „Glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.“

Ich konzentriere mich zwischendurch mal kurz auf`s Laufen. Der Regen hält auch nicht das, was er versprochen hat. Hin und wieder mal ein kurzer Schauer, doch dann verschließen sich die Himmelsschleusen wieder für einige Zeit. Da der Boden noch warm ist herrscht Waschküchenklima. Schweiß tropft aus allen Poren. Ein Eichhörnchen flüchtet auf einen Baum um sofort die mir abgewandte Seite aufzusuchen. Spatzen baden in Pfützen, als hätte sie auf eine solche Gelegenheit schon ewig gewartet.

An Hand meines Atems versuche ich mein Tempo abzuschätzen. Doch wer kann das schon? Doch welche Bedeutung haben ein paar Sekunden mehr oder weniger eigentlich? Was ist das für eine Bewertung „etwas langsamer“ oder „etwas schneller“. Bei dem Gedanken senkt sich mein Blick unwillkürlich auf meine Uhr, die mich aber nur anschweigt. Ich denke an heute Morgen, an das Warten an der Haltestelle.

Ich kenne die Strecke, die ich häufig laufe. An sich kenne ich hier jeden Meter. Aber jeder Lauf ist trotzdem anders. Der heutige sowieso. Gleich sind es nur noch zwei Kilometer. Der Dampf ist jetzt auch aus dem Kessel. Ich fühle mich leichter und beschwingter als vor dem Lauf. Wo ist bloß die Zeit geblieben. Auch ohne laufende Uhr ist sie zerronnen.

Heute genau vor einem Jahr bin ich meinen bis dato letzten Marathon in Münster gelaufen. Das hätte ich vor einem Jahr auch nicht gedacht. Aber das letzte Wort ist ja noch nicht gesprochen.


Sonntag, 9. September 2012

Mit Sonnenenergie und Hingabe


Lange laufen; solange wie noch nie in diesem Jahr. Ich habe es mir vorgenommen. Doch ob es auch klappt?

Ich stapfe hinaus in die Dunkelheit. Der abnehmende Mond und die Venus schimmern durch die sonst vorhandene dichtere Bewölkung. Im Osten zeigt sich ein erster rötlicher Schimmer in den Wolken. Die Farbintensität nimmt in der nächsten halben Stunde dramatisch zu. Ich laufe und schaue dabei wie gebannt zum am Himmel. Rotes, orangenes und gelbes Licht breiten sich aus wie eine Feuersbrunst,. Ich habe eine gute Laufrichtung gewählt. Es geht die ersten 8 Kilometer überwiegend nach Osten. Jetzt habe ich das neue Kohlekraftwerk in Datteln im Blick. Es kann nicht ans Netz gehen. Wehrhafte Bürger haben geklagt. Wenn ich es richtig verfolgt habe wurden im Planfeststellungsverfahren Fehler gemacht. Der Bau hätte womöglich gar nicht genehmigt werden dürfen. Der Betreiber hat schon mehrfach böse Schlappen beim OVG kassiert. Mich tangiert das nicht. Ich will heute Morgen nur Laufen; mache jetzt aber einen kurzen Fotostop- mit unzulänglichen Ergebnissen, die meine Wahrnehmungen nicht ansatzweise wieder zugeben in der Lage sind. Der Morgen bricht endgültig an. Die Wolkendecke wird kompakter und das "Feuer" am Himmel verschwindet wieder.

Inzwischen habe ich die Felder außerhalb meines Stadtteils und sodann das kleine Naturschutgebiet "Becklemer Tal" verlassen. Es geht ein kleines Stück auf dem Radweg Richtung Datteln. Nach 8 Kilometern erreiche ich eine Brücke über den Rhein-Herne-Kanal. Über eine steile Steinbrücke gelange ich auf diese und wechsel so die Kanalseite. Bald schon wieder muss ich den Kanal verlassen; es gibt eine Brückenbaustelle und eine ausgewiesene Umleitung, die durch eine kleine Siedlung führt. In Castrop-Rauxel wechsel ich auf den Emscherweg in Richtung Recklinghausen.

Ich habe heute nur eine sehr difuse Vorstellung über die zu laufende Strecke. Nur dass es viele Kilometer werden sollen ist mir klar. Mit 27 Kilometer hätte ich mein "Soll" für heute erreicht. Nach 13,5 Km einfach umdrehen und wieder zurücklaufen? Dazu habe ich aber keine Lust. Noch ist es auch nicht soweit, da ich soviele Kilometer auch noch nicht zurückgelegt habe.

Ich trage eine o,5-Literflasche Wasser mit mir. Wozu eigentlich? Nach 11 Km endlich zwinge ich mich wenigstens etwas zu trinken. Als ich gestartet bin waren es gerade 8 Grad. Inzwischen ist die Sonne zwar längst aufgegangen; doch sie bleibt bisher überwiegend unsichtbar. Das Schwitzen und der Durst halten sich in Grenzen.

Ein paar Kilometer entlang der Emscher, bis eine Brücke und ein kurzer Weg wieder zum Rhein-Herne-Kanal führen. Emscher und Kanal laufen sozusagen nebeneinander her. Über den Kanal l gibt es zeitweilig etwas Nebel. Ein schönes Bild, ich halte für ein Foto an. Etwas später entdecke ich am Himmel eine kleine Schar Wildgänse in Formation. Zu meiner rechten Seite öffnet sich das Naturschutgebiet "Pöppinghäuser Wald". Ein kleines Sumpfgebiet gehört mit dazu.

Ruhig ist es. Fast könnte ich den Eindruck bekommen ich wäre allein unterwegs.

Zwei Gänse versperren mir den Weg. Es sind stattliche und schöne Tiere. Als ich näher komme machen sie "Platz". Danke schön!

Zwei Stunden bin ich unterwegs. Ich kalkuliere meinen Weg und die noch zu laufenden Kilometer. Ich werde noche eine Schleife laufen und dann entlang der Emscher zurück durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet "Brandheide". Da ich die "Ecke" aus vielen Läufen kenne, kann ich die Entfernungen einigermaßen gut einschätzen.

Inzwischen habe ich gut 20 Kilometer in den Schuhen. Ich bin noch erstaunlich gut dabei. Es läuft einfach und ich habe mein zunächst verhaltenes Tempo ein klein wenig angezogen. So langsam komme ich in eine Art "Lauftunnel". Die Gedanken degenerieren zu Fetzen. Im Vordergrund steht das Laufen. Nicht denken, nur laufen, laufen, laufen. Immer weiter und weiter. Schritt um Schritt. Kilometer um Kilometer. An einer Lager- oder Fabrikhalle ist ein großes rotes Schild angebracht: "Hingabe." Ich beziehe es jetzt auf mich, denn so laufe ich in diesem Augenblick.

Nach etwa 24 zurückgelegten Kilometern kommt mir eine fünfköpfige Laufgruppe entgegen. Wenn ich sie nicht sehen würde, dann würde ich sie jedenfalls hören. Sie scheinen viel Spaß zu haben und führen eine angeregte und nicht ganz leise Unterhaltung. Auch ich habe jetzt viel Spaß; denn ich weiß, dass ich heute mein "Laufziel" erreichen werde. Auch wenn ich die kürzeste aller möglichen Strecken wähle, werde ich mindestens 27 Km absoviert haben.

Und so versinke ich gleich wieder in meinen Lauf. Problemlos, wenn auch mit schwerer werdenden Beinen geht es auf bekannten Wegen heimwärts. Als ich schließlich meinen Ausgangspunkt erreiche, stehen 27,8 Km auf meinem "Tagestacho". Mit dem letzten Rest an Ehrgeiz laufe ich die fehlenden 200 m auch noch, ob es Sinn macht oder nicht ist egal. Auf dem letzten Metern werde ich noch von einem zum Glück angeleinten Hund angekläfft. Die Wirklichkeit hat mich wieder.

28 Km, 3 Km mehr als bei meinem bisher längsten Lauf in diesem Jahr. 3 Km ist ja fast nichts, es sei denn der Anlauf beträgt 25 Km. Wieder einmal war der Weg das Ziel.

Der beschriebene Lauf hat schon vor einer Woche, am 2. September also statt gefunden. So verrinnt die Zeit. Heute waren es ruhige, fast schon erholsame 16 Km. Es hatte sich in der Woche schon angedeutet, dass es nicht soviel wie vor einer Woche sein würde.. Zuviel Unruhe, zuviel Hetze. Doch ich bin trotzdem zufrieden. Nur gar nicht gelaufen zu sein wäre nicht gut gewesen. 

Freitag, 31. August 2012

Vorfreude auf den Herbst

Ein kühler kräftiger Wind empfängt mich draußen, verstärkt durch ein paar Regentropfen. Gänsehaut am letzten Tag im August. Nach dem Loslaufen verschwindet die Gänsehaut rasch wieder. Aber ist das nicht ein herrliches Laufwetter? Angenehme 14 Grad. Dunkle Wolken ziehen rasch am Himmel. Sommer, war da nicht mal was? Fast schon vergessen sind die heißen Tage, mit bis zu 38 Grad. Denen freilich bin ich aus dem Weg gelaufen. Habe dann den Tagesablauf anders gestaltet. Doch wenn Morgens um 5 Uhr die Luft steht und das Thermometer auf 24 Grad "gesunken" ist, dann ist das alles andere als schön. Das war zum Glück nur eine extreme Ausnahme. Vergangenheit ist es und wird auch nicht vermisst. Wieder ein Monat vorbei. Wir können es nicht ändern. Wäre auch nicht förderlich für meine Lauferei, wenn der August ewig dauern würde. 16 Läufe vermeldet meine Monats-Laufstatistik, genau wie im Juli, doch nur 170 statt 220 Km. Allerdings hatte ich im Juli auch 14 Tage Urlaub. Beim längsten Lauf im August kamen 24 Km zusammen. Zuwenig und weniger als geplant. Marathon ade? Ich nehme es im Moment ziemlich gelassen und baue auf kleine Fortschritte. Es ist eh nicht zu ändern. September, Oktober und November sind meine Lieblingslaufmonate. Der kühleren Temperaturen wegen aber auch die Freude an den Herbstfarben. Vielleicht gibt es im Dezember noch irgendwo einen Marathon? Jetzt freue ich mich auf das arbeitsfreie Wochenende und auf einen langen Lauf am Sonntag.

Dienstag, 31. Juli 2012

Kein Monatsrückblick


In den vergangenen Monaten habe ich es einfach nicht geschafft etwas halbwegs Erträgliches zu Papier zu bringen. In dem Augenblick, in dem ich einen Bericht in Vorbereitung hatte, hatte sich meine Stimmungslage gegenüber dem, was zu berichten war, schon wieder geändert. Es war dann schon wieder Makulatur. Ich könnte auch von einer Achterbahnfahrt sprechen. Es ging auf und ab. Meistens aber gefühlt abwärts. Inzwischen habe ich aber eine Vorstellung davon, warum ab der Altersklasse "60" die Teilnehmerzahl bei Laufveranstaltungen rapide abnimmt. Der Zahn der Zeit macht sich halt bemerkbar. Eine verschwindent kleine Minderheit von älteren Läufern mal ausgenommen, die immer noch zu erstaunlichen Leistungen in der Lage sind. Bei den meisten geht es aber abwärts. Viele hören deshalb wohl auf, weil es im wahrsten Sinne des Wortes einfach nicht mehr richtig läuft.

Ich hätte in den vergangenen Monaten von einigen Veranstaltungen berichten können. Im April und Mai bin ich jeweils einen Halbmarathon gelaufen. Im Juni noch bei einer 10 Km-Veranstaltung. Ich hätte über zwei Dreistunden-Läufe in den letzten Wochen berichten können und darüber, dass ich auch im Training langsamer geworden bin.

Berichtenswert wären vielleicht auch meine langen Läufe entlang der Emscher und am Rhein-Herne-Kanal gewesen. Laufen an der Emscher, der größten Kloake des Ruhrgebiets? Genau!
Und ich hätte dann erzählen können, dass da einiges im Wandel ist, weil die Emscher in einem langjährigem Projekt renaturiert wird. Es gibt einen gut ausgebauten Weg an der Emscher, die von Radfahrern und Fußgängern und auch von Läufern genutzt wird. Ich habe auch nicht feststellen können, dasss von der Emscher derzeit eine Geruchsbelästigung ausgeht, wie in der Vergangenheit. Das mag aber auch mit den kühlen Temperaturen und dem vielen Regen im Juli zu tun haben. Ach ja, der Sommer ist ja fast schon vorbei, wenn man auch den August nicht unterschätzen soll. Aber die Tage sind doch schon merklich kürzer geworden. Der Juli ist mit uns Läufern sehr moderat umgegangen. Die wenigen warmen Tage waren ja nicht wirklich ein Problem. Am letzten Freitag hatte ich bei einem zweistündigen Lauf immerhin 27 Grad zu verarbeiten. Das ist bisher mein diesjähriger Spitzenwert. Übrigens ist bei diesem Lauf wieder einmal meine Trinkflasche auf dubioser Weise aus dem Feld verschwunden. Als ich zum zweiten Mal an dem besagten Punkt vorbei kam, war die Flasche einfach weg. Da mir das im letzten Jahr auch schon mal passiert ist, war dieses Mal auch nicht besonders geschockt. Ich musste sogar kurz auflachen. Es war allerdings eine trockene Angelegeheit auf den letzten Kilometern. Ich bin aber dann noch durch eine sehr schöne Begegnung mit einem Reh entschädigt worden und das zur Mittagszeit in einem Möhrenfeld. Es war wohl gerade auf der "Durchreise" und verabschiedete sich mit eleganten Sprüngen.

In diesem Monat habe ich meine Laufkilometer mal wieder etwas steigern können. Erstmal komme ich in diesem Jahr über 200 Monatskilometer, nämlich auf genau 221 Km mit 16 Läufen. Der Jahrestacho liegt jetzt über 1.200 Km, das sind 570 Km weniger als im letzten Jahr. Mir ist`s aber egal. Es geht ja wieder aufwärts. Das ist ja bei jeder Achterbahnfahrt so, wenn man ganz unten angekommen ist. Ich habe weiterhin riesig viel Spaß am Laufen und das ist doch die Hauptsache. Marathon im Herbst? Mehr als 5 Euro würde ich nicht darauf setzen. Allerdings bin ich auch ziemlich hartnäckig. Sollte es nicht klappen, so war halt der Weg das Ziel.

Wie heißt es so schön:
Ein Ziel ist nicht immer zum Erreichen da,
oft dient es nur zum richtigen Zielen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Morgenstund


Der sintflutartige Regen vom Vortag hat sich verzogen. Die Luft ist reingewaschen. Vor der Tür begrüßt mich eine frische Brise. Gleich wird die Sonne aufgehen und ich habe Zeit. Zeit die allein mir gehört. Jedenfalls für die nächsten zwei Stunden. Allein das wirkt schon beruhigend.

Nach ein paar Schritten höre ich einen Fasan. Ich bekomme ihn nicht zu sehen. Dafür aber eine junge schwarzweiß getupfte Katze, die herumstreicht. Es geht über den Bach, der jetzt gegenüber gestern fast wieder auf Normalmaß geschrumpft ist. Dann vor mir drei kräftige Krähen auf dem Weg: als ob sie Kriegsrat halten. Aber sie müssen dann doch weichen. Jetzt muss ich kurz noch  durch die Siedlung, dann über die A2-Überquerung und dann bin ich im Wald. Nachdem mich vorher die tief stehende Sonne geblendet hat, genieße ich jetzt den augenschonenden Schatten. Die Vögel geben ein Konzert. Es gibt jetzt keine störenden Nebengeräusche. Tut das gut!

Rehe gibt es heute in der Brandheide nicht zu sehen. Die Uhrzeit wäre eigentlich richtig. Dann komme ich auf`s offene Feld. Eine große Anzahl Krähen halten hier ihr Frühstück ab.

Jetzt überquere ich eine Straße und es geht in das kleine Naturschutz "Becklemer Tal". Zunächst sagt mir ein Hase kurz guten Morgen. Na ja, eigentlich eher unfreiwillig. Er kommt aus einem schmalen Pfad auf den Hauptweg, erblickt mich und macht auch gleich wieder kehrt. Auch Hasenbegegnungen gibt es hier nur wenige. Im letzten Jahr war es etwas mehr. Aber 2012 ist wohl kein gutes Jahr für die Hasen.

Inzwischen sind nicht nur die Hasen unterwegs. Erst kommt mir eine Läuferin mit angeleintem Hund entgegen. Dann ein Radfahrer mit Hund und später noch ein Läufer ohne Hund und ohne Rad.

Der kleine Wald ist leider schnell durchlaufen. Es geht jetzt durch die Felder. Ich bin da etwas zwie gespalten. Auch Landwirtschaft ist ein Eingriff in die Natur. Aber immerhin hier wächst was. Scharen von Krähen und Tauben haben ihren Spaß daran.

Mein Lauf geht nach 1 1/2 Stunden langsam zu Ende. Noch kurz durch die Siedlung. Wieder begegne ich einem Kätzchen,dieses mal  mit einem ganz schwarzen Fell. Dann hat mich die Wirklichkeit wieder.

"Morgenstund` hat Gold im Mund." Das Sprichwort hat durchaus seine Berechtigung.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Wie eine alte Dampflok


Gestern habe Abend habe ich gepasst. Mir war nicht nach Laufen. Der Tag war zu lang und zu anstrengend gewesen. Und dann ist es ja auch noch deutlich wärmer geworden. Ich mag den Sommer, wenn ich nicht arbeiten muss und nicht gerade laufen möchte. Das sind zugegebener Maßen doch nicht ganz unerhebliche Einschränkungen. Doch was wären Frühling undHerbst ohne Sommer und Winter?

Es hat mir nicht gefallen, dass ich gestern nicht Laufen war. Während meines Täglichlaufens hat es solche Einschnitte nicht gegeben. Es fällt mir offensichtlich schwerer mich nach ein oder zwei Tagen mit einer Laufpause neu aufzuraffen.

Doch heute sollte es keine Entschuldigung geben. Als ich zu Hause war habe ich als erstes meine Laufsachen zusammen gelegt, die Beine kalt abgeduscht und zehn Minuten hoch gelegt und dann, nach dieser extremen Erholungsphase ging es raus. Ach ja, einen nassen Waschlappen hatte ich heute auch noch zusätzlich dabei. Dafür habe ich meinen Pulsgurt vergessen. Als ich es vor der Tür bemerkte, hatte ich keine Lust nochmals ins Haus zu gehen.

26 Grad sind doch gar nicht so warm für Juli. Stimmt, wenn man nicht gerade laufen will. Warmlaufen musste heute trotzdem sein. Denn heute stand, passend zum Wetter, ein Intervalltraining an: 5 mal 1.000 m. Nachdem ich nach 3 Klometern meinte, dass ich nun warm genug wäre, konnte es los gehen. Das erste Intervall in 10 Km-Tempo ging so leidlich. Etwas verschnaufen, umdrehen und wieder zurück. Ging schon nicht mehr ganz so gut. Ein paar Spaziergänger waren auch unterweg. Weniger als sonst. War ja noch zu warm. Die werden sich ihr Teil gedacht haben, als ich sie überholte und dann wenig später wieder entgegen kam. Doch für mich war das ja erst der Anfang. Insgesamt fünfmal ging es über diesen besagten Kilometer. Beim letzten Mal waren die Beine schon ordentlich schwer. Und ich schnaufte, wie eine alte Dampflok. Und dann fast fertig. Wie nennt man das in feinen Läuferkreisen so schön: cool down. Gar nicht so einfach bei denTemperaturen.

Spaß gemacht hat es übrigens auch. Und ein gutes Gefühl nach der Dusche.